Monsanto gibt jetzt auf, oder doch nicht ganz?

Wissen / 07.06.2013 • 18:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die weltweiten Proteste gegen den US-Agrarkonzern Monsanto haben dessen angeblichen Rückzug aus Europa provoziert. Foto: ap
Die weltweiten Proteste gegen den US-Agrarkonzern Monsanto haben dessen angeblichen Rückzug aus Europa provoziert. Foto: ap

Der weltgrößte Saatguthersteller zieht sich aus Europa zurück. Wirklich?

Heidi Rinke-Jarosch

SCHWARZACH. 15 Jahre lang hat Monsanto mit allen Mitteln versucht, sein Gentech-Saatgut in Europa zu säen. Doch zu groß war der Widerstand der Europäer. Nun nimmt der US-Agrarkonzern Abschied von Europa. Seine Gentech-Produkte sollen in Zukunft in der EU nicht mehr vermarktet werden. Das Unternehmen plane auch nicht, die Zulassung neuer gentechnisch veränderter Pflanzen zu beantragen. Auch auf neue Feldversuche mit Saatgut von Genpflanzen werde verzichtet.

Zu dieser (offiziellen) Entscheidung des Weltkonzerns haben vor allem die weltweiten, massiven Demonstrationen geführt. Allein am 25. Mai gingen unter dem Motto „March against Monsanto“ weltweit mehr als zwei Millionen Menschen auf die Straße. „Es ist kontraproduktiv, gegen Windmühlen zu kämpfen“, lautete die Reaktion der Sprecherin von Monsanto Deutschland, Ursula Lüttmer-Ouazane. „Wir werden kein Geld mehr dafür ausgeben, Menschen davon zu überzeugen, ihn (Genmais) anzubauen“, ließ Brandon Mitchener, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit Monsanto für Europa und den Mittleren Osten, gegenüber westlichen Medien wissen.

Vom Entschluss des Rückzugs ausgenommen sind allerdings jene Staaten der Europäischen Union, in denen Monsanto-Genmais bereits angebaut wird: Spanien, Portugal, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Polen. In allen anderen EU-Ländern ist der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verboten.

Nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Teilen der Welt sind die Zeiten für Monsanto schwer geworden. Im US-Bundesstaat Oregon wurden Felder mit von Monsanto entwickeltem genmanipuliertem Weizen, der gegen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup resistent ist, entdeckt und vernichtet. In der Folge stoppten Japan und Südkorea den Import von Weizen aus den USA.

Zu früh gefreut?

Freude über Monsantos Abschied von Europa herrscht bei der Umweltorganisation Greenpeace: „Es ist ein großer Erfolg für die Bewegung, dass Monsanto jetzt erste Konsequenzen zieht“, meldet Greenpeace-Gentechnik-Sprecherin Dagmar Urban. „Gentechnik-Pflanzen stehen für eine risikoreiche und überholte Technologie, die zu massiven ökologischen Konsequenzen führt und ungeklärte Risiken für die Gesundheit birgt.“ Mit ihrem jahrelangen Fokus auf Gentech-Pflanzen hätten Monsanto und andere Biotechnologie-Konzerne den Fortschritt in Richtung moderner biotechnologischer und biologischer Landwirtschaftspraxen blockiert.

Weniger Enthusiasmus herrscht bei Global 2000: „Was auch immer der Monsanto-Sprecher angeblich gesagt hat, Fakt ist, dass Monsanto vor allem über sein konventionelles Saatgut in Europa den Markt beherrschen will. Dies tut er zum Teil über Patentierung konventioneller Pflanzen“, sagt Heidemarie Porstner von Global 2000. „Ein wesentlicher Aspekt ist auch die Tatsache, dass Konzerne wie Monsanto sich für eine strenge neue Saatgut-Verordnung auf EU-Ebene einsetzen, die es ihnen ermöglichen wird, in Zukunft noch leichter und eindeutiger Lizenzen auf Saatgut bzw. Sorten konventioneller Pflanzen anzumelden. Monsanto wird weiter versuchen, seine Pflanzen über Import oder eben über neue Zulassungen nach Europa zu bringen.“