„Unverpackt“ spart Müll

Wissen / 08.08.2014 • 11:25 Uhr
Der neue „Original Unverpackt“-Supermarkt“ in Berlin.  NAU Architects
Der neue „Original Unverpackt“-Supermarkt“ in Berlin. NAU Architects

Immer mehr schlaue Gründer eröffnen plastikfreie Läden. Es wird einfach nachgefüllt.

schwarzach. Millionen Tonnen von Verpackungsmüll werden jährlich produziert.Jede Art der Wiederverwertung vergrößert den ökologischen Fußabdruck, weil dafür wiederum Ressourcen verbraucht werden. Als Gegenmaßnahme setzen findige Einzelhändler jetzt wieder auf Altbewährtes: Wie früher im Tante-Emma-Laden verkaufen sie ihre Ware teilweise oder komplett ohne Verpackung.

Dahinter stecken keine alternativen Aussteiger mehr, sondern Startups mit Businessplan, die nicht nur das Wohl der Kunden sehen, sondern auch dem Einzelhändler vorrechnen, dass er an einem neuen, verpackungsfreien Handel satt verdienen könnte, weil Produkte en gros ohne Verpackung und überbordendes Marketing häufig einfach billiger sind und höhere Gewinne ermöglichen.

2014 wird das Jahr des unverpackten Einkaufens werden. Erst im Februar eröffnete die gebürtige Französin Marie Delaperrière in Kiel ihren Supermarkt mit dem Namen „Unverpackt“, der sämtliche Waren ohne Verpackung anbietet. Im Mai folgte das Ehepaar Deinet aus Duisburg dem Trend, sie tauften ihren Laden „Freikost“. In Berlin bieten die Geschäfte „Dr. Pogo“ und „Biosphäre“ schon seit Längerem einen Teil ihrer Ware verpackungslos an. Mit dem Supermarkt „Original Unverpackt“ der Unternehmerinnen Sara Wolf und Milena Glimbovski wird demnächst auch in der deutschen Hauptstadt der erste Supermarkt völlig ohne Einwegverpackungen eröffnet. Die Gründerinnen wollen Müll in der kompletten Lieferkette – vom Erzeuger bis zum Verbraucher – vermeiden.

Große Nachfrage

Und so geht’s: Aus großen Vorratsbehältern mit Nudeln, Müsli, Shampoo oder Spülmittel füllen Kunden sich die Ware ab, an der Kasse wird abgewogen. Getränke sind entweder in Mehrweg-Flaschen oder zum Abzapfen erhältlich. Auch Cremes sollen Kunden abfüllen. Behältnisse können sie teils vor Ort kaufen, leihen oder mitbringen.

Lebensmittelrechtlich ist das zulässig. „Die Betreiber müssen nur sicherstellen, dass die Ware durch eigene Behälter der Kunden nicht hygienisch beeinträchtigt wird“, sagt Andreas Tief vom deutschen Verbraucherministerium.

Eine Sprecherin von „Original Unverpackt“ sagte zu Stiftung Warentest, dass von Kunden mitgebrachte Behälnisse für Lebensmittel, wie etwa Butter oder Käse, vor der Benutzung vor Ort gereinigt werden. Außerdem soll Hygiene etwa dadurch gewährleistet werden, dass Kunden Butter und Käse nicht selbst abschneiden, sondern es dafür Verkaufspersonal geben wird.

Die Idee ist nicht neu: In Wien gibt es einen Greißler, welcher das Konzept des verpackungsfreien Supermarktes bereits umgesetzt hat. Das Sortiment der Lunzers reicht dabei von Mehl über Reis, Pasta, Öle, Marmeladen, Gewürze bis hin zu Getränken und Milchprodukten. Der Vorteil: keine unnötigen Verpackungen, Einkaufen mit Maß und Ziel. Für Spontankäufe sicher etwas umständlich, doch die Planung lohnt sich, spätestens beim Auspacken und Verstauen – vor allem im Hinblick auf den Schutz der Umwelt. In Vorarlberg wird „unverpackt“ in Ansätzen angeboten.

Plastik im Visier

Unnötige Plastikverpackungen bei Frischem, oft in Kombination mit Kartons oder mehrfach „eingewickelt“, geht der jungen Ökoszene, die über Twitter, Facebook & Co. vernetzt ist, auf die Nerven. Obwohl Kunststoffe aus dem modernen Lifestyle nicht wegzudenken sind. Plastik ist hip, wenn es als Smartphone-Tasche daher-kommt. Plastik ist Zukunft, wenn es aus dem 3D-Drucker kommt. Plastik ist Pop, wenn es als i-Tunes-Gutschein für 50 Euro an der Supermarktkasse angeboten wird. Plastik ist allgegenwärtig.