Proteine ermöglichen Erreger Gleitbewegung

Wissen / 21.11.2014 • 16:43 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Viele Bakterien müssen sich bewegen, um in für sie optimale Lebensräume zu kommen.

wien. Das Bakterium Mycoplasma gallisepticum verursacht chronische Erkrankungen der Atemwege bei Vögeln. Vor allem Hühner- und Putenherden sind von der Tierseuche betroffen. Dass dieser in der Veterinärmedizin relevante Erreger gleiten kann, ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Ivana Indikova und Michael Szostak vom Institut für Mikrobiologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben nun herausgefunden, welche Proteine dem Bakterium die Gleitbewegung ermöglichen. „Fehlt dem Bakterium eines dieser drei Proteine, kann es sich nicht mehr eigenständig bewegen“, erklärt Szostak. Sollten unbewegliche Bakterien weniger infektiös sein, wäre dies ein Ansatzpunkt für eine Bekämpfung der Keime. So könnten gezielt Mobilitätsgene der Erreger ausgeschaltet und diese damit ungefährlich gemacht werden.

Ein unbeweglicher und damit nicht krankmachender Keim könnte auch Basis für ein neues Medikament sein. Noch ist aber nicht klar, auf welche Reize die Erreger beim Gleiten reagieren. Während sich die meisten Mycoplasmen-Arten nicht fortbewegen können, wurden gleitenden Arten bisher nur im Atemtrakt und Genitaltrakt nachgewiesen – also überall dort, wo es einen gerichteten Schleimfluss gibt. Möglicherweise surfen die Keime gegen diesen Strom, um tieferliegende Körperregionen zu erreichen. Die Wissenschafter planen, dieser Frage in weiteren Experimenten nachzugehen.