Tomaten aus dem All

Wissen / 03.02.2017 • 11:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tomaten aus dem All

Forscher wollen im All testen, ob sich unter extremen Bedingungen Tomaten ziehen lassen.

Berlin. Wichtiger Schritt für die Versorgung von Astronauten auf künftigen Langzeitmissionen: Das Deutsche Raumfahrtzentrum DLR will auf seinem Satelliten Eucropis Gewächshäuser für Mond und Mars erproben. Eucropis wird voraussichtlich am Jahresende an Bord einer Falcon-9-Trägerrakete des privaten Raumfahrtunternehmens Space-X ins All fliegen, erläuterte DLR-Vorstandsmitglied Hansjörg Dittus.

An Bord des unbemannten Satelliten sollen kleine Weltraumtomaten heranwachsen. Eucropis soll während seiner Mission in 600 Kilometern Höhe um seine eigene Achse rotieren und dabei im Inneren für sechs Monate zunächst Schwerkraft wie auf dem Mond und anschließend sechs Monate lang Mars-Gravitation erzeugen. Dabei sollen sich unter den wachsamen Augen von 16 Kameras aus Paradeisersamen kleine Weltraumtomaten entwickeln. Wenn das Experiment glückt, ist die Ernte künftig als Astronautennahrung gedacht.

Für die Tomatenzucht im All wird am DLR-Standort Bremen ein Flugmodell gebaut und getestet. Am Jahresende soll der Satellit als Beiladung mit einer Trägerrakete der privaten Raumfahrtfirma Space-X abheben. „Wir nutzen eine Mitfluggelegenheit“, sagte Dittus. „Alles andere wäre unbezahlbar.“ Allein der Transport ins All koste bereits fünf Millionen Euro.

Künstlicher Urin als Dünger

Die entscheidenden Helfer, die dies ermöglichen sollen, fliegen laut DLR mit ins All: Zum einen wird ein Konsortium von Mikroorganismen in einem Rieselfilter dafür sorgen, dass aus künstlichem Urin ein bekömmlicher Dünger für die Tomaten entsteht. Zum anderen sind Augentierchen – der Einzeller Euglena – mit an Bord, um das geschlossene System zusätzlich vor überschüssigem Ammoniak zu schützen und Sauerstoff zu liefern. LED-Licht wird für Augentierchen und Tomatensamen einen Tag- und Nachtrhythmus liefern, ein Drucktank soll für irdische Atmosphäre sorgen. Anpassen müssten sich die Pflanzen dabei an die verminderte Schwerkraft: Auf dem Mond herrscht etwa ein Sechstel der Erdanziehungskraft, auf dem Roten Planeten Mars etwa ein Drittel.

Bevor Eucropis auf die Reise geschickt wird, werden nach DLR-Angaben die Lavasteine des Rieselfilters zunächst mit getrockneter Erde „infiziert“. Durch diese Impfung ziehen verschiedene Organismen in die löchrige, große Oberfläche der Lavasteine ein und nutzen diese als Lebensraum.

Im All wird dann alle zwei, drei Tage künstlicher Urin versetzt mit Wasser über dieses Habitat rieseln, in dem ein wahrer Wettbewerb der Mikroorganismen um diese Nahrung entsteht. Das schädliche Ammoniak wird dabei über Nitrit zu Nitrat abgebaut und als Dünger zu den Tomatensamen geleitet.

Nach dem Start von Eucropis soll zunächst das Gewächshaus aktiviert werden, das den Mond-Bedingungen ausgesetzt wird. Nach sechs Monaten wird dann das zweite Gewächshaus unter Mars-Gravitation in Betrieb genommen. Dann waren Mikroorganismen, Tomatensamen und Euglena schon ein halbes Jahr der Weltraumstrahlung ausgesetzt – vergleichbar mit einem Flug zum Mars.

Damit die Menschheit weiter in den Weltraum vor-
dringen kann, erforscht das DLR, wie Nahrungsmittel im All produziert werden können. Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS haben bereits selbst gezogenen Weltraum-Salat gegessen.

Wir nutzen eine Mitfluggelegenheit. Alles andere wäre unbezahlbar. Allein der Transport ins All koste bereits fünf Millionen Euro.

Hansjärg Dittus DLR-Vorstandsmitglied

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