Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Sehr g‘scheit

Wissen / 01.06.2018 • 15:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Politik der USA hat Israel wieder einmal in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Es schwirren sich widersprechende Meldungen durch die Medien, daher sollte jemand, der sich wirklich für Israel interessiert, Informationen nicht aus dem Fernsehen beziehen, sondern Israel persönlich erkunden. In diesem Fall wird man ein Land erleben, das sich von dem, was bei uns berichtet wird, in vielen Dingen gründlich unterscheidet.

Wir blenden nun Israels Politik aus und widmen uns einer anderen Frage. Es ist nicht genau feststellbar, wie viele Juden es auf der Welt gibt, aber die Schätzung von zwei Promille der Weltbevölkerung dürfte einigermaßen stimmen. Eine Zuordnung aller Nobelpreisträger auf Nationen ist ebenfalls nicht immer eindeutig, weil Wissenschaftler und Künstler nicht selten international unterwegs waren und sind. So gibt es viele den USA oder Großbritannien zugeordnete Wissenschaftler, die in Wahrheit aus Zentraleuropa stammen. Eine jüdische Zuordnung der Nobelpreisträger ist ebenfalls nicht immer klar, aber mit rund zwanzig Prozent liegt die Schätzung richtig. Es ist fast unglaublich: Das winzige Zwei- Promille-Volk der Juden bekam bisher zwanzig Prozent der Nobelpreise.

Die Abwanderung der Juden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hat in Europa ganze Wissenschaftszweige ruiniert. Zwischen März 1938 und November 1941 verließen (noch vor dem Holocaust) knapp 130.000 Juden das Land. Auf Initiative von Adolf Eichmann wurde im Sommer 1938 die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ in Wien errichtet. Die zur Auswanderung gezwungenen Juden durften neben wenigen persönlichen Habseligkeiten nur so viel Geld mitnehmen, wie sie zur Erlangung der Einreiseerlaubnis in das gewünschte Land benötigten. Der gesamte übrige Besitz wurde von den Behörden geplündert.

Ein inzwischen verstorbener antisemitischer Bekannter beantwortete mir vor einigen Jahren die Frage, warum denn die Juden insgesamt so leistungsfähig sind, mit der Feststellung „sie sind halt fleißig und sehr g‘scheit“. Von Geld sagte er zunächst nichts, denn das, so meinte er auf Nachfrage, käme ja aus ihrem Fleiß und ihrem Verstand und das Gleiche könne man ja auch von den Deutschen sagen. Mit dieser Antwort hatte mein Gesprächspartner ein zentrales Tabu unserer Zeit mit wenigen Worten ausgedrückt. Der in manchen politischen Zirkeln grassierende Antigermanismus und der immer noch verbreitete Antisemitismus sind eine Folge des Neids. Beneiden heißt im Grunde nichts anderes als die eigene Unterlegenheit zu beklagen. Was die Neider jedoch übersehen, besagt ein chinesisches Sprichwort: „Neid sieht nur das Blumenbeet, nie den Spaten.“

„Beneiden heißt im Grunde nichts anderes als die eigene Unterlegenheit zu beklagen.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.