Kühlen und Heizen mit einer Anlage?

Wissen / 29.06.2019 • 11:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Energie für die Wärmepumpe stammt aus dem Wasserbehälter, der zunächst bis auf null Grad abgekühlt wird. FOTOLIA

Die Lösung heißt Eis.

Schwarzach Es mag befremden, in den Wochen, da eine Hitzewelle die nächste jagt, vom Heizen zu sprechen, aber diese spezielle Anlage, die ich heute vorstelle, funktioniert in beide Richtungen. Im Sommer kühlt sie, im Winter liefert sie Wärme. Beide Male mit Eis. Nötig sind Solaranlage, Zisterne und Wärmepumpe. Die Energie für die Wärmepumpe stammt aus dem Wasserbehälter, der zunächst bis auf null Grad abgekühlt wird. Entzieht die Pumpe weiter Wärme, bildet sich Eis. Die Zisterne friert zu, der Apparat entzieht dem Eis die sogenannte Erstarrungswärme, von der wir im Alltag allerdings nichts spüren, weil sie eben nur bei null Grad frei wird. Um ein Kilo Wasser in ein Kilo Eis zu verwandeln, muss man ihm genau so viel Wärme entziehen, wie nötig ist, um dieses Kilo Wasser von null auf 80 Grad aufzuheizen. Der Sonnenkollektor arbeitet auf den großen Wasserspeicher und führt ihm auch im Winter Wärme zu, wenn die Sonne scheint.

Energieenthusiasten

Das System gibt es seit fast 20 Jahren, war damals aber eine Bastelei von Energieenthusiasten, inzwischen werden ausgereifte Anlagen mit aufeinander abgestimmten Komponenten im Fachhandel angeboten. Der Sonnenkollektor wurde verändert. Er hat keine Abdeckung, sondern besteht aus Plastikrohren im Kontakt mit der Außenluft. Das klingt erst einmal unsinnig, aber die niedrige Temperatur erhöht den Wirkungsgrad. Der zirkulierende Wärmeträger taut den Eisspeicher zwischendurch immer wieder auf. Das kleinste Paket umfasste einen Eisspeicher mit zehn Kubikmeter Inhalt, eine Wärmepumpe mit sechs Kilowatt Heizleistung und acht Quadratmeter Luftabsorber. Die Betonzisterne wird unter die Frostgrenze im Boden versenkt, aber nicht isoliert. Im Gegenteil: Im Winter strömt die Energie aus dem wärmeren Erdreich in den Eisspeicher und hilft beim Heizen mit. Der Kollektor dient eigentlich nur dazu, im Sommerhalbjahr den Eisklotz wieder aufzutauen, damit er ab Herbst wieder eingefroren werden kann.

Der Eisspeicher ist die einzige Möglichkeit, relativ billig Wärme vom Sommer in den Winter zu speichern. Braucht man mehr Heizenergie, lassen sich mehrere Speicher und zusätzliche Kollektoren nach Baukastenprinzip kombinieren. Vorteile: Man braucht keine Tiefbohrung und muss nicht riesige Erdmassen für einen Erdkollektor bewegen, es genügt ein großes Loch. Mit einem Zusatzgerät kann das kalte Speicherwasser dazu verwendet werden, das Gebäude zu kühlen! Diese Möglichkeit macht die Eisheizung besonders interessant, da die Aufwendungen für die Kühlung in den kommenden Jahrzehnten die für Heizung übertreffen werden. Nachteil: Teuer in der Anschaffung, wobei mir noch nicht klar geworden ist, was an einem großen Betonrohr und einem Plastikkollektor so besonders teuer sein soll, vielleicht hilft hier in Zukunft ja die Konkurrenz, wenn die Nachfrage nach dem System steigt. Christian Mähr