Vorschlag zur Doppelnutzung

12.07.2019 • 13:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es müsste allerdings schon ein Hochleistungskollektor sein, um die nötige Temperatur zu liefern.Reuters
Es müsste allerdings schon ein Hochleistungskollektor sein, um die nötige Temperatur zu liefern.Reuters

Wie man mit Sonnenkollektoren kühlen könnte.

In diesen Tagen drängt sich beim Blick auf diverse Hausdächer die Frage auf: Was geschieht in diesen Sommertagen mit der Sonnenwärme der vielen Kollektoren, die zum Teil schon seit Jahrzehnten ihren Dienst tun? Nun ja, der Großteil wird nicht genutzt, man müsste wahrscheinlich mehrmals am Tag baden, um die Riesenmengen Warmwasser zu verbrauchen, die der Kollektor liefern könnte; die Wärme bis in den Winter aufzuheben, erfordert teure Riesenspeicher für ganze Städte. Bis die gebaut werden – gibt es denn keine Zwischenlösung? Allerdings, und das schon seit Jahrzehnten. Man könnte die Sonnenwärme zum Kühlen verwenden. Kälte aus Wärme, das wird in sogenannten Absorptionskühlanlagen im großen Maßstab gemacht, nur stammt die Antriebswärme nicht von der Sonne, sondern aus einer Gasflamme oder ist Abwärme industrieller Prozesse. Im Prinzip ist es eine Wärmepumpe.

Zirkulation

Uns interessiert hier die Kälte: Die entsteht, wenn ein Kältemittel unter geringem Druck verdampft, der Umgebung wird Wärme im Verdampfer entzogen. Umgebung heißt: Kühlwasser, das in den Gebäuden zirkuliert. Eine elektrische Pumpe verdichtet den kalten Dampf auf hohen Druck und lässt ihn bei Außentemperatur wieder flüssig werden, das geschieht im Kondensator. Das flüssige Kältemittel strömt durch ein Ventil wieder in den Verdampfer, das Ganze beginnt von vorn. Strom braucht die Pumpe, der Kompressor. Diesen mechanischen Teil kann man erstaunlicherweise durch einen chemischen Kompressor ersetzen. Das Kältemittelgas, in diesem Fall Ammoniak, wird in einem Absorber von Wasser aufgesaugt und darin gelöst. Ein Liter Wasser nimmt bei 40 Grad rund 450 Liter Ammoniakgas auf – um diese Menge Gas in einen Liter reinzuquetschen, müsste man ein paar Hundert Atmosphären Druck ausüben, daher der Name chemische Kompression. Das Ammoniak muss aus dem Wasser auch wieder raus, um den Kreislauf zu schließen – kein Problem, man kocht es einfach aus, der Topf, in dem das passiert, heißt Kocher. Auskochen bedeutet Hitzezufuhr, woher kommt die? Völlig egal. Kann eine Gasflamme sein, Abwärme der Industrie oder – Solarwärme vom Kollektor!

Vorteil in diesem Fall: Die Wärme fällt genau dann an, wenn ich sie zum Kühlen brauche, das leidige Speicherproblem entfällt. Es müsste allerdings schon ein Hochleistungskollektor sein, um die nötige Temperatur zu liefern. Man versteht nicht recht, warum bei Solaranlagen zum Heizen der Zusatznutzen, das Kühlen, nicht integriert und von vornherein angeboten wird. Klar: die Absorberwärmepumpe ist ein zusätzliches, teures Bauteil. Aber sie verbraucht viel weniger Strom als die herkömmliche Klimaanlage. Und Strom soll ja, wo es geht, eingespart werden. Weil den brauchen wir in Zukunft fürs Elektroauto, oder?