Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Saturn V

26.07.2019 • 12:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ein prominenter Manager der NASA sagte vor Jahrzehnten in einem Interview, dass ein Raumschiff und eine Mondlandefähre jede bessere Flugzeugfirma bauen kann. Eine 2900 Tonnen schwere Rakete konnte damals aber nur einer konstruieren: Wernher von Braun.

Die Saturn V erhielt ihren Namen nach dem Vorgängermodell Saturn 1B, die Zahl 5 bezieht sich auf die F-1-Triebwerke, die wie die Punkte auf einem Würfel angeordnet waren. Die Saturn V, deren Konstruktionspläne bereits Mitte der Sechzigerjahre fertig waren, war nicht nur die größte jemals gebaute Rakete mit den bis heute stärksten Raketenmotoren. Sie war auch die erste Großrakete, die ausschließlich für zivile Nutzung entworfen wurde. Alle Modelle davor waren für Rüstungszwecke konstruiert worden. Die Saturn V versagte nie, ihr sowjetisches Konkurrenzmodell, die „N1“ funktionierte kein einziges Mal.

Das Monster

Alles an der Saturn V war monströs. Sie war 110 Meter hoch und damit höher als der „Big Ben“ in London und die Freiheitsstatue in New York. Sie hatte vollgetankt eine Masse von insgesamt 2900 Tonnen, die fünf Triebwerke der ersten Stufe verbrauchten 13 Tonnen Treibstoff pro Sekunde, so viel wie 1.500 Überschalljets bei Vollgas. Die Pumpen für die Triebwerke mussten erst erfunden werden, keine Turbopumpe der Welt konnte damals derartige Flüssigkeitsmengen mit der nötigen hohen Geschwindigkeit transportieren.

Die erste Stufe war 2,5 Minuten nach dem Start ausgebrannt und stürzte in den Atlantik. Im „Museum of Flight“ in Seattle sind Originalteile einer Raketenstufe ausgestellt, die vor Jahren aus dem Atlantik geborgen wurden. Die zweite Raketenstufe zündete in 60 km Höhe, brachte das Apolloraumschiff bis auf knapp 200 km und verglühte beim Rücksturz zur Erde. Die dritte Raketenstufe beschleunigte schließlich das Raumschiff auf 28.160 km/h. Mit dieser Geschwindigkeit umkreiste Apollo die Erde. Die Astronauten konnten einige Stunden lang alle Systeme checken. Die dritte Raketenstufe verfügte über ein J-2-Triebwerk, es war in den Sechzigerjahren das einzige Triebwerk der Welt, das mehrmals gezündet werden konnte. Der Einschuss in die Mondbahn erfolgte durch eine abermalige Zündung. Apollo wurde auf die Fluchtgeschwindigkeit von 39.400 km/h beschleunigt. Der größte Teil der Saturn V diente nur dazu, die relativ kleine Apollokapsel mit drei Astronauten zum Mond und wieder zurück zu bringen. Die Apollokapsel mit den Astronauten war der kleine Rest der Rakete, der zur Erde zurückkehrte. Sie hatte ein Maximalgewicht von 5,9 Tonnen, das sind nur zwei Promille der Gesamtmasse der Saturn V.

(Das traditionelle Sommerthema des VN-Scheinwerfers ist in diesem Jahr „50 Jahre Mondlandung“.)

„Apollo wurde auf die Fluchtgeschwindigkeit von 39.400 km/h beschleunigt.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.