Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Offene Gesellschaft

Wissen / 13.09.2019 • 15:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Karl Popper wurde am 28. Juli 1902 als Sohn von Rechtsanwalt Simon Popper und Jenny Popper, geborene Schiff, in Wien geboren. Seine Eltern waren Juden, die zum Protestantismus konvertiert waren. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges verließ der junge Popper vorzeitig das Gymnasium und wurde Gasthörer an der Universität Wien. Er besuchte Vorlesungen in Mathematik, Geschichte, Psychologie, Physik und Philosophie. Die Matura bestand er später als Externist. Unter dem Einfluss der stärker werdenden Sozialisten absolvierte Popper neben der Ausbildung zum Lehrer auch eine Tischlerlehre und schloss diese mit dem Gesellenbrief ab.

Nach der Ausrufung der Republik trat Popper vorübergehend der Kommunistischen Partei bei. 1924 bestand er die Prüfung an der Lehrerbildungsanstalt. Ein Jahr später wurde er Student am Pädagogischen Institut. Als Popper begann, philosophische Gedanken zu bearbeiten, knüpfte er Kontakte zum „Wiener Kreis“. Von 1935 bis 1936 reiste Popper nach England, wo er die Physiker Erwin Schrödinger und Bertrand Russell kennen lernte. Später traf er in Kopenhagen auch den Quantenphysiker Niels Bohr.

Weltverbesserer

1937 verließ Karl Popper mit seiner Frau Europa und emigrierte nach Christchurch in Neuseeland. An der dortigen Universität entstanden zwei wichtige Werke: „Poverty of Historicism“ (Das Elend des Historizismus) sowie „The Open Society and Its Enemies“ (Die offene Gesellschaft und ihre Feinde). In beiden Werken verabschiedet sich Popper vom Marxismus und anderen autoritären Philosophien. Wegen der Abkehr vom marxistischen Gedankengut und wegen der ätzenden Kritik an postmodernen „orakelnden“ Philosophen sowie der Propagierung bürgerlicher Freiheiten wurde Popper heftig kritisiert. Poppers Vorteil war seine fundierte naturwissenschaftliche Bildung. Er konnte sich – ungewöhnlich für Philosophen – mit Biologen und Quantenphysikern auf hohem Niveau unterhalten. Die Kritik an Popper beschränkt sich heute auf Belanglosigkeiten, wie etwa auf den hohlen Vorwurf, Popper dachte nicht sozial.

Poppers Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ – vor allem der 2. Band – sollte Pflichtlektüre aller Politiker sein, die glauben, mit Überregulierung so etwas wie Gerechtigkeit erzeugen zu können. Einer von Poppers Lehrsätzen lautet dazu „Die Weltverbesserer sind die eigentlichen Feinde einer offenen Gesellschaft.“

1965 wurde Karl Popper von Königin Elisabeth II. für sein Lebenswerk zum Ritter geschlagen. Er war Mitglied der vom Österreicher Friedrich August von Hayek gegründeten liberalen Denkfabrik „Mont Pelerin Society“ und der Royal Society in London. Sir Karl Popper starb vor 25 Jahren, am 17. September 1994 in London.

„1965 wurde Karl Popper von Königin Elisabeth II. für sein Lebenswerk zum Ritter geschlagen.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.