Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Verkürzte Daten

Wissen / 15.11.2019 • 16:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Verkürzte Meldungen können nicht nur den tatsächlichen Inhalt einer Nachricht verstecken, in vielen Fällen sind Missverständnisse die Folge bis hin zum Krieg.

Fürst Otto von Bismarck war nicht nur ein intelligenter Politiker, er war auch ein Schlitzohr. Das eine schließt bekanntlich das andere nicht aus. 1870 kriselte es in Europa. Napoleon III galt als Konkurrent der Preußen um die Vorherrschaft in Europa. Er duldete daher keinen Deutschen auf dem vakanten spanischen Thron. Im Sommer weilte der preußische König Wilhelm I in Bad Ems zur Kur. Der aufdringliche französische Botschafter verfasste ein Schreiben an den König und überreichte es persönlich. In diesem Schreiben wurde Wilhelm aufgefordert, für immer darauf zu verzichten, Hohenzollern-Prinzen auf den spanischen Thron zu setzen. Wilhelm I. lehnte diplomatisch ab und informierte Kanzler Bismarck. Dieser verkürzte die „Emser Depesche“ Wilhelms so, dass sie anmaßend und beleidigend klang und schickte den Text an die Presse. Das wiederum ärgerte die Franzosen so maßlos, dass sie Preußen den Krieg erklärten. Bismarck nützte die Gelegenheit, Frankreich als Aggressor hinzustellen, und die Einigkeit Deutschlands zu erzwingen. Den folgenden Krieg verlor Frankreich. Eine simple Kürzung hatte Weltpolitik gemacht.

Grobe Schätzungen

Methoden, die in der Politik üblich sind, sickern leider verstärkt in die Wissenschaften. So wird die Klimadebatte inzwischen so geführt, dass es kaum noch möglich ist, richtig von falsch zu unterscheiden. Heute werden nicht selten grobe Schätzungen als bewiesene Tatsachen hingestellt.

Der Club of Rome war in den Siebzigerjahren das Maß allen Wissens. Im Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ von 1973 wird richtig vermerkt, dass der Erde nicht unbegrenzt Rohstoffe entnommen werden können, aber die aus den damals vorliegenden Daten berechneten Prognosen haben sich großteils als falsch erwiesen. Unser Problem heute ist nicht ein Mangel an Erdöl, sondern ein Überfluss.

Die Aufregung war in den Siebzigerjahren trotzdem groß. Heute sorgt der Bericht des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) für Wallungen. Es wird eine Erhöhung des Meeresspiegels vorausgesagt. Das aber ist eine verkürzte und voreilige Mitteilung, denn Wasser wird in unvorstellbaren Mengen durch „Subduktion“ in den Erdmantel geschoben und taucht durch Vulkane teilweise wieder auf, wobei nur grobe Schätzungen existieren.

Prognosen hängen von der Auswahl der Daten ab, sind also Annahmen auf Basis von Verkürzungen. Das ist der Grund, warum Vorhersagen bei Aktienkursen, Wahlergebnissen und auch beim Klima oft weiter daneben liegen als die Prophezeihungen des Nostradamus.

„Die Klimadebatte wird inzwischen so geführt, dass es kaum möglich ist, richtig von falsch zu unterscheiden.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.