Anno Domini

Wissen / 27.12.2019 • 11:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Neil Armstrong sagte auf dem Mond die bekannten Worte „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“ Im vergangenen Sommer gab es kaum eine Zeitung, die anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Mondlandung auf das Zitieren dieses Spruchs verzichte. Es gibt aber zur Mondlandung auch vergessene Geschichten.

1999 wurde eine vorbereitete Rede veröffentlicht, die US-Präsident Nixon halten hätte sollen, falls die Apollo-11-Astronauten am Mond gestrandet wären. In dieser Rede heißt es: „Das Schicksal hat gefordert, dass jene Männer, die zum Mond gingen, um ihn in Frieden zu erforschen, auf dem Mond bleiben werden, um in Frieden zu ruhen. Diese mutigen Männer … wissen, dass es keine Hoffnung auf Rettung gibt. … Bei ihrer Erforschung haben sie die Menschen der Welt dazu gebracht, sich wie eine Einheit zu fühlen. Mit ihrem Opfer schweißen sie die Menschen fester zusammen. In alten Zeiten beobachteten die Menschen die Sterne und sahen ihre Helden in den Sternbildern. … Diese Männer waren die Ersten, und sie werden die Ersten in unseren Herzen bleiben.“

1969 A. D.

Eine ebenfalls kaum beachtete Geschichte rund um eine auf dem Mond zurückgelassene Plakette betrifft die christliche Religion. Es heißt da: „Here men from the planet earth first set foot upon the moon – July 1969 A. D.“ Die Plakette trägt die Unterschriften von Neil Armstrong, Edwin Aldrin, Michael Collins und Präsident Nixon.

Es gab Diskussionen über die Textgestaltung. Manche wollten, dass nicht „men of the planet earth“ zu lesen ist, sondern „men of the United States of America“. Präsident Nixon wollte außerdem Gottes Schöpfung in irgendeiner Form auf der Metallplatte verewigt sehen, doch damit war die NASA nicht einverstanden. Am Ende einigten sich der Präsident und die NASA-Leute auf „1969 A. D.“ Die Abkürzung steht für „Anno Domini“ (im Jahr des Herrn). Das war ein beabsichtigter Hinweis auf die christliche Religion. Schon zuvor hatten die Apollo-8-Astronauten Aufsehen erregt, als sie am 24. Dezember 1968 in der Mondumlaufbahn Worte aus der Bibel zur Erde sendeten.

Der Weltkalender

Der offizielle Weltkalender ist der christliche Kalender, der in seinen Grundzügen von Julius Caesar nach Beratungen mit einem ägyptischen Astronomen eingeführt worden war. Auf dem ersten Kirchenkonzil in Nizäa wurde 325 der offizielle Ostertermin und damit alle beweglichen Festtage beschlossen. 1582 entstand durch eine päpstliche Reform aus dem julianischen der gregorianische Kalender, der bis heute verwendet wird.

Heute würde das Kürzel „A. D.“ auf offiziellen Plaketten Proteste in den westlichen Medien auslösen und wahrscheinlich der political correctness zum Opfer fallen.

„Auf dem ersten Kirchenkonzil in Nizäa wurde 325 der offizielle Ostertermin und damit alle beweglichen Festtage beschlossen.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.