„Versuche, zu berühren“

Wohin / 03.10.2013 • 14:21 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Evelyn Ruzicka singt und spielt Edith Piaf. Foto: Philipp Grausam
Evelyn Ruzicka singt und spielt Edith Piaf. Foto: Philipp Grausam

Evelyn Ruzicka widmet ihr neues Programm der großen Chansonnière Edith Piaf.

Was war für Sie der Impuls, einen Abend im Zeichen von Edith Piaf zu gestalten?

Ruzicka: Nachdem ich am Schauspielhaus Salzburg die Rolle der Piaf im gleichnamigen Stück spielen durfte, war ich fasziniert und berührt von dieser französischen Legende und ihrem Leben. Es war für mich nur eine Frage der Zeit, mit ihr wieder auf der Bühne zu stehen. Nun hat sie am 10. Oktober ihren 50. Todestag. Im Zuge meiner Recherchen bemerkte ich: Dieser Tag ist auch mein Geburtstag. Ich finde, dieser spannende Zufall ist Anlass genug, um ihr eine Tour wie auch ein Album zu widmen.

Das Werk dieser unvergesslichen Chansonnière ist sicher eine große Herausforderung. Wie geht man an ein solches Projekt heran?

Ruzicka: Ich lese viel über Edith, schaue mir viele Videos an, und natürlich höre ich mir viele Aufnahmen an – was niemals endet. Sie hatte ein so volles Leben – da findet man immer wieder neue Geschichten, Mutmaßungen und wunderbare Anekdoten.

Wenn man die Piaf gibt, legt man sich die Messlatte automatisch sehr hoch. Hat man da nicht ein wenig Angst, die Erwartungen des Publikums nicht erfüllen zu können?

Ruzicka: Immer. Natürlich ziehe ich mir da einen sehr großen Schuh an. Dessen bin ich mir absolut bewusst. Wenn mich der Intendant vom Schauspielhaus Salzburg nicht gefragt hätte, wäre ich auch womöglich nie auf diese Idee gekommen. Ich möchte aber auch betonen, dass ich nie versuche die Piaf zu imitieren. Sie war und ist ein Unikat. Sie zu imitieren, würde sie nicht ehren. Ich kann nur meine Stimme, meine Interpretation und meine Persönlichkeit in ihre wunderbaren Chansons legen. Ob die Erwartungen des Publikums erfüllt werden, liegt nicht in meiner Macht. Ich versuche zu berühren und viel Gefühl herzugeben. Schön ist es, wenn das Publikum es annimmt und wir die großen Chansons miteinander leben.

Was fasziniert Sie am „Spatz von Paris“ besonders?

Ruzicka: Eine kleine Frau mit so viel Energie und einem derart harten Leben. Sie hat immer gekämpft: für die Liebe, für ihr Leben und am allermeisten für ihre Chansons.

Wie viel Edith Piaf steckt in Evelyn Ruzicka?

Ruzicka: Schmunzelnderweise fällt mir da ein: eine kleine Frau (156 cm) mit sehr viel Energie. Und ich kämpfe ebenfalls gerne. Für Liebe. Für mein Schaffen. Für meine Musik. Leider weiß ich nicht, ob Edith auch gerne lauthals gelacht hat. Das ist eine meiner Stärken.

Handelt es sich bei Ihrem aktuellen Programm um einen reinen Liederabend?

Ruzicka: Ich finde, es wäre schade, all diese berührenden Geschichten außen vor zu lassen. Darum habe ich mich für einen Abend mit Zitaten, Geschichten aus Ediths Leben und auch für Übersetzungen der Chansons entschieden. Viele wissen nicht, welch hartes Leben sie hatte und worum es in den Chansons geht. Ich übersetze die Chansons, um den Menschen die Lieder noch näher zu bringen, als sie es bereits sind.

Bei Ihrem Auftritt werden Sie lediglich von Klavier, Bratsche und Kontrabass begleitet. Ist das generell eine Ihrer Prämissen: Weniger ist mehr?

Ruzicka: Aber ja, für mich gilt auf jeden Fall: Weniger ist mehr. Man kann mit wenigen Mitteln so viel erreichen. Um jemanden zu berühren, braucht es nicht viel, außer Gefühl.

Welches ist Ihr Lieblings-Chanson von Edith Piaf und warum?

Ruzicka: Für mich ist es schwer, da jedes Chanson seine absolute Eigenheit hat. Hits wie „La vie en rose“ oder „Mon Dieu“ finde ich ebenso großartig wie „Milord“ oder „Padam Padam“.

Ein Liebling ist für mich ein eher unbekanntes Chanson, genannt „Je t’ai dans la peau“, welches ich auch unbedingt auf dem Album singen wollte.

Ist singen für Sie ein Ausgleich zur Schauspielerei oder eine Ergänzung?

Ruzicka: Für mich ist beides eine Bühne. Ich habe schon immer beides gleich gern gemacht. Beides ist ein sehr wichtiger Teil von mir. Ergänzend gilt für mich nur eines: Ich kann nicht ohne Bühne.

Schlägt Ihr Herz mehr fürs Theater oder mehr für den Film?

Ruzicka: Mein Herz schlägt oft für viel zu viel.

Wenn mich ein Projekt interessiert, mache ich es. Egal ob Theater, Film oder Musik. Ich entscheide immer aus dem Bauch heraus, das macht es für mein Herz leichter.

Zur Person

Evelyn Ruzicka

Geboren: 10. Oktober 1982

Wohnort: Wien

Hobbys: Reisen, Sonne tanken, Songs schreiben, Mountainbike, Laufen

Lebensmotto: Es wäre klein, sich nicht zu trauen.

Mit ihrem neuen Programm über Edith Piaf macht Evelyn Ruzicka zweimal im Ländle Station:
Am 11. Oktober im Theater am Saumarkt in Feldkirch (Vorverkauf: office@saumarkt.at, Tel. 05522/72895) und am 12. Oktober in der Kulturwerkstatt Kammgarn in Hard (Vorverkauf: kammgarn@hard.at, Tel. 05574/82731).

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