Berufliche Heimat mit Ablaufdatum

Efef-Schließung: Verhandlungen mit Mitarbeitern, Lieferanten und Partnern beginnen im März.
Hohenems, Wiener Neudorf Die Zukunft schien gesichert, als im Oktober 1978 die ersten Würste in einem umgebauten Textilbetrieb produziert wurden. Seit gestern ist die Zukunft Vergangenheit und viele Mitarbeiter müssen sich nach der Betriebsversammlung, bei der das Ende der Produktion per 29. Juni 2018 bekannt gegeben wurde (die VN berichteten), erst wieder sammeln. Sie waren geschockt, denn damit hatten sie nicht gerechnet. Für die Geschäftsführung war es eine wirtschaftliche Entscheidung.
Ein langjähriger Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will, nach der Versammlung: „Wir haben damit gerechnet, dass Arbeitsplätze abgebaut werden oder wieder Teile der Produktion an einen anderen Rewe-Produktionsbetrieb ausgelagert werden. Dass aber der Standort geschlossen wird, damit haben wir nicht gerechnet.“ Efef sei ein guter Arbeitgeber, deshalb sei er auch schon so lange im Betrieb. Auch die Bezahlung sei besser als in anderen Firmen. „Ich bin damit zufrieden“, so der Mitarbeiter, der sich allerdings sorgt, ob er als über 50-Jähriger noch einen adäquaten Arbeitsplatz findet. Denn noch ist für ihn nicht klar, ob das Angebot der Unternehmensleitung, in einer Konzernfiliale im Land zu arbeiten, für ihn in Frage komme.
Für viele ist der Betrieb Heimat. Nun wissen sie, dass diese berufliche Heimat ein Ablaufdatum hat. Aber sie wissen nicht wirklich, wie es persönlich weitergeht. Die meisten schweigen, wollen zuerst selbst verarbeiten, was sie gehört haben. Gerade bei den angelernten Mitarbeitern herrscht große Unsicherheit. Doch vor ein Mikrophon wollen sie nicht treten, nicht bevor sie sich entschieden haben, ob sie den Sozialplan in Anspruch nehmen oder im Konzern weiterarbeiten. Aber egal, wie sie sich entscheiden, „für uns ist das Ende von Efef ein Schock, ein tiefer Einschnitt“.
Wie geht es für die Mitarbeiter nun weiter? Bis Ende Juni bleiben die 69 Mitarbeiter weiter im Sold der Rewe Austria Fleischwaren GmbH, die ihren Sitz in Wiener Neudorf hat. Ab sofort werden die Mitarbeiter über Möglichkeiten der Beschäftigung im Konzern informiert, „wir stehen ihnen für persönliche Gespräche zur Verfügung“, so Geschäftsführer Michael Riegler. Neben den alternativen Beschäftigungsangeboten wurde zusammen mit dem Betriebsrat auch ein Sozialplan für alle Mitarbeiter ausgearbeitet, die über zehn Jahre bei Efef gearbeitet haben. Der sei, so Erich Nagel, Geschäftsführer der ProGe Vorarlberg (Produktionsgewerkschaft), besser „als die meisten, die ich bisher gesehen habe“. Für Mitarbeiter über 50 gibt es obendrauf zwei weitere Monatsgehälter, für Mitarbeiter über 55 vier weitere Gehälter, so der Betriebsrat. Ein Teil wird wohl das Angebot der Firma annehmen und künftig bei Billa, Merkur oder Adeg arbeiten. Es gebe aber auch Arbeitsplätze in anderen fleischverarbeitenden Betrieben oder in der Lebensmittelbranche, so AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter. Es bestehe auch die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Arbeitsstiftung weiterzubilden und zu qualifizieren. Das AMS stehe den Mitarbeitern in allen Fragen zum Arbeitsverhältnis oder zur beruflichen Zukunft zur Verfügung. Da aufgrund der Hochkonjunktur viele Firmen Arbeitskräfte suchen, sei er überzeugt, dass es interessante Angebote für die Efef-Mitarbeiter gibt.
Was erwartet die Lieferanten? Efef war in den vergangenen 40 Jahren ein zuverlässiger Abnehmer für die Vorarlberger Landwirtschaft. Immerhin verarbeitete Efef noch vor zwei Jahren 28 Tonnen Fleisch täglich und produzierte daraus Würste, Speck, und Schinken für die Konzernmarken efef, Hofstädter und Clever sowie das Frischfleich für Vorarlberg. Das soll auch in Zukunft so bleiben, versichert die Geschäftsführung. Die Rewe Austria Fleischwaren GmbH will dafür sorgen, dass so viel Wertschöpfung wie möglich im Land verbleibt. Gespräche mit Agrarlandesrat Erich Schwärzler und Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger wurden bereits geführt. Konkrete Abmachungen, welche Mengen die Bauern an allfällige neue Produzenten liefern werden, sollen bei einem Treffen Mitte März beschlossen werden, so Schwärzler im Gespräch mit den VN. Er wolle, dass es schriftliche Verträge gibt, nicht Versprechungen zwischen Tür und Angel.
Wie geht es mit der Produktion weiter? „Wir haben bereits erste Gespräche mit dem Land Vorarlberg geführt und werden so rasch wie möglich an potenzielle Partner herantreten“, so Riegler. An einige ist man bereits herangetreten, wie Konzernsprecherin Ines Schurin bestätigt. Im Gespräch sei man mit Broger Fleischwaren, einem Unternehmen der Sutterlüty-Gruppe, und mit dem Lauteracher Fleischverarbeiter Vonach Qualitätsfleisch. „Wichtig ist, dass die Firmen die Kapazitäten erzeugen können, die wir benötigen“, so Schurin. An diese Erzeuger könnte die Produktion der 50 verschiedenen Eigenmarkenprodukte ausgelagert werden.
„Die Entscheidung war nicht leicht, aber ein Weiterbetrieb wäre nicht wirtschaftlich.“

Efef war immer ein wesentlicher Partner unserer Bauern. Rewe will auch in Zukunft Vieh bei den Vorarlberger Landwirten kaufen, wie versichert wird. Das wäre für uns das Beste, im März gibt es dazu konkrete Gespräche. Wenn keine Tiere mehr abgenommen würden, müssen wir entweder außer Landes liefern oder aufhören. Josef Moosbrugger, Präs. LWK

Für die Mitarbeiter ist es immer schrecklich, wenn man über eine Betriebsschließung informiert wird. Wir haben im Vorfeld mit der Firmenleitung alle Möglichkeiten erörtert und einen Sozialplan ausgehandelt. Am 13. und 14. März werden wir außerdem wieder in Hohenems sein, um die Mitarbeiter zu unterstützen. Leopold Braun, Betriebsrat

Ich wurde am Dienstagnachmittag über das Aus bei Efef informiert. Das ist für uns als Stadt und Wirtschaftsstandort natürlich nicht erfreulich. Die Firmenleitung hat argumentiert, dass sich der Standort und notwendige Investitionen finanziell nicht abbilden lassen. Die Immobilie könnte als Wirtschaftspark verwertet werden. Dieter Egger, Bgm. Hohenems

Ich bin richtig traurig über das Ende bei Efef. Ich arbeite gerne hier, der Lohn war in Ordnung und die zusätzlichen Leistungen wie Mittagessen oder Jause waren sehr gut. Ich weiß nicht, ob das Angebot der Firma gut ist, im Handel sind die Löhne auch niedriger. Das Ende bei uns macht mir Angst vor der Zukunft. Cemile Kansiz, Mitarbeiterin
