Die Künstler auf dem „Reißbrett“

Extra / 26.03.2015 • 23:25 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Tischlereitechniker stellen Wohlfühlmöbel mit neuester Technik her.
Tischlereitechniker stellen Wohlfühlmöbel mit neuester Technik her.

In der Tischlereitechnik plant der moderne Tischler Möbel per Mausklick.

Schwarzach . (VN) Wer Tischler oder Tischlereitechniker ist, hat ideale Chancen in alle Richtungen. Facharbeiter, die Handwerk und Technik, Design und Planung beherrschen, sind immer gefragt. Die Ausbildung zum Tischler oder Tischlereitechniker ist vielfältig und eröffnet Karrieremöglichkeiten im Möbelbau, in der Spezialanfertigung und in Planungsbüros. Hier kommen der Werkstoff Holz und modernste CAD-Programme zusammen. Die Tischlerlehre kann auch den Grundstein für ein Design- oder Fachhochschulstudium legen.

Das Tischlerhandwerk hat sich in den letzten Jahren im Bereich der Technologien, der Werkstoffe und deren Verarbeitung rasant entwickelt. Die Anforderungen bei der Gestaltung der Produkte werden höher. Sessel, Betten oder Schränke werden zu Designerstücken. Ein Beispiel für einen jungen Mann, der diese berufliche Perspektive nützen möchte, ist Christoph Morscher. Er hat sich für diese Ausbildung entschieden, die ein Jahr länger als die herkömmliche Tischlerlehre dauert.

Beste Voraussetzungen

Bei Möbelhandwerk Ritsch im Schwefel findet er die besten Voraussetzungen dafür. „Zuerst schaut man, wie sich die Lehrlinge als Tischler in den ersten beiden Lehrjahren entwickeln, denn das vierte Lehrjahr ist wirklich sehr anspruchsvoll“, erzählt Wolfgang Stadelmann, der die Lehrlinge unter seine Fittiche nimmt. „Die Entscheidung, ob die Lehrlinge für den technischen Beruf geeignet sind, fällt im zweiten, spätestens jedoch Anfang des dritten Lehrjahres“, fügt Firmenchef Walter Ritsch hinzu. „Langsam beginne ich jetzt schon in der Planung zu arbeiten. Derzeit entwerfe ich einen Hocker mittels CAD. Ich mache Skizzen von Details, suche nach besten Lösungen. Dann erstelle ich eine Stückliste, welche Teile für das Werkstück gebraucht werden. Schon von klein auf war es mein Wunsch, Tischler zu werden. Ich habe schon als Kind gerne mit Holz gebastelt. Momentan bin ich noch in der Grundausbildung, werde also in der Produktion eingesetzt. Ich freue mich schon darauf Möbel und Einrichtungsgegenstände unter Anwendung moderner Zeichenprogramme (CAD) am Computer zu planen und zu entwerfen. Ich denke, dass man als Tischlereitechniker schon auch ein Designer ist“, zeigt sich Christoph kompetent.

Doch bis er Kunden über die Gestaltungsmöglichkeiten und Materialien beraten, die Pläne und Entwürfe mit ihnen besprechen kann, ist es noch ein langer und anstrengender Weg. Schon beim Schnuppern zeigte sich der 18-Jährige äußerst motiviert, aufgeweckt und interessiert. „Er brachte Charaktereigenschaften mit, die mich überzeugt haben“, schmunzelt sein Ausbildner.

„Jedes Stück ein Unikat“

„Eine große Herausforderung wird die Projektarbeit an der Berufsschule sein, deren Motto vorgegeben wird. Nach einer Fotovorlage eines bekannten Designers müssen die Jungs versuchen, das Möbelstück nachzubauen. Doch jedes Möbelstück ist ein Unikat.“

Der Tischlerberuf ist ein lebenslanger Lernprozess und der Techniker eine Herausforderung. „Ich bin froh, die Lehre bei Ritsch machen zu können, denn wir sind ein super Team und ich werde auf meinen Beruf bestens vorbereitet“, möchte der Lehrling noch festhalten. Das Motto der Firma lautet: „Learning by doing.“ Tischlerhandwerk aus Vorarlberg ist begehrt, auch über die Grenzen hinweg – Vorarlberger Maßmöbel werden auf der ganzen Welt geschätzt, ein weiterer Pluspunkt für Menschen, die beruflich und persönlich ihren Horizont erweitern wollen.

Altes Handwerk

Die Tischlerei ist ein altes Handwerk, das sich traditionell mit dem Werkstoff Holz beschäftigt. Die Berufsbezeichnung täuscht: Tischler stellen nicht nur Tische her, sie erzeugen noch viele andere Produkte wie Möbel und Geschäftseinrichtungen aller Art, Türen und Fenster. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, er strahlt Gemütlichkeit und Wärme aus, er erzeugt ein natürliches Raumklima und ist im Vergleich zu Stein oder Metall leichter zu verarbeiten. Je nachdem, welche Baum­art verwendet wird, kann Holz unterschiedliche Färbungen und Härtegrade besitzen. Der Werkstoff Holz hat viele Vorteile und wird daher nach wie vor vielfältig eingesetzt. Durch den Einsatz moderner, hochentwickelter Holzbearbeitungsmaschinen hat sich auch das Tischlerhandwerk verändert. Es ist ein neuer Lehrberuf entstanden – die Tischlereitechnik.

Zwei Fachrichtungen

Den Beruf Tischlereitechnik gibt es in zwei Fachrichtungen. Tischlereitechniker mit dem Schwerpunkt „Planung“ entwerfen und planen Möbel und Einrichtungen unter Anwendung moderner Zeichenprogramme am Computer (CAD-Programme). Und Tischlereitechniker mit dem Schwerpunkt „Produktion“ sind ausschließlich für das Rüsten, Programmieren und Warten der CNC-Maschinen verantwortlich.

Holzgestaltende Gewerbe

Mit Holz ist vieles möglich. Und es gibt in vielen Nischen gute Chancen für begabte Handwerkerinnen und Handwerker, die mit einem Naturstoff kreativ tätig sein wollen.

» Tischler

» Parkettbodenleger

» Bootbauer

» Modellbauer

» Zusammenbau von Möbelbauzusätzen

» Holzgestaltende Gewerbe

» Bildhauer

» Binder

» Bürsten- und Pinselmachen

» Drechsler

» Erzeugung von Spielzeug aller Art

» Korb- und Möbelflechter

» 568 Arbeitsstätten in Vorarlberg

» 130 Lehrbetriebe

» 1360 Arbeitsplätze

» 283 Lehrlinge