Auf Augenhöhe mit den Lesern

Extra / 05.11.2015 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Erfolgsrezept der Zeit: Rainer Esser hat die Zahl der Journalisten von 100 auf 200 verdoppelt. 
Ein Erfolgsrezept der Zeit: Rainer Esser hat die Zahl der Journalisten von 100 auf 200 verdoppelt. 

Rainer Esser hat den Wandel aktiv angepackt und aus der „Zeit“ in Erfolgsmedium geformt.

Bregenz. Die Qualitiät des journalistischen Inhalts war immer unbestritten, alleine verdient wurde mit der deutschen Presseinstitution „Zeit“ nicht immer etwas. Doch seit 1999, als Rainer Esser die Geschäftsführung des Verlags übernahm, steigt die Auflage der Wochenzeitung, gleichermaßen klettern Onlinenutzer- und Umsatzzahlen in die Höhe. Während der Geschäftsführung Essers stieg die verkaufte Auflage von 300.000 auf über 500.000 Exemplare pro Woche. Die jüngste Medienanalyse bescheinigt der Wochenzeitung „Zeit“ 1,66 Millionen Leser.

Investition in die Zukunft

Esser zu den guten Zahlen der „Zeit“ und zur allgemein schlechten Stimmung in der Verlagsbranche: „Vergessen sie die Jammerei, es geht vielen Verlagen sehr gut.“ Es sei nicht außergewöhnlich, dass Branchen durchgerüttelt werden. Und den guten Unternehmen gehe es danach meistens besser, spricht er das Tagungsthema „Wandel“ an. Die „Zeit“ habe zudem das Glück, einen guten Herausgeber zu haben, der langfristig denkt, „ganz im Gegensatz zu vielen Aktiengesellschaften, die in vierteljährlichen Abständen rechnen“, so der Manager beim Wirtschaftsforum im Gespräch mit den VN. Langfristig, das bedeutet auch viel Geld in die Hand zu nehmen und auch Verluste in Kauf zu nehmen. Etwa als sich das Blatt entschloss, die digitale Herausforderung anzunehmen. „Doch heute sind wir gut in den schwarzen Zahlen und verdienen mit der „Zeit online“ 15 Millionen Euro“, so Esser.

Erfolgreich sei die „Zeit“ wegen eines ganzen Bündels an Maßnahmen. Etwa durch ständige Innovationen und Verbesserungen des Produktes. Sprich: Neue Ableger wie die „Zeit Österreich“, die seit ihrem Bestehen die Auflage verdoppeln konnte, durch neue Ressorts wie „Fußball“, das besonders erfolgreich sei, Produkte wie die „Zeit zum Entdecken“, die den bisherigen Reiseteil neu definiert, und einer Seite, auf der die Leser mit publizistischen Beiträgen zu Wort kommen. „Wir wollen mit unseren Lesern auf Augenhöhe sein und sind deshalb auch an ihren Beiträgen interessiert“, erläutert er diese Innovation des Blattes.

Neue „Zeit“-Produkte

Die gute Marke „Zeit“ wurde unter Essers Führung besser genutzt und für verschiedenste Medienprodukte verwendet. Es gibt neue Magazine, wie Zeit Geld, Zeit Golfen, das Kindermagazin Zeit Leo oder den Zeit Studienführer, Zeit Wissen, Zeit Geschichte und das Studentenmagazin Zeit Campus. Ziel ist es, so Esser, den Leser durchs Leben zu begleiten. „Die Zeit wendet sich mit ihren Themen und ihrer Qualität besonders an Multiplikatoren in der Gesellschaft, an diejenigen, die etwas bewegen und entscheiden wollen.“ Und es gibt 200 hochqualitative Veranstaltungen, die vom Unternehmen unter dem Label „Zeit“ durchgeführt werden.

Es wurde auch gespart, um die „Zeit“ auf Schiene zu bringen. „Wir fliegen in der Holzklasse und fahren in der Bahn zweite Klasse“, nennt er ein Beispiel. „Dort sparen, wo es der Leser nicht merkt und ihn nicht betrifft“, sagt Esser dazu. Nicht gespart hat er an der Kernkompetenz: Statt 100 Journalisten wie bei Antritt der Geschäftsführung sind inzwischen 200 Journalisten bei der „Zeit“ beschäftigt. „Bei allen Medien – ob Print oder Online – legen wir dieselben Qualitätsansprüche an“, verrät der Medienmanager ein wichtiges Erfolgsgeheimnis der Zeit.

Auch wenn man erfolgreich ist, darf man nicht hochmütig, faul und übermütig werden.

Rainer Esser

Zur Person

Rainer Esser

Medienmanager

Geboren: 11. Januar 1957

Ausbildung: Banklehre, Studium Rechtswissenschaften, Deutsche Journalistenschule

Laufbahn: Arbeit in Rechtsanwaltskanzleien, von 1989 bis 1992 Chefredakteur von  Fachzeitschriften. Danach Geschäftsführer des Spotlight-Verlages, ab 1995 Geschäftsführung der Mediengruppe Main-Post. Seit 1999 Geschäftsführer des Zeit Verlages und seit 2011 Geschäftsführer der DvH Medien GmbH.