Im Einsatz für betagte Menschen

Extra / 17.11.2015 • 09:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Grégory Rückl absolviert derzeit die Ausbildung zum Diplom-Sozialbetreuer.  Foto: VN/ger
Grégory Rückl absolviert derzeit die Ausbildung zum Diplom-Sozialbetreuer. Foto: VN/ger

Grégory Rückl hat im Sozialzentrum Weidach in Bregenz seinen Traumberuf gefunden. 

Bregenz. (VN-ger) Noch ist es ruhig auf den Gängen. Mittagszeit. Doch die Tische im Foyer sind bereits eingedeckt, Tassen, Teller, Servietten. Am Nachmittag hält das Café Lebensfreude Einzug ins Sozialzentrum Weidach in Bregenz. Das Aktivierungsprogramm ist jeden zweiten Mittwoch im Monat ein Fixpunkt für die Bewohner und ihre Besucher. Mit unterhaltsamen Spielen werden die grauen Zellen in Schwung gebracht und die körperliche Beweglichkeit gefördert. Natürlich dürfen an einem solchen Nachmittag auch Sitztänze, gemeinsames Singen und Kaffee und Kuchen nicht fehlen.

Grégory Rückl ist diesmal nicht dabei. Es ist kurz nach 13 Uhr. Der 22-Jährige verabschiedet sich gerade vom geteilten Dienst in die Mittagspause. Ab 17 Uhr ist er wieder im Einsatz. Die längere Pause dazwischen kann er derzeit besonders gut gebrauchen. Im Juli hat der Bregenzer an der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Bregenz seine Ausbildung zum Fach-Sozialbetreuer mit dem Ausbildungsschwerpunkt Altenarbeit abgeschlossen. Nächstes Jahr im Juli wird er auch das Diplom in der Tasche haben.

Die Ausbildung zum Fach-sozialbetreuer für Altenarbeit dauert vier Semester. Im Rahmen der Ausbildung wird außerdem die Pflegehilfeprüfung abgelegt. Aufbauend darauf kann in zwei Semestern der Diplom-Sozialbetreuer für Altenarbeit erworben werden. Üblicherweise gliedert sich die Ausbildungswoche in zwei Schultage und drei Praktikumstage. 

84 Pflegeplätze

Im Sozialzentrum Weidach gibt es 84 Langzeitpflegeplätze. Die Bewohner leben in sieben Wohngruppen mit je zwölf Einzelzimmern, wobei die Wohngruppe „Anderswelt“ speziell für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz vorgesehen ist. Jeder Stock ist eine eigene Station. Grégory Rückl kümmert sich derzeit im ersten Stock um das Wohl die Bewohner. „In der Schulzeit habe ich alle Praktika auf der Dementenstation absolviert“, führt er aus.

Rückl maturierte 2012 am Bundesgymnasium Gallus in Bregenz. Danach wollte er eigentlich Psychologie studieren. „Der Zivildienst im Sozialzentrum Mariahilf hat mir aber so gut gefallen, dass ich mich für die Ausbildung zum Fachsozialbetreuer entschieden habe“, erzählt der 22-Jährige.

Hilfe und Unterstützung

Als Fachsozialbetreuer Pflege bemüht sich Rückl, die Lebensqualität alter Menschen zu erhalten und zu verbessern, indem er auf die jeweiligen körperlichen, geistigen, sozialen, gesundheitlichen und seelischen Bedürfnisse eingeht. Er unterstützt die Bewohner bei der Körperpflege, beim Essen, bei der Tagesgestaltung oder bei Problemen, die im Alltag auftauchen und achtet auf die Erhaltung und Belebung der Beziehungen von älteren Menschen zu ihrem Umfeld. „Den Bewohnern soll es nicht nur körperlich gut gehen, sie sollen sich auch wohlfühlen und sich nicht langweilen“, betont Rückl.

Nach seiner Ausbildung zum Diplom-Sozialbetreuer wird der 22-Jährige zusätzlich Konzepte erstellen und evaluieren und für die biografieorientierte Aktivierung, für Gedächtnistraining und Psychomotorik zuständig sein. Rückl schätzt die Arbeit mit den Menschen sehr. „Obwohl man jeden Tag mit den gleichen Leuten zu tun hat, ist jeder Tag anders. Für mich ist es wirklich ein Traumberuf“, schwärmt der angehende Diplom-Sozialbetreuer.

Bewältigungsstrategie

Dennoch: Der Pflege- und Sozialberuf geht zu Herzen. Auch der Tod eines Bewohners stellt immer einen Verlust dar. „Man versucht zwar, es nicht so nahe an sich heran zu lassen, aber du baust doch eine Beziehung auf“, spricht Rückl aus Erfahrung. Um den Belastungen des Berufs begegnen zu können, ent­wickelt jeder im Laufe der Zeit seine eigene Bewältigungsstrategie. Großen Wert legt Rückl auf eine Trennung zwischen Beruf und Privatleben. „Man muss den Schalter im Kopf umlegen, wenn man zur Tür rausgeht. Es sollte nicht zum Alltag werden“, sagt er. 

Kontaktfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Flexibilität zählen bei der SOB zu den Aufnahmekriterien. Was man sonst noch mitbringen sollte? „Es muss einfach von innen kommen.“

Rückl hat im Sozialzentrum Weidach derzeit eine 60-Prozent-Stelle. Neben Schule, Arbeit und Freundin bleibt kaum Zeit für Hobbys. Gedanken über eine weitere Ausbildung nach dem Diplom macht sich der 22-Jährige aber bereits jetzt. „Eventuell ein Pädagogikstudium mit dem Schwerpunkt, wie man alte Menschen in die Gesellschaft integrieren kann“, blickt er in die Zukunft.

Obwohl man jeden Tag mit den gleichen Leuten zu tun hat, ist jeder Tag irgendwie anders.

Grégory Rückl