„Druck was auf Papier“

Extra / 17.06.2018 • 13:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Das Druckwerk Lustenau wandelt auf den Spuren von Johannes Gutenberg.

Götzis Was den Buchdruck betrifft, ist das Jahr 2018 ein ganz besonderes Jahr. Der Todestag von Johannes Gutenberg jährt sich zum 550sten Mal. Er verstarb 1468 und hinterließ ein Erbe, das die Welt veränderte. Seine Erfindung startete eine Medienrevolution, die vergleichbar ist mit der Revolution des Internets in unserer heutigen Zeit.

Auch auf der VN-Kinder- und Jugendbuchmesse Buch am Bach, die vom Dienstag, 19. bis Donnerstag 21. Juni, in Götzis stattfindet, können sich Kinder und Erwachsene auf die Spuren des Mannes begeben, ohne den es all die Bücher in Vorarlbergs größter temporärer Buchhandlung nicht zu entdecken und zu kaufen gäbe. Am Donnerstag gibt es außerdem noch ein ganz besonderes Highlight. Christine Katscher vom Druckwerk Lustenau kommt auf der Buch am Bach vorbei und verwandelt am Donnerstagvormittag die Aktionsbühne in eine Druckwerkstatt. Dafür bringt die 32-Jährige einen Setzkasten mit Buchstaben, sogenannte Lettern, und eine Handabzugspresse mit. Gar nicht so einfach, denn alles zusammen hat ordentlich Gewicht. „Die Handpresse lässt sich nur mit zwei Leuten ins Auto heben“, bestätigt Katscher, die an der Akademie der bildenden Künste in Wien Grafik und druckgrafische Techniken studierte. Doch ohne sie wäre die Reproduktion nicht möglich. Dennoch beginnt die kleine Zeitreise ins Mittelalter und in die Werkstatt von Johannes Gutenberg mit der einfachsten Technik: dem Stempeln. Dazu hat Katscher Setzkästen mit unzähligen einzelnen Buchstaben mitgebracht. Groß, kleine, dicke, dünne und nicht zu vergessen, Satzzeichen wie Punkt, Rufezeichen, Fragezeichen etc. Auch sie bringen einiges an Gewicht auf die Waage. „Eine Bleiletter in den Händen zu halten und deren Punzen zu fühlen, ist eine besondere Erfahrung, die die kleinen Künstler erstmal staunen lässt“, weiß die Workshop-Leiterin, gibt Farbe drauf und druckt ein J, ein A und ein N. Der Name Jan ist schnell geschrieben. Allerdings hat die Methode des Stempelns einen großen Haken, verrät Katscher. „Es entstehen lauter Unikate.“

Reproduktion

Die Besonderheit in der Erfindung des Buchdrucks liegt jedoch in der Reproduzierbarkeit. Also in der Möglichkeit, auch große Auflagen zu drucken. Dafür gab es selbst 400 Jahre später noch lobende Wort von Mark Twain. Der Schriftsteller sagte: „Die Welt erkennt ohne Zögern und Zweifeln an, dass Gutenbergs Erfindung das größte Ereignis ist, das jemals in der Geschichte stattgefunden hat.“ Was den amerikanischen Autor betrifft, können seine Fans ähnliches sagen: „Die Welt erkennt ohne Zögern und Zweifeln an, dass die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn zu den Klasssikern der Weltliteratur zählen.“ Schließlich war er der Erste, der die Alltagssprache in den Roman einführte, der Erste, der ein maschinengeschriebenes Romanmanuskript abgab, und er war der erste echte Weltstar Amerikas. Veröffentlicht wurde das Buch dann 1884. Vermutlich immer noch im Handsatz – die älteste Form, die erst in den 1970er-Jahren weitgehend verschwand. Doch auf der Buch am Bach erweckt das Druckwerk Lustenau das alte Handwerk wieder zum Leben. Einfach Schrift auswählen, den Namen oder ein paar Worte setzen, ein Bild dazu und mit der Handpresse drucken. Einmal, zwei Mal, zehn Mal, unzählige Male. „Vorsicht seitenverkehr!“, ruft Katscher. Aber eigentlich ist beim Experimentieren und Gestalten alles erlaubt. Alles was Spaß macht.

Veranstaltungs-/Buchtipp

„Johannes Gutenberg und das Werk der Bücher“, Autorin: Christine Schulz-Reiss, mit Bildern von Klaus Ensikat, ab 8 Jahren, ISBN 978-3-934029-72-9. Das Buch erschien zum Gutenberg-Jahr in der Reihe ‚Berühmte Leute‘ im Kindermann Verlag, Berlin.

Christine Schulz-Reiss ist am Dienstag, 19., und Mittwoch, 20. Juni, auf der „Buch am Bach“. Wer Lust hat, taucht mit ihr in die Welt des Mittelalters und des Buchdrucks wie in einen spannenden Kriminalroman ein. Das Buch kann vor Ort erworben werden.