Die Kuh in effizienter Symbiose

03.06.2019 • 08:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Familie Martin: „Auf unserem Hof leben Kühe im Verbund mit ihren Kälbern, die Muttermilch trinken. Sie weiden auf den Alpen und bekommen im Winter Heu.“
Familie Martin: „Auf unserem Hof leben Kühe im Verbund mit ihren Kälbern, die Muttermilch trinken. Sie weiden auf den Alpen und bekommen im Winter Heu.“

Als Wiederkäuer baut sie Zellulose ab und stellt hochwertiges Eiweiß her.

BUCH Zellulose ist die häufigste organische Substanz auf der Erde. 30 Prozent des Grases bestehen aus Zellulose, weite Teile der Erdoberfläche sind Grasland, das einen äußerst wichtigen Kohlenstoffspeicher für die Menschheit darstellt. Dieses Gras dann von einer Kuh abweiden zu lassen, ist eine unglaublich effiziente Symbiose, nicht nur für die Kuh, sondern global betrachtet auch für die Ernährung der Menschheit, da diese Kuh ja nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung frisst“, klären Claudia und Bertram Martin vom Martinshof in Buch diese Komplexität auf. Den Regenwald abzuholzen und daraus Weideland oder Sojaanbaufläche für Kühe zu machen, degradiert diese dann aber fälschlich zum Klimakiller. Im Gegensatz dazu stiftet dieses Tier in Vorarlberg mit 23 Prozent alpinem Grasland/Alpen einen großen Nutzen für die Lebensmittelproduktion, für das Offenhalten der Kulturlandschaft und fördert die Beweidung und Speicherung von Kohlenstoff. Auf unserem Hof leben Kühe im Verbund mit ihren Kälbern, welche die Muttermilch trinken, im Winter Heu fressen und ab dem Vegetationsbeginn auf unseren Wiesen, im Sommer dann auf der Alpe weiden. Unser Low-Input-System ohne Fütterung von Getreide, Soja und Mais lässt bei einer Betrachtung aller systemrelevanten Faktoren, trotz des unerwünschten und klimaschädlichen Nebenproduktes Methan beim Wiederkäuer, die Gesamtbilanz gut aussehen. Mit dem Fleisch unserer Tiere beliefern wir zahlreiche Haushalte in Vorarlberg. Das macht Kälberexporte unnötig und vereint Tierwohl mit Klimaschutz“, führen Claudia und Bertram Martin aus. „Bei knapper werdenden Ressourcen und klimatischen Veränderungen gewinnt künftig die Input-Output Bilanz eines Produktes an Bedeutung. So wandeln sich automatisch auch Forschung und Entwicklung in Richtung mehr Nachhaltigkeit. Auch in der breiten Gesellschaft ist dieses Bewusstsein angekommen und die Ernährungsgewohnheiten werden hinterfragt. Die menschliche Ernährung benötigt eine Unmenge an Ressourcen. Selbst die vegane Ernährung, die bezüglich Klimaschutz wesentlich besser abschneidet, tut dies. In unserem ,veganen Bereich‘, dem Getreideanbau, blicken wir inzwischen auf knapp 20 Jahre zurück. Mit inzwischen mehr als 60 Partnerbauern bauen wir zwischen Möggers und Nüziders auf 150 Hektar Dinkel an. Dieses dem Standort angepasste und frei abblühende Getreide gedeiht bei uns tadellos. Mit unseren Partnern haben wir vertraglich vereinbart, dass weder ,kurz spritzen‘, noch die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger erlaubt sind. Dass viele Berufskollegen diesen Weg mit uns gehen zeigt, dass auch in der Landwirtschaft ein starkes Bewusstsein für Nachhaltigkeit da ist. Kunden schließen dann diesen regionalen Kreislauf und unterbrechen schon teilweise den Strom an Getreideimporten. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag fürs Klima und gehen einen Schritt in Richtung mehr Ernährungssicherung.“

Familie Martin: „Auf unserem Hof leben Kühe im Verbund mit ihren Kälbern, die Muttermilch trinken. Sie weiden auf den Alpen und bekommen im Winter Heu.“
Familie Martin: „Auf unserem Hof leben Kühe im Verbund mit ihren Kälbern, die Muttermilch trinken. Sie weiden auf den Alpen und bekommen im Winter Heu.“

www.martinshof.at; anmelden für den Tierschutzpreis 2019: ­tierschutzpreis@vn.at