Auch ohne Auto mobil sein können

Extra / 29.12.2019 • 15:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Verkehrsverbund will vom Bus-und-Bahn-Verbund zum Mobilitätsverbund werden. VVV
Der Verkehrsverbund will vom Bus-und-Bahn-Verbund zum Mobilitätsverbund werden. VVV

Der Verkehrsverbund Vorarlberg erhöht Mobilitätskompetenz und arbeitet intensiv am Angebotsausbau.

feldkirch Es gehört irgendwie schon zu den vorweihnachtlichen Ritualen. Kurz vor den Feiertagen werden europaweit die neuen Fahrpläne präsentiert: vom Fernverkehr bis zum Nahverkehr wird alles parallel umgestellt. In Vorarlberg bedeutete dies in den letzten Jahren praktisch allerorts einen weiteren Ausbau das Angebots. „Man sollte keinen Fahrplan mehr brauchen“, verdeutlicht der Geschäftsführer des Verkehrsverbund Vorarlberg, Christian Hillbrand, wo hier die Reise hingehen soll. Mit dem neuen Fahrplan wurden deshalb beispielsweise die Anbindung der schnelleren Regional-Express-Züge (REX) an den Busverkehr vor allem im Walgau verbessert. „Außerdem wurden einige Taktlücken im 30-Minuten-Takt der S-Bahn geschlossen“, erklärt Hillbrand.

Zudem laufen schon jetzt die Arbeiten an, um zum Dezember 2020 weitere Verbesserungen zu erreichen. So soll etwa eine weitere Verdichtung im Bus-Takt aufgeschient werden: Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren im Unterland einen Zehn-Minuten-Takt zu erzielen.

Mobilität als Service

Die große gute Nachricht für das Jahr 2020 ist aber die Erweiterung des Verständnisses des Verkehrsverbunds Vorarlberg. Aus einem Bahn-und-Bus-Verbund soll ein Mobilitätsverbund entstehen. „Da geht es um das Thema der letzten Meile“, erklärt Christian Hillbrand. Bus und Bahn sind an einen Fahrplan gebunden, das passt nicht immer zu den Bedürfnissen der Kunden. „Wir wollen verschiedene Verkehrsmodi so miteinander kombinieren, dass die Stärken des einen die Schwächen des anderen ausgleicht.“ Mobilität soll als Service angeboten werden. Die Angebote dazu sind nicht neu, bisher war es aber für den Bürger kompliziert, erklärt Hillbrand: „Man wird viel herumgeschickt, um ein persönliches Angebot zusammenzustellen. Das ist unbequem und deshalb machen es viele nicht“, hier wolle man ansetzen. Deshalb sollen Service-Leistungen für Radfahrer ebenso geboten werden wie die Möglichkeit der Nutzung von Car-Sharing-Angeboten. Für Fahrradfahrer sollen beispielsweise an Verkehrsknotenpunkten, also vor allem den Bahnhöfen, landesweit gleiche Radboxen installiert werden. Dann könnte man beispielsweise in Rankweil und Bregenz eine Box mieten und diese mit der VVV-Jahreskarte öffnen. Dazu soll das einfache Buchen von Boxen via Internet ermöglicht werden. Car-Sharing wird bereits heute an 38 Standorten angeboten und kann gegen Aufpreis (60 Euro) zur Jahreskarte gebucht werden. Dabei sollen die Bahnhöfe Rankweil, Hohenems und Lustenau gezielt zu Mobilitätsdrehscheiben ausgebaut werden. „Ein Ansprechpartner, ein Angebot und das mit einer Karte ist unser Ziel“, erklärt Hillbrand. Das langfristige Ziel ist ambitioniert: „In Vorarlberg soll man auch ohne Auto mobil sein können.“

Investitionen in Infrastruktur

2020 werden auch in der Infrastruktur Verbesserungen angegangen. Deutlich bemerkbar machen werden sich die neuen Zug-Garnituren, die in der ersten Jahreshälfte endlich den Betrieb aufnehmen werden. Auch die ersten vier E-Busse werden in die Fahrzeugflotte integriert werden. Wichtig ist auch der Start des zweigleisigen Ausbaus auf der Bahnstrecke Hard–Lauterach. Das wird sowohl im Fernverkehr München–Zürich viele Verbesserungen bringen, als auch im Nahverkehr. Nach der Fertigstellung soll eine Südschleifenverbindung Lustenau–Hard–Lauterach–Dornbirn und ev. sogar Feldkirch (und St. Margrethen) eine Mobilitätslücke im Land schließen. Für ein weiteres wichtiges Bahnprojekt könnte 2020 ebenfalls zum entscheidenden Jahr werden: Das Projekt FL.A.CH – der Ausbau der Bahnverbindung Feldkirch–Buchs – könnte endgültig wieder auf Schiene gebracht werden. Damit könnte das Angebot für die Pendler weiter attraktiviert werden.

Verkehrsverbund wird zum Mobilitätsverbund und bindet Rad und Car-Sharing stärker ein.