Warum Optimismus Pflicht ist

Extra / 12.11.2020 • 14:52 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Der Stab der Wirtschaft tagt regelmäßig, um die richtigen Maßnahmen in der Coronakrise zu setzen.
Der Stab der Wirtschaft tagt regelmäßig, um die richtigen Maßnahmen in der Coronakrise zu setzen.

Wirtschaftskammer Vorarlberg fordert Balance aus gesundheitlicher Verantwortung und wirtschaftlicher Vernunft.

Feldkirch Vor Corona hatten bestimmte Kräfte in der Gesellschaft keine Gelegenheit ausgelassen, um lautstark zu propagieren, dass die Wirtschaft nicht mehr als ein Selbstzweck und ohnehin ein Selbstläufer sei. Mit Corona sind diese Stimmen weitgehend verstummt. Denn mit der Pandemie ist einer breiteren Masse bewusst geworden, was Wirtschaft ist und was sie bedeutet; einer breiteren Masse ist bewusst geworden, dass Wirtschaft und Gesellschaft eben in der Tat unteilbar sind.

Gerechtigkeit und Fairness

Die bereits schwer getroffenen heimischen Unternehmen haben in den letzten Wochen und Monaten vorbildlich gezeigt, wie man mit klugen und strikt umgesetzten Präventionsmaßnahmen die Ausbreitung des Virus im betrieblichen Umfeld verhindern kann. Somit geht es in der jetzigen Situation um Gerechtigkeit und Fairness für alle Betriebe – für jene, die offen haben, und für jene, die schließen müssen. Das bedeutet, es geht auch um die richtige Balance aus gesundheitlicher Verantwortung und wirtschaftlicher Vernunft. Wenn Maßnahmen gesetzt werden, um diese zweite Welle rasch und nachhaltig zu brechen, gilt es ebenso vorausblickend die Stabilität unseres Wirtschaftsstandortes zu wahren. Und um es in den Worten von Ökonom David Stadelmann auszudrücken, müssen wir die Verhältnismäßigkeit zwischen „nackten“ Zahlen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen abwägen lernen. Planungssicherheit wird zum zentralen Element für die Wirtschaft. Klare Leitplanken, die planbares Wirtschaften überhaupt noch ermöglichen, sind mehr denn je gefragt.

Die Fallzahlen steigen, die Bedrohung ist real: Die zweite Welle hat Vorarlberg voll erfasst, sie trifft Gesellschaft und Wirtschaft hart, und es ist mehr denn je ein gemeinsames Vorgehen notwendig, um in dieser beispiellosen Zeit der Herausforderung und Verunsicherung bestehen zu können.

Natürlich dient der neuerliche Lockdown dem Ziel, Land und Leute bestmöglich durch diese Krise zu bringen und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Die von der Politik neu verfügten Maßnahmen sind für die Wirtschaft allerdings nur schwer zu kompensieren, und das ist von der Öffentlichkeit und der entscheidenden Politik ebenso entsprechend zu berücksichtigen. Um die Liquidität der Betriebe und damit auch Tausende Arbeitsplätze im Land zu sichern, um den Unternehmen zumindest etwas Planbarkeit und Sicherheit zu geben, braucht es jetzt schnelle und unbürokratische finanzielle Hilfe. Wobei nach wie vor außer Streit steht, dass Optimismus „Pflicht ist“ und Pflicht bleiben muss, gerade in Zeiten wie diesen.

Nur: Wir werden lernen müssen, mit und nicht gegen Corona zu wirtschaften und zu leben, und diese Erkenntnis ist zwingend auch als Appell an die Politik zu verstehen, künftig umfassender zu urteilen, breiter zu urteilen. Es muss, um das salopp zu formulieren, in jedem Fall vermieden werden, dass aus dem Lockdown ein Knockdown wird. Vorarlberg hat die besten Voraussetzungen, um mittelfristig gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Warum? Weil die meisten Unternehmen bereits jetzt die Prinzipien einer resilienten und anpassungsfähigen Wirtschaft leben.

Und auch wir als Interessenvertretung der Vorarlberger Unternehmen leisten unseren Beitrag zur Bewältigung dieser Krise. Die Wirtschaftskammer ist die Anlaufstelle für Unternehmerinnen und Unternehmer in der Krise. In unzähligen Beratungsgesprächen werden seit Monaten unzählige Fragen und Anliegen unserer Mitglieder zu Kurzarbeit, den diversen Hilfsmaßnahmen und -fonds sowie zu rechtlichen Themen bearbeitet. Das schafft Orientierung und Klarheit.

Restart als Ziel

In enger Abstimmung mit den Branchenvertreten, den Sozialpartnern und natürlich der Vorarlberger Landespolitik werden die zentralen Themen und Probleme kontinuierlich gebündelt, analysiert und bearbeitet. Im „Stab der Vorarlberger Wirtschaft“, der regelmäßig tagt, werden aktuelle Fakten und Wirtschaftsdaten analysiert und die nächsten Schwerpunkte fixiert. Das erklärte Ziel: Restart! Auch das konzentrierte Bearbeiten der strategischen Standort- und Zukunftsthemen im Rahmen unseres Strategieprozesses Dis.Kurs Zukunft bleibt weiterhin im Fokus. Nicht trotz, sondern gerade wegen der Krise ist es von entscheidender Bedeutung, die strategischen Herausforderungen mit aller Kraft weiter zu bearbeiten. Bildung und Lehre, nachhaltiges Wirtschaften, digitale Innovation oder auch Regionalität sind in diesem Zusammenhang zentrale Erfolgsstrategien einer chancenreichen Vorarlberger Wirtschaft.

Mehr Krise

Ökonom David Stadelmann sagt, dass Corona mittlerweile mehr Krise denn Krankheit sei. Der Wissenschaftler an der Universität Bayreuth erklärt aber auch: „Ich bin durchaus optimistisch, dass wir alles wieder in den Griff bekommen. Aber eben nur, wenn wir rasch zu einer vernünftigen gesamtgesellschaftlichen Risikoabwägung kommen.“ Es ist also, im wirtschaftlichen und im gesellschaftlichen Sinn, hoch an der Zeit, sich um einen sachlicheren Blick zu bemühen – und zu erkennen, dass die Schäden in wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Systemen, auf die Zukunft gerechnet, nicht minder bedrohlich sind. Es ist dies ein Appell an die Politik. Es ist diese Erkenntnis aber auch massenmedial in die Mitte der Gesellschaft zu führen und dort zu diskutieren, in einer Debatte, die sich zurzeit oftmals nur zwischen den beiden Polen der Coronaleugner und der Coronahysteriker abspielt. Wir werden diese Krise überwinden. Wenn wir zusammenhalten.

Die Ausbildung junger Menschen ist der Wirtschaft ein Anliegen.
Die Ausbildung junger Menschen ist der Wirtschaft ein Anliegen.

Wirtschaftskammer und Covid

Stab der Wirtschaft tagt regelmäßig, um die Lage für die Betriebe zu sondieren bzw. über geplante Maßnahmen der Regierung und ihre Umsetzung zu diskutieren, dazu werden auch externe Experten eingeladen.

Umfrage In regelmäßigen Abständen werden die Unternehmen des Landes zu ihrer wirtschaftlichen Lage und wie die vom Staat bzw. vom Land aufgelegten Hilfe angenommen werden bzw. bei den Betrieben ankommen.

Ausbildung Unterstützung zur Erhaltung bzw. Schaffung von Ausbildungsplätzen. Innungen wie der Bau bzw. die Sparte Industrie unterstützen Ausbildungsbetriebe finanziell.

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