Wenn die Leber leidet

Gesund / 13.06.2014 • 10:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Harte Getränke sind mit Sicherheit nicht gesundheitsförderlich. Beim Wein scheiden sich die Geister noch.
Harte Getränke sind mit Sicherheit nicht gesundheitsförderlich. Beim Wein scheiden sich die Geister noch.

Mini Med Studium informiert über Auswirkungen von Alkohol auf Herz und Leber.

Wolfurt. (VN-mm) Die Leber: wenig beachtet, aber viel strapaziert, filtert dieses Organ doch unermüdlich jene Giftstoffe aus, die schädlich für den Körper sein können. Vor allem Alkohol zählt dazu. In Verbindung mit dem Herz wurde Alkohol lange eine gewisse Schutzfunktion zugeschrieben. Allerdings haben neue Studien diese These jetzt kräftig ins Wanken gebracht. Keine Zweifel gab es hingegen an der Tatsache, dass Alkohol im wahrsten Sinne des Wortes Gift für die Leber ist. Welche Wirkung das Genuss-, Kultur-, Geselligkeits- und Nahrungsmittel auf Herz und Leber hat, erklären Primar Reinhard Haller und Primar Heinz Drexel beim Mini Med Studium am kommenden Mittwoch im Cubus in Wolfurt. Mit diesem Thema, das genau richtig zur sommerlichen Festsaison kommt, wird das Mini Med-Frühjahrssemester beschlossen.

Trügerische Hoffnung

Viele Jahre galt Alkohol und da besonders Rotwein als Herzschutz. Im Fokus der positiven Betrachtungen stand das Molekül Resveratrol. Die Hoffnung, dass Rotwein bzw. gewisse Inhaltsstoffe die Arterien vor Arteriosklerose schützen, erwies sich als trügerisch. „Seriöse Wissenschafter haben immer schon an den früheren Befunden gezweifelt. Die Studien waren methodisch nicht hochwertig“, weiß Heinz Drexel, Leiter der Internen Abteilung im LKH Feldkirch. Trotzdem hat er auch eine gute Botschaft: „Was sicherlich bleibt ist ein gewisser Schutz gegen Arteriosklerose durch eine geringe Menge Alkohol, erklärbar mit günstigen Effekten auf das gute HDL-Cholesterin.“

Andererseits besteht das Problem, dass sehr wenige Menschen sich an die „gesunde“ Dosis von 1 bis 2 Gläschen Wein täglich halten. „Drei oder mehr Gläser Wein oder die gleiche Alkoholmenge in anderen Getränken sind schädlich für den Blutfettstoffwechsel“, betont Drexel. Daneben zeitigt Alkohol negative Auswirkungen auf den Blutdruck – er treibt ihn in die Höhe. Das heißt aus medizinischer Sicht: Alkohol kann nicht als Herzschutzmittel angesehen werden. „Wäre Alkohol ein Medikament, würde es niemals zur Verwendung gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten zugelassen“, resümiert Heinz Drexel.

Dass Alkohol der Leber schlecht bekommt, war immer schon klar. Er verursacht Leberverfettungen, Leberentzündungen und Leberzirrhose. „Außerdem steigert Alkohol das Risiko für Lebertumore“, erklärt der Internist. Gleiches gilt für Krebs im Magen-Darm-Trakt. Bekannt ist inzwischen auch, dass Alkohol kalorienreich und ebenso wie Fett ernährungstechnisch eine ungünstige Substanz darstellt.

Dennoch zählt Alkohol gesellschaftlich gesehen zu der mit Abstand bedeutsamsten Droge. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum ist in Österreich seit 1955 kontinuierlich angestiegen und liegt seit Anfang der 90er-Jahre mit einem Verbrauch von 10 Litern reinen Alkohols (130 Liter Bier, 30 Liter Wein, 6,5 Liter Spirituosen, 10 Liter Most) auf konstant hohem Niveau. „Ein wesentlicher Teil der Bevölkerung pflegt einen kontrollierten Umgang mit dem Alkohol“, kann Primar Reinhard Haller, Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene, in Frastanz berichten. Aber 18 Prozent sind gefährdet, in die Alkoholsucht abzurutschen.

Falsche Selbstmedikation

Laut Haller wird Alkohol häufig im Sinne einer falschen „Selbstmedikation“ zur Bekämpfung von Sinnlosigkeits- und Leeregefühlen, Erschöpfung, Stress, Angst und Depression eingesetzt. Ein besonderes Problem stellt die bei Alkoholkranken mit 11 bis 15 Prozent stark erhöhte Suizidgefahr dar. Alkohol wirkt sich auch auf das Sozialverhalten aus. Partnerschaft und Familie leiden, es kommt zu Verkehrsunfällen, Arbeitsplatzproblemen und Kriminalität, wodurch die psychosoziale Situation Alkoholkranker kompliziert wird.

Mini Med

Aktuelles zu Leberwerten und Leberkrankheiten: Wie wirkt Alkohol auf unser Herz? Ist es Lebenselixier oder Droge?

Referenten: Primar Univ.-Prof. Dr. Reinhard Haller, Chefarzt der Stiftung und Leiter des KH Maria Ebene, Frastanz; Primar Univ.-Prof. Dr. Heinz Drexel, Leiter der Internen Abteilung und des VIVIT-Forschungsinstituts im LKH Feldkirch

Termin: Mittwoch, 18. Juni 2014, Cubus Wolfurt

Beginn: 19 Uhr, Einlass ab 18 Uhr

Eintritt frei