Superstar mit vielen dunklen Seiten

Gesund / 20.06.2014 • 10:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reinhard Haller unterhielt das Publikum in bewährter Manier mit harten Fakten und humorigen Anekdoten aus seiner Arbeit.  Foto: VN/Hofmeister
Reinhard Haller unterhielt das Publikum in bewährter Manier mit harten Fakten und humorigen Anekdoten aus seiner Arbeit. Foto: VN/Hofmeister

Ab 30 Gramm Alkohol pro Tag steigt das Risiko für schwere Leber­erkrankungen.

wolfurt. (VN-mm) Alkohol in Grund und Boden zu verdammen, wäre müßig. Denn Alkohol ist quasi ein Superstar unter den Drogen, wie es Primar Reinhard Haller formulierte. Er ist Genuss-, Nahrungs- und soziales Schmiermittel. Er baut Spannungen ab und ist ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor. „In Österreich fließen jährlich 3,5 Milliarden Euro in alkoholische Getränke“, verdeutlichte der Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene in Frastanz.

Hohes Gewaltpotenzial

Demgegenüber steht allerdings ein durch Alkohol verursachter volkswirtschaftlicher Gesamtschaden von 3,4 Milliarden Euro. Auch 75 Prozent der Gewaltdelikte gehen auf das Konto von Alkohol, und etwa 200 Kinder kommen aufgrund von Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft behindert zur Welt. Das sind die Schattenseiten eines übermäßigen Alkoholkonsums. Es gibt laut Haller auch kaum ein Organ im Körper, das durch zu viel Alkohol nicht geschädigt wird. „Am anfälligsten ist das Gehirn“, so der Psychiater. Dort verursachen Dauerräusche Wesensveränderungen, Aggressivität, Wahnvorstellungen und Erinnerungslücken. Auch die Selbstmordrate ist bei Alkoholkranken 200-mal höher als in der Normalbevölkerung.

Empfehlungen

Medizinisch nach wie vor ungeklärt ist, wann die in die Abhängigkeit führenden Sicherungselemente aufhören, solche zu sein. Deshalb plädierte Haller für einen mündigen und mäßigen Umgang mit dieser Gesellschafts­droge. Einige seiner Empfehlungen: Immer viel Wasser zu Alkohol trinken, nicht bei jeder Gelegenheit trinken, nur trinken, wenn man sich gut fühlt und Alkoholpausen einlegen. Denn: „Die Dosis macht das Gift“, zitierte er eine wohlbekannte Aussage von Paracelsus.

Primar Heinz Drexel, Leiter der Internen Abteilung im LKH Feldkirch, referierte über die Auswirkungen von Alkohol auf Herz und Leber. Moderater Alkoholkonsum könne ein Herzkreislaufschutz sein, lautete die positive Nachricht. Die negative: Schon drei Drinks verkehren die Sache ins Gegenteil. Noch mehr führen sogar zu Herzmuskelschwund.

Besonders gefährdet ist jedoch die Leber. Und: „Lebererkrankungen durch Alkohol sind heimtückisch, weil Symptome erst spät auftreten“, warnte der Internist. Das Risiko beginnt ab 30 Gramm Alkohol pro Tag. Die meisten positiven Effekte auf den Organismus hat eine Menge von 6 Gramm.

Auf Alkohol gänzlich verzichtet werden sollte in der Schwangerschaft, nach einem Schlaganfall, bei Erkrankungen der Leber und Bauchspeicheldrüse sowie bei der Bedienung von gefährlichen Geräten und Maschinen. Und aus aktuellem Anlass merkte Heinz Drexel noch an, dass es während einer Fußball-WM besonders viele Alkoholvergiftungen gibt.

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