Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Grad so wie die Natur

Gesund / 10.10.2014 • 11:39 Uhr

Wenn Sie mich fragen: Der Herbst ist eine schöne Jahreszeit. Eigentlich die schönste, weil sie uns so viel bietet. Die Früchte des Sommers werden geerntet. Die Luft ist klar und frisch, wie von Meister Proppers Hand höchstpersönlich gereinigt. Dazu ein Farbenspektakel, das seinesgleichen sucht. Da sollte nichts die gute Laune trüben können, möchte man meinen. Und doch passiert es. Denn der Herbst trägt auch Melancholie übers Land. Die Blätter fallen, die Bäume werden kahl, die Tage kürzer. Endzeitstimmung sozusagen, obwohl die Natur ja nur ihr Kleid wechselt. Vielen gefällt die neue Gewandung, viele fühlen sich unwohl darin, die Seele beginnt zu leiden.

Herbstdepressionen sind bedauerlicherweise nach wie vor weit verbreitet. Dabei gäbe es ein durchaus probates Mittel dagegen, nämlich Bewegung an der frischen Luft. Ich weiß, ich berichte Ihnen damit nichts Neues. Aber es kann, speziell jetzt, nicht oft genug darauf hingewiesen werden. Laufen, wandern, walken oder radeln Sie freudlosen Gedanken einfach davon. Lassen Sie sich anstecken vom Tanz der bunten Blätter, während sie anmutig zu Boden schweben, vom Gesang des Windes, der in den lichten Baumkronen nachklingt, von der unbändigen Kraft der letzten Blumen, die noch Ihren Garten schmücken. Es gibt keinen Grund zur Traurigkeit, höchstens zum Innehalten. Grad so, wie es die Natur uns vormacht.

marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at