“Unser Farbrezept ist so geheim wie die Coca-Cola-Formel”

Eine Bludenzer Familie sorgt in der Kunstszene für frischen Wind: Sie hat für bildende Künstler ein Produkt entwickelt, das ihre Bilder zum “Leuchten” bringt.
Bludenz Bildende Künstlerinnen und Künstler haben einen Wunsch, der bisher nur schwer umsetzbar war, und das passte der Malerin Angelika Domenig gar nicht. Die erfolgreiche Künstlerin wollte, dass ihre Bilder in genau den Farben leuchten, die sie auf die Leinwand gebracht hat. Bisher war das nicht möglich – Farben verändern sich, wenn sie getrocknet sind. Deshalb suchte sie nach Möglichkeiten, ihren “Traum” umzusetzen, sie experimentierte rund zwei Jahrzehnte an ihrer idealen Farbe. Als Sohn Philipp des Engagements seiner Mutter bei der Entwicklung neuer Farben gewahr wurde, stieg er ein und forscht mit ihr zusammen seit 2017 – mit Erfolg: “Ich hab mich zum Chemiker entwickelt”, erzählt er über die Pionierphase des neuen Malmediums.

Was die Domenigs erfunden haben, heißt nicht nur so, es ist der Name ihrer Firma: Aquarylic sind Künstlerfarben, welche die Eigenschaften von Aquarell-, Öl- und eben Acrylfarben haben. Konkret, und das ist auch das Bestreben der Gründer, ist es ein neues Farbmedium, das so eigenständig ist, dass es in Beschreibungen der Kunstwerke immer genannt wird.

Aquarylic entspricht den hohen Ansprüchen der Erfinderin Angelika Domenig und trifft offensichtlich auch die Wünsche der Künstler. Das zeigen die Bestelleingänge beim Unternehmen, das in der Garage der Familie im Jahr 2021 gegründet wurde und 2023 aus Platzgründen nach Bludenz umgezogen ist. “Am Schluss ist im Garten ein Container gestanden”, lacht Philipp über die Anfangszeiten.

Nicht erst seit der Firmengründung zeigt das junge Unternehmen hohe Professionalität: Denn auch das Erscheinungsbild von Aquarylic ist durchkomponiert: Das beginnt bei den Gebinden für die Farben, die übrigens sehr ausgiebig sind, führt über eigene Verkaufsdisplays bis zum Auftritt bei der wichtigsten Branchenmesse, der Creativeworld in Frankfurt, und im Internet – inklusive Youtube-Kanälen mit Malkursen der Aquarylic Akademie, für die es auch eine “Mastermind-Mitgliedschaft” gibt. Angelika Domenig gibt außerdem im Jahr rund 100 Workshops. Alle Marketing-Maßnahmen steuert Mitgründerin und Gesellschafterin Julia Wolfesberger zusammen mit dem Mitarbeiter der ersten Stunde, Lorenz Zellhofer. “Bei unserem ersten Auftritt bei der Creativeworld haben wir Guerilla-Marketing gemacht”, berichtet sie. Jeder Besucher habe eine Tasche mit Aquarylic-Logo bekommen, und überall, wo man sich die Hände waschen konnte, prangte der Schriftzug auf dem Seifenspender.

Der Firmenauftritt wird durch hohe Qualitätsansprüche untermauert: “Die Farben sind sehr ergiebig, die Pigmente sehr gut und vegan”, so Angelika Domenig, “wir erzeugen nachhaltig und ohne irgendwelche Giftstoffe. Und wichtig ist uns, dass alles, was wir verarbeiten, aus dem DACH-Raum kommt.”

Insgesamt acht Arbeitsplätze wurden seit der Gründung geschaffen. Erhältlich sind in Bludenz die rund 700 Artikel in über 80 Farbtönen nicht, die gibt es aber längst im einschlägigen Fachhandel – in Vorarlberg z. B. bei Gerstaecker Farbenlaube in Dornbirn. “Wir beliefern die wichtigsten Fachhändler und unsere Kunden online”, so Philipp Domenig, der gerade ein neues Produkt zur Marktreife brachte: Aquarylic-Farben für den 3-Drucker. Patentiert sind die Produkte des Kunst-Start-ups nicht. “Es ist wie bei Coca-Cola. Wir haben das Originalrezept und halten es geheim.” Weltweit geschützt ist der Firmenname. Das braucht es auch, denn der nächste Schritt des Unternehmens führt in die USA.
