Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Diktion des Alters

Gesund / 21.11.2014 • 11:53 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Er möchte, so lange es geht, niemandem zur Last fallen. Peter Weck (84) sagte es bei einer Polit-Talkshow mit dem ihm eigenen bubenhaften Charme. Vielleicht machte das den Satz ein bisschen leichter, weniger bedeutungsschwer. Tatsächlich ist er alles andere als das. Er wirkt wie ein Abgesang auf unsere Generation, und es drängt sich unwillkürlich die Frage auf, welchen Eindruck wir zuweilen bei alten Menschen hinterlassen. Keinen guten, wie es scheint. Das macht betroffen. Denn viele unterstützen andere, und die meisten tun es gerne.

Natürlich will niemand in eine Abhängigkeit geraten. Erst recht nicht in eine solche, bei der es um sensible und ja, auch intime Dinge geht, wie sie die Pflege mit sich bringt. Jeder von uns will auf eigenen Beinen stehen und wenn die Zeit gekommen ist, einfach tot umfallen. Doch so spielt das Leben nicht. Das Schicksal kann da beinhart sein. Solidarität ist ein vielstrapazierter Begriff. Und trotzdem einer, den es von der Wiege bis zur Bahre zu pflegen gilt. Kinder haben ebenso das Recht auf unseren Schutz wie später die alten Menschen. Sie sollen frei heraus sagen können, wie und wo sie ihren Lebensabend verbringen wollen. Von wem sie, wenn es sein muss, betreut werden möchten. Aber bitte: nicht zur Last fallen . . . da darf sich ruhig auch in der Diktion der Alten noch etwas zum Besseren verändern. Gepflegte Offenheit ist in jeder Lebenslage eine Tugend.

marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at