Ein Schatz fürs Leben
Die letzten Meter auf dem Weg in die Ferien: Die Schultaschen sind immer dünner geworden. Stattdessen haben die Kinder große Kartonboxen geschleppt, in denen sie ihre Basteleien und Zeichnungen nach Hause trugen. Kleine Schätze, die entweder gleich in eine Schublade wandern, oder da und dort einen Schrank zieren dürfen. Also, ich habe es lange nicht übers Herz gebracht, dieses bunte Sammelsurium an teilweise skurrilen Malereien und ebensolchen Papierskulpturen zu entsorgen. Einige hängen seit bald zwanzig Jahren in meinem Büro herum. Schon etwas ausgebleicht von der Morgensonne, aber irgendwie immer noch sehens-, vor allem jedoch liebenswert. Ein Stück Kindheit, das zurückgeblieben ist von Sprösslingen, die längst eigene Wege gehen.
Hin und wieder lasse ich meinen Blick auf einem dieser „Kunstwerke“ ruhen. Nicht, weil ich plötzlich sentimental werde und mir das alles wieder zurückwünsche. Ich gehöre zu jenen, die lieber nach vorne schauen. Gerade wenn die Perspektiven absehbar weniger werden, braucht es solche umso mehr. Sagen übrigens auch jene, die uns vor Pensions- und anderen Schocks bewahren wollen. Nein, ich betrachte die Bilder, weil sie mir nach wie vor ein Schmunzeln entlocken können. Diese Figuren ohne Bauch, aber mit langen Beinen, die krakeligen ersten Buchstaben, der Versuch, mit Punkten, Herzen und Strichen etwas Abstraktes zu schaffen: Es sind Schätze fürs Leben. Und Lachen soll ja bekanntlich gesund sein. Verlernen wir es also nicht, auch nicht beim Arbeiten.
marlies.mohr@vorarlbergernachrichten.at
Kommentar