Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Forschungswert

Gesund / 27.01.2017 • 09:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wie kann man die Qualität von Forschungsergebnissen, die heute alle Bereiche unseres Lebens berühren, bewerten und messen? Weltweit werden derzeit jährlich 2,5 Millionen wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, und diese Anzahl verdoppelt sich alle neun Jahre. Für eine aufgeklärte schnelllebige Gesellschaft wird es immer wichtiger, hochrelevante von weniger und irrelevanten wissenschaftlichen Ergebnissen zu unterscheiden. Vorbei sind die Zeiten, wo Meinungen von Einzelpersonen oder auch von wissenschaftlichen Gesellschaften Gültigkeit hatten, ohne sich auf breite wissenschaftliche Erkenntnisse stützen zu können. Von der Eminenz zur Evidenz sind dazu die Schlagwörter.

Zur objektiven Messung von Wertigkeiten einzelner wissenschaftlicher Arbeiten von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Journalen wurden unzählige Rankings vorgeschlagen, und ständig werden weitere entwickelt. Alle diese Rankings haben ihre Stärken und Schwächen und schaffen teilweise eigene Realitäten. Für wissenschaftliche Journale wird der „Journal Impact Factor“ angegeben. Dieser Faktor wird besonders in den Naturwissenschaften und in der Medizin verwendet, er ist ein Maß, wie häufig durchschnittlich Artikel in anderen Fachzeitschriften zitiert werden. Dieses System ist etabliert, aber langsam und spiegelt die Ergebnisse erst nach 1 bis 5 Jahren wider.

Heute wird versucht, Qualität, Bedeutung und Reichweite wissenschaftlicher Ergebnisse und das Ranking von z.B. Universitäten (unter anderem als Orientierung für Studenten und Geldgeber) rascher und umfassender zu evaluieren. Immer mehr wird die digitale Aufmerksamkeit von wissenschaftlichen Publikationen in einer Vielzahl von Online-Quellen, Downloads, sozialen Medien, Blogs, Wikipedia und anderen verfolgt und überwacht. Die Wertigkeit einzelner Quellen wird in einem Algorithmus gewichtet und zusammengefasst. Auch solche Verfahren haben ihre Schwächen, sind aber wesentlich schneller und umfassender als traditionelle Systeme.

Nicht alles, was im Leben wichtig ist, kann gemessen und verglichen werden. Beispielsweise sind Liebe, Kunst und Schönheit kaum metrisch mess- und vergleichbar. Dennoch, alles, was messbar ist, soll gemessen werden, und Rankings sind ein wichtiges und wertvolles Instrument der Qualitätssicherung und raschen Orientierung.

In einer Zeit zunehmendem Populismus, in der Fakten und gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse oft als störend empfunden werden, besteht die Gefahr, dass die Wissenschaft nicht mehr den Stellenwert einnimmt, der ihr gebührt. Es ist kein Zufall, dass 2016 „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gekürt wurde. Bewegen wir uns in ein Zeitalter, wo das Gesetz des Stärkeren mehr gilt als eine aufgeklärte wissenschaftsbasierte abendländische Kultur?

Messen, was messbar ist, hat schon Galilei gefordert. Auch wissenschaftliche Ergebnisse müssen bewertet werden.

hans.concin@vn.at
Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein