Besondere Momente
Dieser Tage war ich beruflich in Röns. Röns? Ja, Röns. Das ist eine kleine Gemeinde am Sonnenhang des Walgaus. Ich musste, zugegebenermaßen vorher auch erst einmal kurz überlegen, wo genau der Ort liegt und wie ich am besten dorthin komme. Meist brettert man ja auf dem Weg zu Terminen über die Autobahn. Da verschwindet so manches sehr schnell im Nebel der Unbedeutsamkeit. Kleine Dörfer zum Beispiel, die sich abseits von Hauptverkehrsrouten befinden und die auch sonst im Geschehen nicht weiter auffallen. Wie eben Röns.
Ich habe mich zwar noch im Routenplaner schlaugemacht, bin dann aber doch nicht dieser Spur gefolgt. Die hätte mich nämlich wieder nur über die Autobahn geführt. Lieber starte ich zeitiger und fahre über Land. Früher, als es die Autobahn noch nicht gab, ging es nicht anders. Heute empfinde ich es als Freiheit, nicht der großen Masse folgen zu müssen. Sie werden vielleicht einwenden, niemand wird gezwungen, mit dem Auto zu fahren. Stimmt. Aber zuweilen bleibt einem im Job nichts anderes übrig. Und wenn schon, dann lasse ich die motorisierte Hektik außen vor.
Röns? Ja, Röns. Blauer Himmel, Sonnenschein, warme Temperaturen, das erste Grün, das zaghaft in den noch weitgehend braunen Wiesen aufleuchtet: War das ein gutes Gefühl. Körper und Geist voller Lebendigkeit. Ich hätte singen mögen. Warum ich Ihnen so etwas scheinbar Banales erzähle? Weil es nicht immer das ganz Große sein muss, das Freude bereitet. Solche Momente des Glücks sind weit mehr wert, denn sie bleiben: Im Kopf, in der Seele, im Herzen.
marlies.mohr@vn.at
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