Ein besonderes Beispiel der Wälder Handwerkskunst

VN / 13.05.2026 • 16:53 Uhr
Eine Arbeitsgemeinschaft Mellauer Schindeler – Christoph und Albert Hager, Jan Matt und Stefan Moosbrugger, v. l. – verpasst dem Mellauer Gemeindehaus ein spezielles Schindelkleid. PETER STRAUSS
Eine Arbeitsgemeinschaft Mellauer Schindeler – Christoph und Albert Hager, Jan Matt und Stefan Moosbrugger, v. l. – verpasst dem Mellauer Gemeindehaus ein spezielles Schindelkleid. peter strauss

Das Mellauer Gemeindehaus bekommt ein spezielles Schindelkleid aus Rund- und Zierschindeln.

Mellau Vieltausendfach ist das typische Klopfen der Nagelpistolen von der Baustelle im Mellauer Zentrum zu hören – eine Arbeitsgemeinschaft der drei Mellauer Schindelerbetriebe verpasst dem neuen Gemeindehaus ein Schindelkleid. Kein gewöhnliches, denn Albert Hager hat nicht nur mit seinen Mellauer Kollegen Stefan Moosbrugger und Jan Matt diese Arbeitsgemeinschaft gebildet, für ihn schließt sich mit diesem Projekt auch ein Kreis.

Das neue Gemeindehaus, das neben der Verwaltung auch anderen Nutzern Raum schafft, bildet einen perfekten Abschluss des Dorfplatzes, der mit dem Neubau aufgewertet wird,.   
Das neue Gemeindehaus, das neben der Verwaltung auch anderen Nutzern Raum schafft, bildet einen perfekten Abschluss des Dorfplatzes, der mit dem Neubau aufgewertet wird.

Mellauer Schindeler-Teamwork

“Für mich war klar, dass wir uns als Mellauer Schindeler gemeinsam um dieses Infrastruktur-Projekt bemühen, wir arbeiten ja immer wieder zusammen”, sagt Hager. Dass er sich intensiv um diesen Auftrag bemüht hat, hat einen emotionalen Grund: Das alte Gemeindehaus wurde Anfang der 1960er-Jahre in der Amtszeit seines Großvaters Wendelin, der von 1960 bis zu seinem Tod im Februar 1964 Bürgermeister war, gebaut und eröffnet. Zudem ist es für ihn das letzte so große Vorhaben. “Seit der Betriebsgründung vor 32 Jahren habe ich vorwiegend im Bregenzerwald, aber auch weit über die Region hinaus, mehr als 1200 Objekte – Althaussanierungen und Neubauten – geschindelt, jetzt bin ich dabei, den Betrieb an meinen Sohn Christoph zu übergeben. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern vollzieht sich fließend – das Gemeindehaus ist eben das letzte große Vorhaben, das unter meiner Regie erledigt wird”, meint er erklärend und hat Mühe, seinen Sohn und die beiden Kollegen für ein Fotoshooting vom Gerüst zu holen.

Christoph Hager, Stefan Moosbrugger und Jan Matt verlegen insgesamt mehr als 140.000 Rund- und Zierschindeln. Mit üblicherweise verwendeten Standard-Schindeln wären sie mit etwa der Hälfte ausgekommen.
Christoph Hager, Stefan Moosbrugger und Jan Matt verlegen insgesamt mehr als 140.000 Rund- und Zierschindeln. Mit üblicherweise verwendeten Standard-Schindeln wären sie mit etwa der Hälfte ausgekommen.

Seine spezielle Handschrift

Und wie es sich für ein so symbolträchtiges Projekt gehört, hat sich Albert Hager Spezielles einfallen lassen: “Zum einen haben wir uns entschieden, statt der heute gebräuchlichen bis 15 cm breiten Standardschindeln klassische Rundschindeln, die nur etwa halb so breit sind, zu verlegen. Statt etwa 72.000 Schindeln benötigen wir so mehr als 140.000. Als Besonderheit verlegen wir sozusagen als Bordüre ein Band mit Zierschindeln etwa auf Augenhöhe rund um das ganze Haus.

Stefan Moosbrugger erläutert die drei Reihen Zierschindeln, die wie eine Art Bordüre in die Schindelung eingearbeitet wurden. Knapp 7.000 derartige Zierschindeln wurden verlegt.
Stefan Moosbrugger erläutert die drei Reihen Zierschindeln, die wie eine Art Bordüre in die Schindelung eingearbeitet wurden. Knapp 7.000 derartige Zierschindeln wurden verlegt.

Auch die Zimmerleute

Mit dieser “Zierleiste” wolle man anzeigen, dass Wälder Schindeler nicht nur Qualität, sondern auch optische “Feinheiten” liefern können, merkt Albert Hager an. Qualität hat schon zuvor ein anderes Mellauer Unternehmen geliefert: In Rekordzeit hat das Team der Zimmerei Huber das Haus “hochgezogen”. Rund 400 Kubikmeter in der Halle vorgefertigte Elemente waren binnen weniger Tage verbaut.

Trotz angespannter Finanzlage war der Neubau alternativlos. Dank seiner nachhaltigen Konzeption hinsichtlich Betriebskosten und zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten macht sich das neue Haus jedoch auf längere Sicht mehr als bezahlt.
Trotz angespannter Finanzlage war der Neubau alternativlos. Dank seiner nachhaltigen Konzeption hinsichtlich Betriebskosten und zusätzlicher Nutzungsmöglichkeiten macht sich das neue Haus jedoch auf längere Sicht mehr als bezahlt.

Zeitplan wird eingehalten

Zur Freude von Bürgermeister Tobias Bischof wird der Zeitplan eingehalten, denn für die Gemeindeverwaltung steht zwar eine gute Alternative zur Verfügung, aber im neuen Haus werden auch der Krankenpflegeverein, die derzeit noch provisorisch untergebrachte Finanzverwaltung Hinterer Bregenzerwald, die Bücherei, ein Saal für Veranstaltungen und zwei Notwohnungen Platz finden. Und diese künftigen Nutzer wollen natürlich möglichst bald in ihre neuen Räumlichkeiten einziehen.

„Der Schindeler“ Albert Hager erläutert die verwendeten Schindeln: „Es sind die klassischen Rundschindeln, wie sie früher üblich waren, dazwischen arbeiten wir drei Reihen Zierschindeln ein.“   
“Der Schindeler” Albert Hager erläutert die verwendeten Schindeln: “Es sind die klassischen Rundschindeln, wie sie früher üblich waren, dazwischen arbeiten wir drei Reihen Zierschindeln ein.”

Entscheidung war richtig

Seit der Rohbau Konturen angenommen hat, wird auch sichtbar, dass das neue Gemeindehaus einen gelungenen Abschluss der Zentrumsgestaltung bildet und dass die Entscheidung richtig war, trotz angespannter Finanzlage den Beschluss zum Neubau des Gemeindehauses zu fassen, nachdem eine Altbausanierung keine Option war. STP 

Keine zehn Tage benötigte Renato Huber mit dem Team der Zimmerei Huber, um das neue Mellauer Gemeindehaus „aufzurichten“.   
Keine zehn Tage benötigte Renato Huber mit dem Team der Zimmerei Huber, um das neue Mellauer Gemeindehaus “aufzurichten”.