Ein guter Start ins Leben

02.02.2018 • 08:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein befriedigendes Schwangerschafts- und Geburtserlebnis stärkt auch die Fähigkeit des Kindes in sich sowie spätere Beziehungen. 
Ein befriedigendes Schwangerschafts- und Geburtserlebnis stärkt auch die Fähigkeit des Kindes in sich sowie spätere Beziehungen. 

Gesellschaftspolitischer Stammtisch mit Plädoyer für ganzheitliche Geburtshilfe.

dornbirn „Ich möchte Frauen die Chance auf eine Spontangeburt erhöhen.“ Dieser Satz stand am Anfang des Vortrags von Primaria Barbara Maier, Vorständin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Wilhelminenspital in Wien. Er galt den vielen, vorwiegend weiblichen Zuhörern des Gesellschaftspolitischen Stammtisches, der vom EthikCenter der Katholischen Kirche in Zusammenarbeit mit der IG Geburtskultur zum Thema Geburt und Gesellschaft im Kolpinghaus in Dornbirn veranstaltet wurde. Maier vermisst den Blick auf eine ganzheitlich orientierte Geburtshilfe. Er sei weitgehend verloren gegangen, merkte sie an. Dabei spiele eine gute Vor- und Nachbetreuung eine entscheidende Rolle, weil die Bedingungen, die diese Phase begleiten, auch die physische und psychische Gesundheit sowie die Beziehungsfähigkeit prägen. Ebenfalls anwesende Hebammen monierten bessere Arbeitsbedingungen und kritisierten, dass Geburtsvorbereitungskurse von Schwangeren nach wie vor selbst bezahlt werden müssen.

Geburtserfahrungen bleiben

Wie das Leben beginnt geht es uns alle an: Dem Titel des Abends entsprechend nahm Barbara Maier auch alle in die Pflicht. „Es gilt, ein gesellschaftliches Bewusstsein für die ganzheitliche Geburt zu schaffen und Frauen zu stärken“, betonte die Gynäkologin. Denn Probleme der Mutter in der Schwangerschaft, seien sie seelischer oder gesundheitlicher Natur, geraten auch zum Ballast für das Kind. Ebenso beeinflusst der Geburtsmodus die Anpassung des Kindes. „Geburtserfahrungen bleiben im Körpergedächtnis haften“, warnte Barbara Maier und forderte: „Eine gute Geburtshilfe muss uns etwas wert sein.“  Je besser der Start ins Leben, umso besser gelingt das Leben.

Monya Todesco Bernasconi, Chefärztin der Geburtshilfe im Kantonsspital Aarau, berichtete von einem besonderen Projekt. Auf dem Klinikareal wurden in einem Haus zwei Zimmer eingerichtet, in denen rein hebammenbegleitete Geburten möglich sind. Für Sicherheit sorgt die unmittelbare Nähe zum Krankenhaus. Die Arbeit machen freiberufliche Hebammen. „Mit dem gleichen Personal wäre es nicht gegangen“, sagte Bernasconi. Auch die Regelung der Verantwortung sei mühsam gewesen. Doch die ersten Erfahrungen bestätigen den Wert dieser Einrichtung.

Primar Burkhard Abendstein vom Landeskrankenhaus Feldkirch unterstrich den Nutzen einer guten Geburtsvorbereitung. „Die Schwellenangst bei Paaren ist geringer, wenn sie zur Geburt kommen“, sagte er. Ebenfalls wichtig sei die Fortbildung aller in diesem Bereich tätigen Berufsgruppen. „Wir müssen mit den gleichen Worten sprechen, um Unsicherheiten zu vermeiden“, meinte Abendstein. Auch in Feldkirch werde eine familienfreundliche Geburtshilfe angeboten, obwohl die personellen und räumlichen Möglichkeiten zuweilen knapp seien.

Die Hebammen fühlen sich ebenfalls eingeschränkt. „Es braucht mehr Personal, sowohl in der freien Praxis wie in den Krankenhäusern“, reklamierte Susanne Haunold-Sam. Sie machte zudem auf den Selbstbehalt für die Geburtsvorbereitung aufmerksam. „Auf diese Weise erreichen wir Frauen, die sie brauchen würden, leider nicht“, merkte sie an. VN-MM