Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

69 Jahre Rauchen und Lungenkrebs

28.06.2019 • 07:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ein Arzt und ein Statistiker berichten am 30. September 1950 im British Medical Journal, dass die Todesrate an Lungenkrebs in den 25 Jahren davor um das 15-Fache angestiegen ist. Zwei Hauptursachen wurden angeführt: Die allgemeine Luftverschmutzung und das Rauchen. Im selben Jahr hat eine amerikanische Studie bei 605 Männern mit Lungenkrebs herausgefunden, dass nur 1,2 Prozent Nichtraucher waren. Heute ist die häufigste Krebstodesursache bei Männern mit großem Abstand der Lungenkrebs und bei den Frauen hat der Lungenkrebstod den Brustkrebstod überholt.

In den vergangenen Jahrzehnten haben wir viel mehr über das Ausmaß der tödlichen Gesundheitsschäden durch Tabak (COPD, koronare Herzkrankheit, Arteriosklerose, Asthma, Hirnschlag . . .) und über die räuberischen Praktiken der Branche erfahren. Heute wissen wir auch mehr über die Maßnahmen, die das Rauchen erfolgreich reduzieren und verhindern können: Besteuerung, Rauchfreigesetze, Vermarktungsbeschränkungen und Angebote für Raucherentwöhnung.

Schon am 21. Mai 2003 hat die Weltgesundheitsorganisation bei ihrer Generalversammlung in Genf einen Vertrag vorgelegt, der von fast allen Mitgliedsländern, auch von Österreich, unterzeichnet und ratifiziert wurde (Framework Convention on Tobacco Control, WHO FCTC). Auch in Österreich scheint sich 69 Jahre nach dem wissenschaftlichen Nachweis und 16 Jahre nach Vertragsunterzeichnung endlich die Einsicht durchzusetzen, dass die individuelle Freiheit spätestens dort endet, wo die Gesundheit anderer gefährdet wird.

Auch heute noch werden im Zusammenhang mit Rauchen die Bedeutung und Folgen der „Chronisch obstruktiven (Verengung der Atemwege) Lungenerkrankung“ COPD massiv unterschätzt. Auf der Liste der häufigsten Todesursachen weltweit belegt die COPD 2016 mit mehr als drei Millionen Todesfällen den dritten Platz, hinter der koronaren Herzerkrankung und dem Schlaganfall. COPD bedeutet für jede und jeden Betroffenen zunächst eine lange Zeit mit eingeschränkter Lebensqualität, später schwere Krankheit und vorzeitigen Tod. Neben dem persönlichen, meist vermeidbaren Schicksal sind die Belastungen der Familien und Gesellschaft enorm.

Neben dem Lungenkrebs holen die Frauen auch bei der COPD stark auf. Wie beim Alkohol spricht vieles dafür, dass Frauen durch Rauchen noch mehr geschädigt werden als Männer und bei vergleichbarem Rauchverhalten mehr als die Männer negative Folgen erwarten müssen. Auch die gesundheitlichen Schäden durch Passivrauchen werden immer noch stark unterschätzt, nicht nur bei Kindern und Schwangeren, auch bei Erwachsenen.

Gesundheitspolitik kann bei der Reduktion des gefährlichsten Einzelfaktors für die Gesundheitserhaltung viel erreichen. Es ist zu hoffen, dass Österreich spät aber doch die rote Laterne unter den zivilisierten Ländern bald abgibt.

„Auch die gesundheitlichen Schäden durch Passivrauchen werden immer noch stark unterschätzt.“

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein