Wenn Familien eine Reise tun

Gesund / 29.06.2019 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mit dem Zug zu reisen bedeutet vor allem Bewegungsfreiheit – gerade für den Nachwuchs. VN/PAULITSCH

. . . dann ist besonders Organisations­talent, aber auch Flexibilität gefragt.

Heidemarie Netzer

Schwarzach Mit der Ferienzeit rollt auch die große Reisewelle der Familien an. Darum sollten, wenn noch nicht erledigt, jetzt die letzten Reisevorbereitungen getroffen werden. Und egal ob sich der Familienrat für einen gut durchstrukturierten Badeurlaub im Club, einen lockeren Campingurlaub am See oder doch für eine abenteuerliche Reise in eine Stadt entschieden hat, ausschlaggebend für ein Gelingen ist eine gut durchdachte Planung, An- und Abreise, aber auch die gewisse Leichtigkeit des Seins am Urlaubsort selbst. Hier nun ein paar Tipps für eine gelingende Familienreise.

Auf längere Busfahrten sollte gänzlich verzichtet werden, besser den Zug oder das Auto nehmen. Bei längeren Autofahrten gilt das Prinzip „Schritt für Schritt“ oder besser „Etappe für Etappe“, entsprechender Sonnenschutz, Nackenkissen, Spielmöglichkeiten und Pausen inklusive. Kurze Flugreisen kann man untertags zurücklegen und somit dem Tagesrhythmus des Kindes anpassen; auf der Langstrecke bieten sich Nachtflüge an, idealerweise Nonstop. Und um unnötigen Stress beim Einchecken zu vermeiden, könnte schon vorab die Onlinevariante gewählt werden. Übrigens: Babyfläschchen und fertige Babynahrung dürfen im Handgebäck mitgeführt werden, und Kinder ab zwei Jahren haben Anspruch auf einen eigenen Sitzplatz; für kleinere gibt es meist die Möglichkeit, ein Babybettchen vorab zu reservieren.

Qualität bevorzugen

Apropos Reservierung: Beim Buchen der Unterkunft gilt „Qualität hat Vorrang“. Denn anders als bei Single- oder Pärchenreisen verbringt man als Familie viel mehr Zeit im Zimmer (Mittagsschlaf, Rückzugsort . . .). Zudem machen sich die Kleinen auch gerne barfüßig auf Erkundungstour, vorzugsweise auf allen Vieren am Boden entlang. Was zum nächsten Punkt führt: Auch wenn die Urlaubsdestination viele Attraktionen bietet, ist es besser, sich auf wenige, altersabhängig, zu konzentrieren und idealerweise immer wieder reine Badetage mit ungezwungener Spielmöglichkeiten einzuplanen. Gerade auch darum, da Kinder ihre neu erworbenen Eindrücke am besten beim Spielen verarbeiten und so wieder Kraft für neue Abenteuer sammeln.

Gelassenheit

Ein großes Thema auf Reisen ist klarerweise die Ernährung. Hier gilt auf jeden Fall, so viel wie möglich zu trinken, aber weniger stark gesüßte Limonaden als Wasser, natürlich aus der versiegelten Flasche und am besten mit einem Trinkhalm und ohne Eiswürfel. In Sachen kulinarische Genüsse sollte bestenfalls auf Salat verzichtet und das Obst nur im geschälten Zustand verzehrt werden. Notfalls helfen spezielle Arzneimittel, die die Darmflora wieder in Ordnung bringen. Und auch wenn der Nachwuchs in Sachen Essen etwas heikler ist, viele Hotels bieten die heiß begehrten Spagetti, Reis oder Pommes an. Auch gegen ein Eis schon vormittags oder ein Kuchen zum Abendessen ist nichts einzuwenden. Denn bedenken Sie: Es ist Urlaubszeit, die Zügel können etwas lockerer gelassen werden. Die ganze Palette an Nahrungsmitteln gibt es dann eben wieder zu Hause.

Eine etwas entspanntere Einstellung im Urlaub ist generell gefragt, dann ist nämlich nicht die Zeit für große Erziehungsmaßnahmen. Reisen bedeutet bestenfalls unbeschwerte Freizeit für alle. Denn wenn schon die Eltern nervös, gereizt und gestresst sind, überträgt sich das auf das Kind. Mit der Folge: Supergau. Also viel besser Gelassenheit an den Tag legen, Humor beweisen. Denn was macht eine Reise mehr aus, als die kleinen Hoppalas und die mit unzähligen Erinnerungen angefüllten Koffer, die dann noch lange an den Urlaub erinnern und vielleicht für den einen oder anderen Lacher sorgen.

Tipps für den Familienurlaub

Vorab

Reisedistanz auf das Alter der Kinder abstimmen

Bei längerer An- und Abreise Etappen einplanen

Unterkunft bewusst nach den Bedürfnissen der Kleinen auswählen – Qualität ist hier mehr, denn das Zimmer ist nicht nur Schlafgelegenheit, sondern vielmehr Aufenthaltsraum

Organisatorisches wie gültiger Reisepass (Kinder müssen einen eigenen haben), Reiseversicherung, Reiseapotheke (speziell auf Kinder abgestimmt) abchecken

Genügend Freizeit einplanen – weniger Sehenswürdigkeiten, mehr Spielmöglichkeiten

Reiseziel dem Kind anhand von Reiseführern, Bildern etc. erklären

Auf der Reise

Längere Busfahrten vermeiden

Längere Autofahrten etappenweise in Angriff nehmen

Reise mit dem Zug bedeutet Bewegungsmöglichkeit

Flugreisen am besten nonstop – Fernreisen idealerweise nachts

Kleines Spielzeug mitführen

Kleine Snacks und Getränke bereithalten

Leichtes Gepäck – eine helfende Hand der Eltern sollte immer frei sein

Mittel gegen Reiseübelkeit griffbereit halten

Am Urlaubsort

Jetlag beachten

Tagesrhythmus an die Zeit vor Ort anpassen

Gepäck verstauen – für die Orientierung bekommt alles seinen festen Platz

Platz für Eroberungen im Zimmer einräumen

Ferienanlage mit dem Kind erkunden

Spontaneität beweisen – Tagesstruktur nur grob definieren, so kann auf die Tagesverfassung der Kinder reagiert werden

Hygiene großschreiben – öfters die Hände waschen, nur geschältes Obst essen, bestenfalls auf Salat verzichten, kein Wasser aus dem Hahn oder Getränke mit Eiswürfeln trinken