Trauer im Arbeitsalltag bewältigen

Gesund / 03.01.2020 • 10:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bechter-Boss setzt sich umfassend mit dem Thema Trauer auseinander.BI
Bechter-Boss setzt sich umfassend mit dem Thema Trauer auseinander.BI

Astrid Bechter-Boss führt Trauerbegleitungen in Unternehmen durch.

FUSSACH Verlusterfahrungen prägen die Biografie jedes Menschen. Manche Verluste sind so massiv, dass sie eine starke Trauer auslösen. Diese Trauer bleibt nicht in den eigenen vier Wänden, sondern erstreckt sich auch auf das Arbeitsleben. „In verschiedenen Trauerbegleitungen konnte ich erfahren, welchen Unterschied es für die betroffene Person macht, wie am Arbeitsplatz mit trauernden Menschen umgegangen wird. Menschen, die sich verstanden und wertgeschätzt fühlen, fällt es leichter, sich wieder in einen normalen Arbeitsprozess zu integrieren“, erklärt Astrid Bechter-Boss. Auch in Vorarlberg wächst das Bewusstsein in Firmen für fachliche Krisen- und Trauerbegleitung. Die Trauer um ihren Sohn Aaron, der vor 16 Jahre starb, führte zu einer intensiven Auseinandersetzung rund um die Kernthemen des Lebens. „Der Weg meiner Trauer hat mein Leben geprägt“, sagt Astrid Bechter-Boss. Wichtig sei ihr die Vermittlung des Wissens über Trauer. „Trauer kann nicht verarbeitet werden, sie geschieht ganz individuell und lässt sich nicht in Phasen oder Abläufe einteilen. Für den Trauernden braucht es Menschen, die da sind und die Trauer aushalten. Hilfe von außen anzunehmen, ist eine Form der Selbstfürsorge“, betont die Pädagogin. Um Menschen in diesen Notsituationen geeignete Hilfe anbieten zu können, gründete sie ihr Unternehmen „Lebenskreise“.

Gefahr der Überforderung

Neben der Begleitung von Einzelpersonen und Familien beschäftigte die Trauerbegleiterin schon lange die Frage, wie ein Mensch nach einer solchen tiefschürfenden Erfahrung wieder in den Arbeitsprozess findet. Diese speziellen Lebenssituationen spielen in Fort- und Ausbildungen sowie in der Literatur zur Unternehmens- und Personalführung nur eine untergeordnete Rolle. Die fehlende Auseinandersetzung kann im Akutfall allerdings zu einer Überforderung der Personal- und Führungskräfte führen.

Wie ein Brandschutzplan

„In Deutschland gibt es mittlerweile bereits Betriebsvereinbarungen, in denen ein Trauerverantwortlicher innerhalb der Firma vorgesehen ist. Mir ist es besonders wichtig, schon im Vorfeld mit der Firmenführung und der Personalabteilung einen Krisen-Prozess-Plan zu erarbeiten. Dieser ähnelt einem Brandschutzplan, der in der Hoffnung erstellt wird, ihn niemals zu benötigen, aber sehr hilfreich ist, wenn ein solcher Fall eintritt. Der Plan muss dabei individuell an die bestehenden Strukturen des Unternehmens angepasst werden. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Einschulung eines Trauerverantwortlichen“, führt Bechter-Boss ihre Vorgangsweise aus. BI