Bewaffneter im Krankenhaus: Wie verhalte ich mich richtig in einer Gefahrensituation?

Gewalt und Verbrechen / 02.02.2026 • 12:12 Uhr
Bewaffneter im Krankenhaus: Wie verhalte ich mich richtig in einer Gefahrensituation?
Die Polizei übt regelmäßig sogenannte polizeiliche Großlagen. Hier ein Bild von einer Übung 2023, bei der die Reaktion auf einen Amoklauf an einer Schule beübt wurde. VN/Hartinger

Situationen wie jene am LKH Feldkirch diese Woche sind in Österreich selten. Dennoch gibt es einen Leitfaden, wie sich die Bevölkerung im Fall der Fälle verhalten soll.

Feldkirch Am Mittwochabend war beim Landeskrankenhaus (LKH) Feldkirch ein bewaffneter Mann unterwegs. Mindestens eine Frau und deren 14-jährige Tochter wurden von ihm direkt angesprochen, sie sollen ihn nach Bludenz fahren. In der Hand: eine Schreckschusspistole, optisch beinahe nicht von einer scharfen Schusswaffe zu unterscheiden.

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Solche Situationen sind in Österreich glücklicherweise sehr selten. Aber nicht unmöglich: 2020 kam es zum Terroranschlag in Wien, vergangenes Jahr zum Amoklauf an einer Grazer Schule. Und auch diesen Mittwoch schilderte eine Patientin des LKH, wie sie und ihre Bettnachbarin angesichts des anrückenden Polizei-Großaufgebots im WC verbarrikadierten.

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Bereits 2018 gab das Bundesinnenministerium einen Leitfaden heraus, wie man sich in solchen Gefahrensituation verhalten soll. Der Titel: Flüchten, verstecken, verteidigen. Sobald man sich in Sicherheit wähnt, den Notruf alarmieren und sich über die offiziellen Kanäle der Polizei informiert halten.

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Selbstschutz vor Heldentum

Die Priorität liegt beim Selbstschutz. So sollte man in erster Linie versuchen, sich selbst in Sicherheit zu bringen und den direkten Gefahrenbereich schnellstmöglich zu verlassen. Dies gilt sowohl, wenn man bewaffnete Personen wie auch die Cobra im Einsatz wahrnimmt. “Der sicherste Aufenthaltsort befindet sich grundsätzlich hinter den eingesetzten Polizeikräften und in möglichst großer Entfernung zum Einsatzgeschehen”, betont die Landespolizeidirektion Vorarlberg. Die bewaffnete Person sollte nicht auf die Waffe angesprochen oder versucht werden, sie zu entwaffnen.

Nur wenn alle Fluchtwege versperrt sind, sollte man sich in sicheren Bereichen verstecken. Versperrte Türen halten Angreifer auf, große und dichte Objekte bieten Schutz vor Entdeckung und Verletzungen. Auch sollte man bemüht sein, verräterische Tonquellen wie Mobiltelefone auf lautlos zu stellen.

Ruhe bewahren

Doch was, wenn man wie die beiden Frauen in der Tiefgarage von einer bewaffneten Person angesprochen wird? Dann ist es entscheidend, Ruhe zu bewahren. Eigener Stress kann sich auf das Gegenüber übertragen und die Situation unvorhersehbar eskalieren lassen. Entsprechend ist es meist ratsam, den Anweisungen Folge zu leisten, um eine zusätzliche Eskalation zu vermeiden. “Wenn möglich, sollten andere Personen auf die Situation aufmerksam gemacht werden, beispielsweise durch das internationale Handzeichen für Gefahr. In keinem Fall darf die bewaffnete Person provoziert oder gereizt werden”, betont die Polizei.

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Äußert die bewaffnete Person keine konkreten Forderungen oder Drohungen, ist eine ruhige und sachliche Kommunikation anzustreben und gestellte Fragen sollten beantwortet werden. Wenn möglich, sollte versucht werden, sich in einen geschützten Bereich zu begeben.

Letzte Konsequenz

Erst in letzter Konsequenz, wenn weder die Flucht noch das Verbergen Erfolg versprechen, ist zum Selbst- wie Fremdschutz die Konfrontation zu wählen. Vor allem in Zusammenarbeit mit anderen Personen sollte man mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, den Angreifer aufzuhalten.

Orientierungshilfe

Schlussendlich ist dies jedoch die Aufgabe der Polizei, Beistehende und Zeugen haben sich nicht ohne Not in eine Gefahrensituation zu begeben. Der Leitfaden ist als Orientierungshilfe gedacht, ähnlich einem Erste-Hilfe-Kurs oder dem Vortrag vor Flugbeginn zu den Evakuierungsvorgaben.

Verhaltenstipps

  • Flüchten: Wenn es möglich ist, flüchte ich. Ich lasse meine persönlichen Sachen zurück, weil diese mich behindern können.
  • Verstecken: Wenn flüchten unmöglich ist, verstecke ich mich. Ich verriegle und blockiere Türen, stelle mein Handy lautlos, schalte die Vibrationsfunktion aus und verhalte mich leise.
  • Verteidigen/Informieren: Wenn flüchten sowie verstecken nicht möglich sind, ich noch nicht in Sicherheit bin, die Gefahr gegen mich noch andauert, dann verteidige ich mich als letzte Konsequenz. Ich nutzte verfügbare Gegenstände, um den Angriff abzuwehren, suche Unterstützer und helfe anderen Personen.
  • Notruf: Sobald ich in Sicherheit bin, rufe ich 133 oder 112.