Spielsüchtiger zockt der Reihe nach Kollegen ab

Weil immer wieder neue Opfer auftauchen, sitzt er zum dritten Mal auf der Anklagebank.
Feldkirch Er war lange arbeitslos, hat keine Ausbildung, leistet derzeit seinen Zivildienst und verdient 650 Euro pro Monat. Der 22-Jährige hat einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft. Er ist spielsüchtig und hat fremdes Geld in Höhe von rund 60.000 Euro verzockt. Immer wieder tauchen neue Opfer auf, die melden, dass auch sie dem Mann Geld „geliehen“ haben, nachdem er ihnen eine Notsituation vorgegaukelt hatte. Ob dies die letzte Verhandlung ist, bleibt abzuwarten. Mittlerweile hat er neben einer Geldstrafe sieben Monate Haft auf Bewährung angesammelt.
Der Exekutor ist beim Unterländer bereits Stammgast. Doch wenn nichts zu holen ist, beißt selbst der Gerichtsbeamte auf Granit. Die ehemaligen Kollegen, Kumpel, Mitarbeiter, Schulkameraden und Freunde müssen daher weiterhin auf ihr Geld warten. Ab dem gerichtlichen Zuspruch haben sie 30 Jahre Zeit.
Krypto-Wetten
Die Freundin des Mannes gab dem Unterländer 8470 Euro. Er protzte, das Geld in lukrative Kryptowährungen zu investieren. Tatsächlich hätte er damit sogar Gewinne erzielen können, denn die Kurse von Bitcoin und Solana stiegen damals. Doch der Spieler beließ es nicht dabei: Er setzte das Geld anschließend bei „Krypto-Sportwetten“ ein und fuhr hohe Verluste ein.
Einem Bekannten tischte der Süchtige auf, er sei in Lissabon, seine Kreditkarte funktioniere nicht und er bräuchte dringend Geld für ein Hotel. So erschwindelte er sich weitere 500 Euro. Als der damals 20-Jährige endlich einen Job im „Blue Tomato Shop“ hatte, dauerte es nicht lange, bis 1900 Euro aus dem Safe verschwunden waren.
Lüge auf Lüge
Weitere Geldquellen waren ehemalige Mitschüler des Spielers. Sie waren gemeinsam in die Handelsschule gegangen. Dieses Mal behauptete er, er bräuchte dringend Geld für Medikamente, offene Arztrechnungen, fällige Mieten, eine notwendige Autoreparatur, eine Zugfahrt. Die ehemaligen Mitschüler ließen sich erweichen und wieder entstand ein Schaden in Höhe von 27.000 Euro. Nach zwei Prozessen folgte nun die dritte Runde vor Gericht. Wieder waren Ex-Kollegen aufgetaucht, die angelogen worden waren. Diesmal geht es um weitere rund 23.000 Euro. Das Gericht muss die Causa so behandeln, als wären alle Betrügereien gleichzeitig bekannt geworden. Für den 22-Jährigen gibt es diesmal weitere drei Monate Haft auf Bewährung. Damit sind nun insgesamt sieben Monate wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs offen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.