Den Begriff Lehrling neu überdenken

HE_Feldk / 23.02.2022 • 13:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zu Beginn der Semesterferien wurde eine brandaktuelle Studie zum Thema Lehre präsentiert. APA/Ludwig Schedl
Zu Beginn der Semesterferien wurde eine brandaktuelle Studie zum Thema Lehre präsentiert. APA/Ludwig Schedl

Aktuelle Studie zeigt Bedürfnisse und Wünsche der zukünftigen Auszubildenden auf.

LEHRE Zu Beginn der Semesterferien präsentierten die überparteiliche Lehrlingsinitiative zukunft.lehre.österreich (z.l.ö.) und die Industriellenvereinigung (IV) gemeinsam mit Sprecher von VERBUND, A1 und Miba eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts market zur aktuellen Lehrlingssituation. Allen voran steht der Wunsch nach besserer Durchlässigkeit des Systems. Konkret gemeint ist das Begehren, dass jeder Bildungsweg (AHS, BHS und Lehre) zu attraktiven Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten wie z.B. den Besuch einer Hochschule führen kann. „Die scheinbare Sackgasse nach dem Lehrabschluss hindert noch manche, sich in einem Lehrberuf entfalten zu können. Das langfristige Ziel der Bildungspolitik in unserem Land soll sein, dass mit den drei Wegen AHS, BHS und Lehre gleichermaßen gute Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten verbunden werden – mit und ohne Matura“, bekräftigt z.l.ö.-Präsident und ehemaliger Lehrling Werner Steinecker die Ergebnisse der Studie. Die hohe Zustimmung zur „Lehre mit Matura“ in der Studie zeigt die ungebrochen hohe Anziehungskraft der Matura.

Industrieberufe gefragt

„Die Studie zeigt: Industrieberufe sind bei den Jugendlichen unter den Top-Lehrberufen und die außergewöhnlichen Verdienstmöglichkeiten haben sich zumindest bei einem Teil der Jugendlichen schon herumgesprochen“, betont Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung. Und auch Ansätze, dies in höhere Lehrlingszahlen umzumünzen, entnimmt Knill der Studie und fordert: „Eine umfassende Berufsorientierung an Schulen, die auch die Industrieberufe umfassend vorstellt; eine neue, hochwertige Einstiegsphase in die Lehre; und ganz aktuell: in diesem Schuljahr wieder die vor Corona übliche Aufstiegsklausel an Schulen, um praktisch veranlagte Schülerinnen und Schüler nicht von einem Umstieg in eine Lehre abzuhalten.“

Vor allem Jugendliche leiden unter den Auswirkungen der Pandemie, eine richtungsweisende Entscheidung in unsicheren Zeiten zu treffen, fällt laut Studie der Hälfte aller befragten Schüler schwer und der Verbleib in der Schule dank Corona-Aufstiegsklausel liegt nah. „Die beste Entscheidungshilfe für Jugendliche ist ein ordentlicher Bildungs- und Berufsorientierungsunterricht in den Schulen, dazu gehört vor allem auch das Schnuppern in den Betrieben“ weiß Michael Strugl, Vorstandsvorsitzender von VERBUND. Nur jeder 10. Befragte der 13- bis 14-Jährigen bewertet die aktuelle Bildungs- und Berufsorientierung (BBO) gut, alle Befragten, Schüler, Eltern sowie Lehrer wünschen sich bessere BBO in der Schule, denkbar wäre auch ein eigenes Schulfach für alle 14-Jährigen auch in den Gymnasien. Die Unternehmen finden den Weg zu den Schülern und Schülerinnen nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie und vielen abgesagten Info-Veranstaltungen nun auch öfter auf dem digitalen Weg. Die Studienteilnehmer sprachen sich für noch bessere digitale Bildungs- und Berufsorientierung aus.

Dynamische Bezeichnung

Ein interessanter Aspekt der Studie zeigt, jetzt ist der Moment, den Begriff „Lehrling“ neu zu überdenken und eine dynamische, moderne Bezeichnung zu finden. „Keiner der bisher getesteten Begriffe konnte sich durchsetzen, jedoch ist der Wunsch nach einem neuen Namen bei allen Befragten groß“, gibt David Pfarrhofer Einblicke in die Studie. Hier setzt auch Werner Steinecker, z.l.ö.-Präsident fort: „Ein modernerer Begriff könnte der erste Schritt der Regierung sein, das Ansehen der Lehre zu steigern. Darüber hinaus laden wir alle ein, an der inhaltlichen Neugestaltung der Lehre mitzuwirken. Alle Befragten haben sich bei der Imageaufwertung für mehr politisches Engagement der Regierung ausgesprochen, was wir hier auch noch bekräftigen möchten.“

„Die scheinbare Sackgasse nach dem Lehrabschluss hindert noch manche, sich in einem Lehrberuf entfalten zu können.“