“Mein Teddybär hat Bauchweh” – Kinder übernehmen den OP im LKH Feldkirch

Heute riecht es im LKH Feldkirch anstatt nach Desinfektionsmittel nach Bananenscheiben. Hier wird gegipst, operiert und Erdbeersaft verschrieben.
Darum geht’s:
- Kinder erleben im Teddybär-Krankenhaus spielerisch Krankenhausabläufe.
- Medizinstudierende und Pflegeschüler betreuen und beraten die Kleinen.
- Projekt verringert Kinderängste und fördert medizinische Kommunikation.
Feldkirch Bis Mittwoch, den 25. Februar 2026 wird im LKH geröntgt, operiert und Blut abgenommen. Aber nicht an echten Patientinnen und Patienten, sondern an Teddybären, Puppen und Kuscheltieren. Kinder zwischen drei und sechs Jahren dürfen ihr Lieblingstier ins Spital bringen – und erleben Schritt für Schritt, wie ein Krankenhaus funktioniert. Ohne Angst. Ohne Tränen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Hier im “Teddybär-Krankenhaus” geht es zu wie im Stationsbetrieb. Krankenschwestern huschen mit ihren weißen Kitteln um die Ecke und behandeln wie gewohnt Erstverletzte. Die Kinder machen große Augen, sind besorgt und hoffen auf Hilfe. “Ich wünsche mir, dass mein Bär wieder gesund wird”, sagt die 5-jährige Anna am OP-Tisch. Daneben staunt die kleine Emma und sagt: “Meinem Löwen geht es schon besser.”

Erdbeersaft gegen Bauchschmerzen
“Mein Teddybär bekommt einen Gips um den Bauch und danach hole ich ihm ein Rezept in der Apotheke”, berichtet die kleine Ronja. Verschrieben wurde Erdbeersaft, es hätte aber auch Bananenstücke oder Apfelsaft gegeben. In der Apotheke ist viel los. “Teddydocs” beraten die kleinen Besucher und nehmen fleißig Rezepte entgegen. Bei den Ärzten handelt es sich um Medizinstudierende aus ganz Österreich sowie um Schülerinnen und Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch (GKPS). Gemeinsam betreuen sie die Kinder auf Augenhöhe.

Das Spital als Spielplatz gegen die Angst
Alle Abteilungen des Krankenhauses werden im Panoramasaal erkundet. Entweder gehen die Kinder ins Labor zum Blutabnehmen, in die Röntgenstation, in die Bildgebung oder sogar in den OP-Bereich. In der Gipsstation ist besonders viel los, hier werden gebrochene Bärenarme versorgt, in der Zahnstation wird kontrolliert, ob die kleinen Zähne sauber sind. Zwischen Röntgenbildern, MRTs und zahlreichen Plastikspritzen fällt plötzlich der Krankenhausbär in Ohnmacht. Die Aufregung ist groß, der Bär braucht eine Herzrhythmusmassage.

Gerald Fleisch, ärztlicher Direktor am LKH Feldkirch, misst der Aktion einen hohen Stellenwert bei: “Es ist eine fantastische Zusammenarbeit zwischen jungen Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung und Pflegeschülerinnen und -schülern. Hier nehmen wir Kindern die Angst. Und es ist auch ein Recruiting-Tool – vielleicht bleibt die eine oder der andere später bei uns.” Für ihn sei das Teddy-Bär-Krankenhaus ein echtes Herzensprojekt.

Auch Alissia Jenny, Medizinstudentin und Mitorganisatorin, betont den pädagogischen Effekt. Das Projekt sei im deutschsprachigen Raum weit verbreitet, in Feldkirch habe es bereits zwischen 2015 und 2019 regelmäßig stattgefunden. Nach einer Corona-Pause wurde es im Vorjahr wiederbelebt. “Wenn Kinder im spielerischen Rahmen kennenlernen, was im Krankenhaus passiert – und zwar nicht an sich selbst, sondern am Kuscheltier –, dann gehen sie später mit viel weniger Angst hinein”, sagt sie.

Die Resonanz gebe ihnen recht: Immer wieder melden sich Eltern im Nachhinein und berichten, dass ihre Kinder bei echten Spitalsaufenthalten erstaunlich ruhig geblieben seien. “Das berührt uns sehr”, erzählt Jenny. Gleichzeitig sei das Projekt auch für die angehenden Mediziner:innen und Pflegekräfte wertvoll – besonders im Bereich kindgerechter Kommunikation.

Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Ernst und Spiel, aus Medizin und Fantasie, die das Landeskrankenhaus Feldkirch für drei Tage in einen Ort verwandelt, an dem Heilung ganz klein beginnt – und Vertrauen wachsen darf.