Drei Klassen auf einem Flügel
Yunus Kaya, Anna Adamik und Johannes Obermeier vereinen das geballte Klaviertalent an der Stella Vorarlberg. HE
FeldkirchRund drei Stunden lang dreifacher musikalischer Ohrenschmaus am Flügel wurde auf dem Klaviermarathon im Festsaal der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik am Donnerstag geboten. Gleich vierzehn Studierende aus drei verschiedenen Klavierklassen boten dabei Klaviergenuss vom Feinsten.
Rund drei Stunden lang stand der Flügel im Festsaal der Stella Vorarlberg im Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Konzerts.
Komplexe Klavierliteratur
Das temperamentvolle Gemeinschaftskonzert begann mit dem Auftritt von Tobias Jacob aus der Klavierklasse von Johannes Obermeier. Das Präludium und die Fuge in Cis-Dur von Johann Sebastian Bach (1685–1750) in der Tonart mit sieben Kreuzen standen für Kenner der Musiktheorie schon einmal unter einem anspruchsvollen Vorzeichen. Es folgte aus Béla Bartóks (1881–1945) Klavierzyklus “Im Freien” das Stück “Klänge der Nacht”. Die außergewöhnliche Komposition mit Tierstimmen und nächtlichen Rufen aus dem Wald forderte ebenfalls volle Konzentration. Einen grandiosen Abschluss bot Frédéric Chopins (1810–1849) lebhafte Étude op. 10 Nr. 4 in cis-Moll mit dynamischem Charakter und einem rasanten Sechzehntelmotiv, welches der Klaviervirtuose 1830 komponierte.
Auftakt auf hohem Niveau: Tobias Jacob aus der Klavierklasse von Johannes Obermeier eröffnete den Klaviermarathon mit anspruchsvollen Werken von Bach, Bartók und Chopin.
Mit dem hierzulande wenig bekannten argentinischen Komponisten Alberto Ginastera (1916–1983) setzte Janus Winsauer aus der Klavierklasse von Yunus Kaya das Konzert fort. Drei argentinische Tänze ließen südamerikanische Lebensfreude aufkommen. Als dritte Studierende trat Valerie von Bechtolsheim aus Obermeiers Klavierklasse ans Piano. Sehr gefühlvoll ließ sie Claude Debussy erklingen. Vor der ersten Pause erklang ein Trio für Klavier, Flöte und Oboe von Friedrich Kuhlau, in dem Ruben Neyer aus Anna Adamiks Klasse mit Hanna Konrad an der Flöte und Pia Natter an der Oboe brillierte.
Janus Winsauer aus der Klavierklasse von Yunus Kaya brachte mit Werken von Alberto Ginastera argentinisches Flair in den Saal.
Valeriia Poilova aus der Klavierklasse von Yunus Kaya gab György Ligeti zum Besten, dessen Etüde “Arc-en-ciel” einen Regenbogen musikalisch interpretiert. Danach erklang noch Maurice Ravel, ehe mit Charlotte Mader aus der Klasse von Johannes Obermeier schon die nächste Studentin die Bühne betrat. Zwei “Lieder ohne Worte” von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) wurden von ihr sehr gefühlvoll umgesetzt. Liliana Faragó aus der Klavierklasse von Anna Adamik gab anschließend mit “Glas Butterfly” eine liebliche Eigenkomposition zum Besten, ehe sie Edvard Griegs Sonate op. 7 e-Moll äußerst dynamisch zum Besten gab. Chiara Polster aus Johannes Obermeiers Klasse begann mit Franz Schubert, ehe es mit Edvard Grieg (1843–1907) wieder lebhaft wurde. Als Highlight vor der zweiten Konzertpause erklang ein Klaviertrio von Fanny Hensel Mendelssohn (1805–1847), in dem Sonia Craciun aus der Klavierklasse von Anna Adamik gemeinsam mit Stefan Negurici an der Oboe und Jonas Streit am Violoncello brillierte.
Feinsinnige Interpretation: Valerie von Bechtolsheim ließ mit Claude Debussy viel Klangfarbe und Gefühl anklingen.
Auch der dritte und letzte Block des Marathons war von anspruchsvoller Klavierliteratur geprägt. Nun wurde es tänzerisch: Mykola Myroshnychenko, welche die Klavierklassen von Yunus Kaya und Anna Adamik besucht, gab drei Walzer von Chopin zum Besten. Nicolaj Krajnc begeisterte im Anschluss mit einer schönen Sonatine von Maurice Ravel und zwei modernen Stücken des australischen Komponisten Carl Vine (*1954). Für den großen Joseph Haydn (1732–1809) entschied sich Dorsa Saberi aus Obermeiers Klasse. Noch einmal Claude Debussy spielte Leon Müller aus Kayas Klavierklasse auf dem Piano.
Schwungvoller Abschluss
Zum Abschluss trat Christian Kaltchev aus der Klavierklasse von Anna Adamik auf. Mit Johann Sebastian Bachs Toccata in e-Moll sowie Fazil Says “Summertime Variations” rundete er den gelungenen, rund dreistündigen Klaviermarathon schwungvoll ab. HE
Kammermusikalischer Glanz: Ruben Neyer (Klavier), Hanna Konrad (Flöte) und Pia Natter (Oboe) überzeugten mit einem Trio von Friedrich Kuhlau.
Farbenspiel am Klavier: Valeriia Poilova interpretierte György Ligetis Etüde “Arc-en-ciel” mit großer Sensibilität.
Romantische Zwischentöne: Mit zwei “Liedern ohne Worte” von Felix Mendelssohn Bartholdy begeisterte Charlotte Mader das Publikum.
Eigene Klangsprache: Liliana Faragó präsentierte mit “Glas Butterfly” eine feine Eigenkomposition.
Von Schubert zu Grieg: Chiara Polster spannte den Bogen von lyrischer Romantik bis zu lebhafter Klangsprache.
Sonia Craciun, Stefan Negurici und Jonas Streit brillierten mit einem Klaviertrio von Fanny Hensel Mendelssohn.