Ein Jahr der klingenden Gegensätze

Die Chopin-Gesellschaft präsentiert ihr Jahresprogramm 2026 unter dem Motto „Kontraste“.
Schwarzach Unter dem programmatischen Titel „Kontraste“ stellt die Chopin-Gesellschaft Vorarlberg ihr Jahresprogramm 2026 vor und knüpft damit bewusst an jenes Spannungsfeld an, das künstlerische Entwicklung seit jeher befeuert: das Nebeneinander von Vertrautem und Fremdem, von Tradition und Gegenwart, von scheinbaren Gegensätzen, die im Hören plötzlich miteinander zu sprechen beginnen. Verschiedene Klangwelten einander gegenüberzustellen, die Ohren nicht allein im Altbekannten zu verankern, sondern sie für neue Farben, andere ästhetische Horizonte und überraschende Verbindungen zu öffnen, versteht die Chopin-Gesellschaft dabei nicht als didaktisches Konzept, sondern als lebendige Einladung zur Neugier.
Eröffnet wird die Konzertreihe am Sonntag, dem 18. Jänner, um 17 Uhr im Guido-Feger-Saal in Triesen mit einem Neujahrskonzert, das seinem Titel „Farben“ alle Ehre machen dürfte: Das Kollektiv Duo mit Raphael Brunner am Akkordeon und Juan Carlos Díaz Bueno an der Querflöte sowie die Vorarlberger Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn spannen einen Bogen von Henry Purcell über Astor Piazzolla bis zu Adele, ergänzt durch zahlreiche Eigenkompositionen, und versprechen damit einen unkonventionellen Auftakt ins neue Jahr.

Am Sonntag, dem 15. März, um 17 Uhr ist im Pförtnerhaus in Feldkirch mit dem Schweizer Pianisten Jean-Sélim Abdelmoula ein Ausnahmetalent zu erleben, das seine pianistische Brillanz mit kompositorischer Eigenständigkeit verbindet. Unter dem Titel „Gesänge“ begegnen einander im ersten Teil französische Romantik und poetische Innigkeit mit Werken von Gabriel Fauré und Frédéric Chopin, ergänzt durch eine Eigenkomposition Abdelmoulas, ehe im zweiten Teil mit Franz Schuberts großer B-Dur-Sonate eines der zentralen Werke der Klavierliteratur erklingt, eine Feier des liedhaften Klavierspiels, die Innigkeit, Weite und formale Größe in sich vereint.
Einen weiten historischen Atem entfaltet das Orgelkonzert „Sphären“ am Samstag, dem 9. Mai, um 19.30 Uhr in der Kirche St. Sebastian in Feldkirch-Gisingen. Der deutsche Organist Rudolf Müller, künstlerischer Leiter an der Klosterkirche Mariannhill in Würzburg, führt durch vier Jahrhunderte Orgelmusik, von Johann Sebastian Bach über die deutsche und französische Romantik bis hin zu Werken des 20. Jahrhunderts und Kompositionen des zeitgenössischen Schweizer Komponisten Carl Rütti, wobei die Pflüger-Orgel in all ihrer klanglichen Farbigkeit zur Geltung kommen wird.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Ein vertrautes Gesicht kehrt am Sonntag, dem 28. Juni, um 18 Uhr ins Pförtnerhaus Feldkirch zurück: Die amerikanische Pianistin Claire Huangci, seit 2011 Stammgast der Chopin-Gesellschaft und zuletzt im Februar 2025 in Vorarlberg mit dem Symphonieorchester zu hören, widmet ihr Programm „Welten“ dem 250-jährigen Bestehen der Vereinigten Staaten. Trotz – oder gerade angesichts – aktueller politischer Spannungen stellt sie Werke amerikanischer Komponistinnen und Komponisten, gekrönt von der großen Sonate Samuel Barbers, europäischen Positionen von Mozart und Chopin gegenüber und eröffnet so einen musikalischen Dialog zwischen Kontinenten und Traditionen.
Am Sonntag, dem 27. September, um 17 Uhr steht im Pförtnerhaus Feldkirch ein besonderer Abend auf dem Programm: Anna Adamik, Präsidentin der Chopin-Gesellschaft und dem Publikum seit vielen Jahren vertraut, gibt unter dem Titel „Bilder“ erstmals einen reinen Soloabend. Auf dem Programm stehen Werke von Chopin, Claude Debussy und ihrem Landsmann György Kurtág, der 2026 seinen 100. Geburtstag feiert, ehe mit Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ jener farbige Zyklus erklingt, der auch in seiner ursprünglichen Klavierfassung nichts von seiner suggestiven Kraft verloren hat.

Den Abschluss der Saison bildet am Sonntag, dem 8. November, um 17 Uhr in der Villa Falkenhorst in Thüringen das Konzert „Lichter“, das die enge Zusammenarbeit der Chopin-Gesellschaft mit der Villa Falkenhorst und deren gemeinsames Engagement für den musikalischen Nachwuchs unterstreicht. Bereits zum dritten Mal findet die Spotlight-Reihe statt, heuer mit einem Schwerpunkt auf Musik für Bläser und Klavier: Ein Trio in der ungewöhnlichen Besetzung Klarinette, Fagott und Klavier mit Angela Scullion, Julia Gallez und Liliána Faragó, ein Duo mit Katharina Mätzler und Emil Laternser sowie der Solist Nikolaj Krajnc sorgen für einen temperamentvollen Ausklang.