Von einer Pestkapelle zur Lourdeskapelle

Die Kapelle war bis zur Errichtung der Pfarrkirche religiöses Zentrum von Thüringerberg.
Bludenz In der Parzelle Parplons südlich des Ortskerns von Thüringerberg steht auf einer großen, freien Wiese eine kleine Kapelle. In seiner Darstellung über die Kapellen im Walsertal schreibt Gerhard Ganahl, dass bereits im 9. Jahrhundert an dieser Stelle ein Marienkirchlein genannt werde. Tatsächlich wird in einer Urkunde vom 8. Juni 831 von Kaiser Ludwig dem Frommen die Rückgabe von Besitztum an das Kloster Pfäfers bestätigt, darunter auch Gebiete im heutigen Vorarlberg, speziell im Walgau. Explizit erwähnt ist dabei auch “eine Kirche der Hl. Maria mit kleinem Hofe samt Zubehör” in Montiolas (vermutlich Thüringerberg). Ob das genannte Kirchlein genau an dieser Stelle stand, kann nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden, darf aber wegen seiner späteren Bedeutung für die Ortschaft durchaus angenommen werden.

In weiterer Folge findet das kleine Gotteshaus allerdings über mehrere Jahrhunderte in historischen Quellen keine Erwähnung mehr. Erst während des Dreißigjährigen Krieges (1618–48) wird wieder eine Kapelle in Parplons genannt. Sie wurde vermutlich um 1620 errichtet und mit “Maria Trost” bezeichnet, behielt also den Charakter eines Marienheiligtums. Da auch in Thüringerberg die Pest wütete und neben der Kapelle damals sogar drei Pestopfer bestattet wurden, erhielt sie im Laufe der Zeit die Bezeichnung “Pestkapelle”. Noch bis zum Bau einer eigenen Pfarrkirche im Zentrum von Thüringerberg in den Jahren 1781/82 blieb die Kapelle der religiöse Mittelpunkt des Ortes. Immerhin war der Pfarrer von Thüringen verpflichtet, jährlich 32 Messen hier zu halten, was erst mit der Installierung der Pfarre obsolet wurde.
Die kleine Marienkapelle verlor rasch ihre einstige Bedeutung und scheint im Verlauf des 19. Jahrhunderts auch immer mehr verwahrlost zu sein. Jedenfalls wurde im Jahr 1896 auf Initiative von Gemeinderat Gerold Fetzel ganz in der Nähe die heutige Kapelle errichtet, und diese erhielt – einem damals weit verbreiteten Trend folgend – eine Ausstattung als Lourdeskapelle. 1982 erfolgte dann eine umfassende Renovierung des kleinen Gotteshauses.
Die Kapelle hat einen rechteckigen Grundriss, ist gemauert, aber im mittleren Bereich sind die Seitenwände, die auf beiden Seiten zwei Fenster haben, außen mit Holztäfer verkleidet. Gedeckt ist der kleine Bau mit einem Ziegeldach, das im Eingangsbereich etwas vorragt und ein kleines Vorzeichen bildet. Neben dem Eingang, der keine Tür, sondern nur ein schmiedeeisernes Gitter hat, befinden sich dort auch zwei kleine Sitzbänke. Direkt über dem Eingang hängt eine Glocke.
Das Innere der Kapelle ist sehr schlicht gestaltet. Zu beiden Seiten befindet sich unter den Fenstern eine hölzerne Sitzbank. Vor dem Altar steht ein breiter Holzschemel zum Niederknien. Der Altar selbst ist in die Mauer eingelassen, die Ausnehmung, die oben von einem Rundbogen abgeschlossen wird, ist komplett mit der Grotte ausgefüllt und reicht etwa einen Meter in die Tiefe. Im Zentrum steht eine Statue der Muttergottes mit gefalteten Händen. OS