Das St.-Anna-Bild in der gleichnamigen Straße in Bludenz

Heimat / 29.01.2026 • 11:40 Uhr
Die schlichte Kapelle in der St. Anna-Straße (Foto: OS)
Die schlichte Kapelle in der St.-Anna-Straße.Otto Schwald

In der Nähe des Oberen Tores befindet sich seit Jahrhunderten eine Kapelle.

Bludenz Auf dem Weg vom Oberen Tor in Richtung Westen befindet sich an der St.-Anna-Straße eine kleine Kapelle, die fast eher einem Bildstock ähnlich ist. Der nach Norden ausgerichtete kleine Sakralbau wurde in seiner heutigen Form im Jahr 1644 errichtet, allerdings gab es vermutlich einen Vorgängerbau, der sich bereits um 1500 ebenfalls an dieser Stelle befunden haben dürfte. Der Platz ist nämlich eine Art Grenzmarke zwischen dem Hochgericht Sonnenberg und dem Niedergerichtsbezirk der Herrschaft Bludenz. Die Bedeutung als Markierung der Grenze zeigt sich auch darin, dass etwa 1639 der Bischof von Chur anlässlich einer Visitation beim St.-Anna-Bild mit dem “Himmel” abgeholt und in die Stadt geleitet wurde.

Wenig später wurde dann im Jahr 1644 an derselben Stelle eine neue Kapelle errichtet, die sich noch heute dort befindet. Der Anstoß zu diesem Bau und die nötige Finanzierung erfolgten durch keinen Geringeren als den damaligen Untervogt von Bludenz, den kaiserlichen Rat Johann Adam Salomon, und durch seine Frau Ottilia Rudolfin. 1669 übergab der Stifter der Pfarrkirche einen Zinsbrief über jährlich 1 Pfund 10 Schilling zum Erhalt des Annabildes.

Künstlerische sehr wertvoll ist neben den Figuren die Tafel von Johannes Balzer unter der Altarmensa (Foto: OS)
Künstlerisch sehr wertvoll ist neben den Figuren die Tafel von Johannes Balzer unter der Altarmensa .

In der insgesamt sehr kleinen Kapelle befindet sich nordseitig der Altar, vor dem nur eine einzelne Bank Platz findet. Unter der Altarmensa ist eine alte Tafel angebracht, deren Gemälde mit “Sippschaft Christi” beschrieben wird und die am linken und rechten Tafelrand die Namen und Wappen der Stifter zeigt. Das Bild stammt vom wohl berühmtesten Bludenzer Maler des 17. Jahrhunderts, Johannes Balzer, der vom fränkischen Eichstätt nach Bludenz kam, hier 1633 Agnes Stieberin heiratete und bis zu seinem Tod 1668 in Bludenz tätig war.

1882 wurde in der kleinen Kapelle über der Mensa ein neuer Altar aufgestellt, den die Brüder Andreas und Johann Jehly anfertigten. Das Altarbild, geschaffen von ihrem Vetter, dem Bludenzer Maler Anton Jehly, zeigte die Hl. Anna mit Maria und dem Jesuskind, war also eine typische Selbdritt-Darstellung.

Heute präsentiert sich die Kapelle völlig anders als am Ende des 19. Jahrhunderts. Die damalige Ausstattung wurde deutlich abgeändert – möglicherweise die Folge einer größeren Restaurierung im Jahr 1925. Der Altaraufbau weist nun eher in die Zeit des Kapellenbaus, also ins 17. Jahrhundert. Auch das Altarbild hat mit dem von 1882 nichts mehr gemeinsam, es ist nämlich eine Darstellung der Hl. Anna mit Josef und Maria. In dieselbe Zeit verweisen auch die Holzfiguren zu beiden Seiten der schlichten Predella, die vom Stil her wohl aus der Werkstatt des Tiroler Bildhauers Michael Lechleitner stammen, der auch in Vorarlberg zahlreiche Werke hinterlassen hat. Wer hier dargestellt ist, lässt sich zweifelsfrei sagen: Die weibliche Figur stellt die Hl. Anna dar, die männliche den Hl. Joachim.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts unterzog man die Kapelle zwei weiteren Renovierungen, eine 1941 und die bislang letzte im Jahr 1994 anlässlich des 350. Jahrestags der Erbauung dieses kleinen Sakralbaus. OS