Die Fabrik der Familie Schatzmann: Von Knochen zu Leim und Dünger

Schatzmann prägte Rankweil als industriellen und landwirtschaftlichen Betrieb.
Rankweil An der Stelle, wo Nafla und Mühlbach zusammenfließen und gemeinsam den Ehbach bilden, entstand 1881 ein industrielles Ensemble, das Rankweil lange prägte. Albert Schatzmann errichtete zunächst eine Knochenstampfe, gefolgt von einer Leim- und Kunstdüngerfabrik im Jahr 1882. Aufgrund der starken Geruchsentwicklung befand sich die Anlage weit entfernt von bewohnten Zonen, was den Nachbarn zugutekam. Industrielle Tätigkeit hatte in der Familie bereits Tradition: Albert Schatzmanns Vater Andreas betrieb eine Seifen- und Kerzenfabrik in Feldkirch-Felsenau und war Teilhaber an einer Metallwarenfabrik in Nenzing. 1869 hatte er zudem eine Leimsiederei in Brederis übernommen, die damals nur saisonal betrieben wurde und nach seinem frühen Tod an die minderjährigen Kinder überging.

Knochenfett und Knochenmehl
Die neue Fabrik bestand aus zwei Hauptgebäuden und mehreren Nebengebäuden. Hier wurden täglich große Mengen Knochen zu Leim verarbeitet, zudem fielen Knochenfett und Knochenmehl an, das innerhalb der Monarchie vertrieben wurde. Der hergestellte säurefreie Leim war für die Textilveredelung von großer Bedeutung. Parallel zum industriellen Betrieb entwickelte die Familie auf dem weitläufigen Anwesen auch Landwirtschaft: Rinder-, Schaf- und Pferdezucht ergänzten die Produktion und unterstrichen den autarken Charakter der Anlage. Während die Villa der Familie erst um 1920 auf der gegenüberliegenden Straßenseite bezogen wurde, erleichterte die Errichtung eines Arbeiterwohnhauses ab etwa 1900 den Beschäftigten den Weg zur Fabrik. Der Transport von Waren vom Bahnhof Rankweil zur Fabrik gestaltete sich aufgrund des unwegsamen Weges lange Zeit schwierig, was regelmäßig Beschwerden des Firmenbesitzers nach sich zog.

Brand und Explosion
Trotz Rückschlägen wie einem Brand 1908 und der Explosion eines Leimsiedekessels 1930 setzte das Unternehmen seine Entwicklung fort. Laufende bauliche Erweiterungen und Investitionen in die Energieversorgung, insbesondere der Einbau einer Francis-Zwillingsturbine, ermöglichten schließlich die autarke Stromversorgung des gesamten Areals. Das Unternehmen blieb über Generationen in Familienhand und entwickelte sich kontinuierlich weiter. Erst Anfang der 1970er-Jahre wurde die Produktion eingestellt, die umfangreiche Landwirtschaft verpachtet und die Hallen an verschiedene Gewerbebetriebe vermietet. Das Arbeiterwohnhaus diente weiterhin als Unterkunft für die nächste Familiengeneration, während die Villa mit dem umliegenden Park von einer Tochter Albert Schatzmanns bewohnt wurde. Die Geschichte der Fabrik zeigt die enge Verzahnung von Industrie, Landwirtschaft und Familienunternehmen in Rankweil. Abseits der zentralen Ortslagen entstand hier ein funktionierendes Mikroökosystem, das jahrzehntelang Arbeitsplätze sicherte, Innovationen in der Produktion brachte und die wirtschaftliche Struktur des Ortes prägte. Die erhaltenen Gebäude, darunter das Arbeiterwohnhaus und die Fabrikareale, erinnern heute noch an diese Epoche industrieller Selbstständigkeit und unternehmerischen Pioniergeists.