Erzählcafé zur Bludenzer Kaffeehaus-Szene

Heimat / 17.03.2026 • 14:38 Uhr
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Die Besucher lauschten dem interessanten Vortrag. Verena Maier

Einst gab es im Städtle sogar typische Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre.

Bludenz Kürzlich lud der Geschichtsverein Region Bludenz zu einem Erzählcafé in das neue Café Ahna & Ähne in der Mühlgasse. Obmann Stefan Stachniß konnte knapp 50 Besucher in diesen traditionsbehafteten Räumlichkeiten des ältesten noch geöffneten Cafés in Bludenz begrüßen. Das ehemalige Café Fritz eignet sich zwar mit seinem verwinkelten Grundriss nicht für bildunterstützte Vorträge, aber das Interesse am Thema war dennoch außerordentlich groß.

Das
Das “Ahna & Ähne” platzte aus allen Nähten. GV Bludenz

Entwickliung der Kaffeehäuser

Als Kompensation für die fehlende Bilderschau legte Moderator Otto Schwald kleine Folder mit alten Aufnahmen der diversen Bludenzer Cafés auf. Zunächst referierte er kurz über die Entwicklung der Kaffeehäuser in Bludenz, deren Geschichte doch über 150 Jahre zurückreicht. Das erste Café in der Innenstadt war das 1871 von Johann Struller eröffnete Café Struller, später Café Rathaus im Haus neben der Bäckerei Fuchs. Noch vor der Jahrhundertwende folgte mit dem Café Eberle in der Werdenbergerstraße ein zweites. Das 1929 von der Familie Fritz im Amtsgebäude eröffnete Café Fritz brachte schließlich endgültig Wiener Flair nach Bludenz. Anlässlich der Eröffnung überschlug sich der “Anzeiger” mit Superlativen, sprach von einer “fast ans Märchenhafte” grenzenden Ausstattung, die von den Tischfüßen über gepolsterte Sessel bis hin zu Vorhängen und Beleuchtung “ein harmonisches Ganzes” ergäben.

Kaffeegenuss und schöne Erinnerungen (Foto GV)
Kaffeegenuss und schöne Erinnerungen gab es beim Erzählcafé.GV bludenz

Nach diesem kurzen historischen Rückblick hatten die Gäste das Wort. In zahlreichen Wortmeldungen hielt man persönliche Rückschau, unter anderem wurde darüber berichtet, wie verpönt es für junge Frauen war, allein ins Café zu gehen, und wie junge Burschen mit langen Haaren in den 1960ern nicht bedient wurden. Allgemein war der Tenor, dass Kaffeehaus-Besuche sehr selten waren, oft nur an Sonntagen oder bei diversen festlichen Anlässen, und damit in der Erinnerung für viele einfach etwas ganz Besonderes darstellten.

Mit einigem Bedauern wurde auch festgestellt, dass die Kaffeehaus-Landschaft in Bludenz durch die Vielzahl von in Bäckereien aufgestellten Tischen mit Konsumationsmöglichkeit ihren ursprünglichen Charakter verloren hat. Umso erfreulicher ist es, dass derzeit mit Ahna & Ähne (ehemals Fritz) und La Café (ehemals Fenkart) frischer Wind in das traditionelle Café-Leben kommt. OS