„Die Treffen geben mir Kraft“ – Unterstützung für Alleinerziehende

VN / 13.03.2026 • 20:30 Uhr
„Die Treffen geben mir Kraft“ – Unterstützung für Alleinerziehende
Sandra Hermes (li.) mit anderen alleinerziehenden Müttern und deren Kindern bei den monatlichen Treffen. VN/Rhomberg

Sandra Hermes weiß, wie schwer es als Alleinerziehende ist und hat einen besonderen Ort für Betroffene geschaffen.

Darum geht’s:

  • Sandra Hermes ist selbst alleinerziehend und Projektleiterin der „Plattform für Alleinerziehende“.
  • Plattform bietet Unterstützung und Vernetzung.
  • ALZ-Cafés ermöglichen Austausch unter Gleichgesinnten.

Dornbirn „Das Schwerste ist, immer stark sein und funktionieren zu müssen. Kranksein kann man sich nicht leisten, das ist keine Option“, beschreibt Sandra Hermes die Situation von Alleinerziehenden. Sie selbst zieht ihre zwei Kinder großteils allein auf und ist Projektleiterin der „Plattform für Alleinerziehende“. „In diesem Netzwerk unterstützen wir uns gegenseitig. Es ist wie eine Familie.“

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Vielfältige Unterstützung

Hermes ist seit sechs Jahren alleinerziehend. „Das erste halbe Jahr war sehr holprig, es war eine große Umstellung für alle Beteiligten“, erinnert sich die 45-jährige Dornbirnerin zurück. In Vorarlberg sei es noch immer stigmatisierend. „Aufgrund meiner veränderten Lebenssituation sind damals Freundschaften zerbrochen und ich habe immer wieder herausfordernde Kommentare zu hören bekommen.“ Zum Beispiel: So oft gibst du deine Kinder in eine Betreuung? „Als hätte ich nicht ohnehin schon ein schlechtes Gewissen gehabt.“ Sie fühlte sich manchmal als Rabenmutter.

„Die Treffen geben mir Kraft“ – Unterstützung für Alleinerziehende
Sandra Hermes ist Projektleiterin der „Plattform für Alleinerziehende“. VN/Rhomberg

Die selbstständige Webdesignerin begann in dieser Zeit, Blogbeiträge für das Projekt „Plattform für Alleinerziehende“ des Vorarlberger Familienverbandes zu schreiben, und engagierte sich in weiterer Folge für den Ausbau des Angebots. Heute werden Alleinerziehende im Rahmen des Projekts auch über passende Anlaufstellen zu den Themen Finanzen, Beratung und Recht informiert. Außerdem kann man einer WhatsApp-Gruppe mit über 200 Personen beitreten, in der sich die Eltern gegenseitig helfen. Für den persönlichen Austausch wurde vor drei Jahren das Alleinerzieher-Café (ALZ-Café) ins Leben gerufen.

„Die Treffen geben mir Kraft“ – Unterstützung für Alleinerziehende
Die Mutter Franziska Staubmann (30) aus Klaus ist Besucherin des ALZ-Cafés. VN/Rhomberg
„Die Treffen geben mir Kraft“ – Unterstützung für Alleinerziehende
In einer WhatsApp-Gruppe mit über 200 Personen helfen sich die Eltern gegenseitig. VN/Rhomberg

ALZ-Cafés

Trotz individueller Situationen sind die Themen der Alleinerziehenden immer dieselben. Zum Beispiel: Mein Ex-Mann zahlt nicht, was kann ich tun? Wo bekomme ich einen guten Anwalt? Wie überlebe ich es, wenn die Kinder über Weihnachten beim Vater sind? Trotz einer klaren Frauenmehrheit gibt es aber auch ein paar Männer, die die Projektangebote in Anspruch nehmen. „Ich finde es toll, dass wir mittlerweile auch ein paar alleinerziehende Papas in der Gruppe haben – das ist eine Bereicherung“, sagt die Mutter eines Sohnes Julia Wudler (39) aus Wolfurt, die von Anfang an das ALZ-Café besucht.

„Die Treffen geben mir Kraft“ – Unterstützung für Alleinerziehende
Julia Wudler war bereits bei den ersten ALZ-Café-Treffen dabei. VN/Rhomberg

Die ALZ-Cafés in Bludenz, Dornbirn, Egg und Hard finden jeweils einmal im Monat statt. Sandra Hermes ist für den Standort Dornbirn zuständig, wo sich oft bis zu zwanzig Erwachsene mit ihren Kindern zusammenfinden. Während die Kleinen mit dem vorhandenen Spielzeug beschäftigt sind, unterhalten sich die Erwachsenen. „Bei den Treffen ist immer etwas Magie dabei, weil man unter Gleichgesinnten ist, sich also verstanden und weniger allein fühlt“, beschreibt Hermes. „Man braucht nicht immer einen Therapeuten. Manchmal braucht man einfach nur jemanden zum Austauschen.“

„Die Treffen geben mir Kraft“ – Unterstützung für Alleinerziehende
Im ALZ-Café entstehen Verbindungen, die über die monatlichen Treffen hinausgehen. Hier: Sandra Hermes und Julia Wudler mit ihrem Sohn. VN/Rhomberg

Für die alleinerziehende Mutter Selina Pertschi (45) aus Dornbirn ist es wichtig, dass ihr Einzelkind hier mit anderen Kindern spielen kann. Aber auch für sie selbst ist es eine Bereicherung: „Die Treffen geben mir Kraft.“ Für sie und manch andere geht der Kontakt über die ALZ-Cafés hinaus: „Man trifft und hilft sich auch außerhalb davon.“

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Die alleinerziehende Mutter Selina Pertschi mit ihrem Sohn im ALZ-Café. VN/Rhomberg

Andere unterstützen

Rund die Hälfte der in das Projekt investierten Stunden leiste Hermes auf ehrenamtlicher Basis. „Es ist mir wichtig, andere Alleinerziehende zu unterstützen.“ Auch wenn es sich für sie oft nicht so anfühlt, ist ihr bewusst, dass sie eigentlich ein Glücksfall ist. „Ich bin meine eigene Chefin, also zeitlich flexibel, bekomme Unterstützung von Familie und Freunden und erhalte die Alimente pünktlich. Eine Seltenheit.“

„Die Treffen geben mir Kraft“ – Unterstützung für Alleinerziehende
Etwa die Hälfte der für das Projekt aufgewendeten Stunden erbringt Sandra Hermes auf ehrenamtlicher Basis. VN/Rhomberg

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