Versus zeigt: Warum Streitkultur heute wichtiger denn je ist

In der Silvretta Montafon wird das “Dazwischen” zur Bühne von vielen Promis.
Gaschurn Das Versus Festival hat auch heuer eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll echte Auseinandersetzung geworden ist. In einer Zeit, in der viele Debatten in klaren Gegensätzen verlaufen und oft schneller bewertet als verstanden wird, setzt das Format bewusst auf das Dazwischen. Genau dort entstehen neue Perspektiven – und Gespräche, die länger nachwirken als ein vorschnelles Urteil.

Seit vier Jahren wird Versus von Verena Eugster und Patricia Zupan Eugster (beide w3 create), Florian Wassel (TOWA) sowie Gerhard Burtscher (BTV) organisiert. Der Veranstaltungsort ist dabei mehr als nur Kulisse: Auf über 2000 Metern in der Silvretta Montafon entsteht eine besondere Atmosphäre, die Offenheit fördert. Abseits des Alltags wird direkter gesprochen, persönlicher zugehört und schneller auf Augenhöhe diskutiert. Das “Du” ist hier kein Stilmittel, sondern gelebter Zugang.

Inhaltlich widmet sich das Festival den Spannungsfeldern unserer Zeit. Diskutiert wurden Krieg und Frieden, Künstliche Intelligenz und Mensch, Identität und Migration, Story und Fakten, Regeln und Freiheit, Sünde und Sitte, Authentizität und Inszenierung sowie Kapitalismus und Gerechtigkeit.

Für diese Spannungsfelder sorgten zahlreiche namhafte Stimmen: Kriegsreporter Paul Ronzheimer (Bild) und Geopolitik-Expertin Velina Tchakarova diskutierten zu Krieg und Frieden. Anthropologin Bettina Ludwig und Gernot Blümel, Managing Director Mare KI und ehemaliger Finanzminister, widmeten sich dem Verhältnis von Mensch und Maschine. Über Identität und Migration sprachen Ewa Ernst-Dziedzic und Laura Sachslehner, Chefredakteurin von express.
Mariana Kühnel, Vorständin der FMA, und Ingrid Krawarik, Chefredakteurin des Börsianer, beleuchteten den Spannungsbogen zwischen Story und Fakten. Maximilian Lehner (IMA Schelling) und Universitätsprofessor Leonhard Dobusch diskutierten über Regeln und Freiheit. Pater Martin Probst, Propst des Stift St. Gerold, traf auf Kristina Marlen, die als Sexarbeiterin über Sünde und Sitte sprach.

Auch Fragen rund um Inszenierung und Echtheit wurden verhandelt: Elke Rock, ehemalige Ö3-Moderatorin und Unternehmerin (Rockstar Coaching), diskutierte mit Elisabeth Köstinger, ehemalige Ministerin und Unternehmerin. Den wirtschaftspolitischen Abschluss bildeten Unternehmer Stephan Zöchling und die grüne Nationalratsabgeordnete Nina Tomaselli zum Thema Kapitalismus und Gerechtigkeit.
Im Publikum zeigte sich eine ebenso breite Mischung an Persönlichkeiten, die gezielt den Austausch suchten. Unter den Gästen waren unter anderem Michael Köb und Gerhard Gassner (Doppelmayr), Elmar Hartmann (Industriellenvereinigung), Martin Sinz (Sima), Oliver Freudenschuss (Generali), Hubert Rhomberg (Rhomberg Bau), Bernhard Ölz (Ölz Bäckerei), Johannes Collini (Collini), Günther Lehner (Alpla), Carina Pollhammer (Spar) sowie Christoph Wellenzohn (A1). Insgesamt nahmen rund 200 Gäste teil.
Für Mitinitiatorin Verena Eugster liegt genau darin der Kern des Festivals: “Wir erleben immer öfter, dass Diskussionen sehr schnell in Lager kippen. Unser Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem man Widerspruch aushält und Unterschiede nicht sofort auflösen muss. Gerade in diesen Spannungen entstehen oft die spannendsten Gedanken”, sagte sie.
Versus versteht sich damit nicht als klassisches Event, sondern als Denkraum. Ein Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander gedacht werden. In einer zunehmend polarisierten Welt trifft dieser Ansatz einen Nerv – und gewinnt spürbar an Relevanz. VN-TK





