St.-Anna-Kapelle in Bings

Heimat / 06.05.2026 • 16:44 Uhr
St.-Anna-Kapelle in Bings

Die kleine Kapelle beim ehemaligen Gasthof Sonne gibt viele Rätsel auf.

Bludenz Im Bludenzer Ortsteil Bings befindet sich in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Gasthofs Sonne an der alten Bundesstraße 1 eine kleine, fast unscheinbare Kapelle. Diese hat einen rechteckigen Grundriss, die Wände sind gemauert und haben keine Fenster. Auf dem mit Lärchenschindeln gedeckten Satteldach befindet sich ein Dachreiter mit einem geschindelten Pyramidendach. Darunter befindet sich eine kleine Glocke, die wohl in früheren Zeiten den Arbeitern des nahe gelegenen Gipswerks den Tagesablauf vorgab.

Der schlichte Altar mit Bild von Anna und Maria dürfte aus dem späten 19. Jahrhundert stammen (Foto OS)
Der schlichte Altar mit Bild von Anna und Maria dürfte aus dem späten 19. Jahrhundert stammen (Foto OS)

Die Geschichte des kleinen Gotteshauses liegt größtenteils im Dunkeln. Das betrifft schon einmal die Zeit der Erbauung. Man ist dabei auf Vermutungen angewiesen, die sich aber aus einigen Fakten ableiten lassen. Was als sicher angesehen werden kann, ist die Tatsache, dass sich die Kapelle seit jeher im Privatbesitz der Betreiber des Gasthauses Sonne befand, von denen sie wohl auch erbaut wurde. Das Gasthaus selbst bestand schon im 17. Jahrhundert und war vor allem im Hinblick auf den Verkehr über den Arlberg wichtig. Hier gab es nämlich Stallungen für den Pferdewechsel. Möglicherweise suchten Reisende hier aber auch himmlischen Beistand für die gefährliche Reise über den Arlbergpass.

Wann die Kapelle jedoch genau errichtet wurde, ist mangels entsprechender Quellen nicht eruierbar. Da sie allerdings auf dem Franziszeischen Kataster des frühen 19. Jahrhunderts bereits verzeichnet ist, ist eine Errichtung zumindest im 18. Jahrhundert anzunehmen. Sie dürfte jedoch sogar noch deutlich älter sein und eventuell bis ins Mittelalter zurückreichen.

Anna Selbdritt-Statue über dem Eingang
Anna-Selbdritt-Statue über dem Eingang

Auf eine mittelalterliche Entstehung deutet der ursprüngliche Patron des kleinen Gotteshauses hin, der hl. Sebastian, der bedeutendste Pestheilige in der Region. Der Hinweis auf diesen ist heute nicht mehr ersichtlich, denn seine Statue, die sich einst auf einem kleinen Sims an der Nordseite befand, wurde in den 1970er-Jahren von Dieben entwendet.

Hinweise auf die hl. Anna gibt es zwei: Der erste findet sich in einer schlichten, künstlerisch wenig hochwertigen Statue in einer Nische über dem südseitigen Eingang. Die Selbdritt-Darstellung zeigt Maria, die Trauben in Richtung des Jesuskindes hebt, ein Symbol für die Eucharistie. Im Inneren gibt das Altarbild einen zweiten Hinweis auf die Heilige, die hier mit der Jungfrau Maria dargestellt wird, was in der Gloriole auch verschriftlicht ist. Auf der Mensa des schlichten Holzaltars, der an der Front mit einer dekorativen Säulenoptik verziert ist, steht der graugrüne Altaraufsatz, der aufgrund seines neugotischen Stils wohl in das späte 19. Jahrhundert datiert werden kann. Das zentrale Bild wird flankiert von zwei säulenartigen Pilastern. Darüber befindet sich ein dreieckiger Giebelaufsatz, dessen rötliche Fläche reichlich mit goldener Rankenornamentik verziert ist.

Vor dem Altar stehen drei Figuren auf der Mensa: Links ein gegeißelter Christus, eine Ecce-homo-Darstellung, direkt davor eine kleine Statue des hl. Antonius von Padua mit einem Kind im Arm. Rechts befindet sich noch eine Herz-Jesu-Figur mit flammendem Herz. OS