Anstöße zur Beschäftigung mit Freiheit

Sonderausstellung “Kerker, Ketten und ein Hauch von Freiheit” im Schattenburgmuseum.
Feldkirch “Wir werden als Säugetiere geboren und haben die Freiheit, Menschen zu werden”. Diese Feststellung traf Philosoph Hans Gruber bei der Eröffnung der aktuellen Sonderausstellung in der Schatzkammer der Feldkircher Schattenburg. Das sehr weit gespannte Thema Freiheit wählte der Vorstand des Heimatpflege- und Museumsvereins Feldkirch rund um Obmann Martin Caldonazzi deswegen, weil sich die Ausstellung des Feldkircher Freiheitsbriefs durch Graf Rudolf V. von Montfort heuer zum 650. Mal jährt.

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Die BesucherInnen der Ausstellung bekommen nicht nur viele interessante Informationen, sondern auch einen kleinen Hochglanzzettel für den persönlichen Gebrauch mit auf den Weg. Auf dessen Vorderseite finden sich ein Bild der Schattenburg und die Einladung, die mittelalterliche Burg hautnah zu erleben. Auf der anderen folgende Fragen: “In welchen Momenten meines Lebens erlebe ich mich frei?”, “Wer oder was hindert mich, frei zu sein?”, “Wovon habe ich mich befreit?”, “Oder bin ich ein Gefangener meiner selbst?”.

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An sieben Tagen zwischen dem 20. Juni dieses und dem 12. Februar nächsten Jahres gibt es Themenführungen durch die Sonderausstellung. Dazu als besondere Ergänzungen die Vorträge von Hans Gruber (“Frei-Wahr-Sinn” am 18.5.), dem Philosophen, Psycho- und Lehrtherapeuten Martin Poltrum (“Freiheit & Existenz” am 30.7.) und dem Autor sowie ehemaligen Landesgerichtspräsidenten Alfons Dür (“Die Gefängnisse von Feldkirch” am 17.9.).

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Im Lauf seiner Begrüßung würdigte Vereinsobmann Caldonazzi die Menschen, die an der Ausstellung mitgearbeitet haben, nicht zuletzt den für technische Belange verantwortlichen Vizeobmann Gerhard Beer und das Team der Kassa. Weiters sei es immer “eine ganz, ganz große Freude, mit Hans Gruber zusammenzuarbeiten”. Beim ersten Treffen seien die beiden eineinhalb Stunden ins Philosophieren gekommen, bevor sie sich der Konzeption der Sonderausstellung zuwandten.

Eine wichtige Rolle hätten auch Grubers Frau Sabine und Caldonazzis Partnerin Lydia Romanos Hofer gespielt. Die als Lektorinnen angeführten Damen mussten dem Obmann zufolge “immer wieder hinterfragen, was wir zwei kreieren”. Gruber und Dür haben durch das Beisteuern von Texten eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Ausstellung gespielt. Für Szenografie und Gestaltung war Grafiker Caldonazzi zuständig. Michaela Doppelbauer (Leitung Kassa, Veranstaltungen, PR) hatte eine gute Idee: Weil Freiheit auch eine freie Sicht braucht, werden an der Kasse auch Brillenputztücher verkauft.

In seinen Ausführungen zum thematischen Bogen der Ausstellung ging Hans Gruber auf den Unterschied zwischen der im Mittelalter üblichen “Freiheit von” (Be- und Einschränkungen) und der “Freiheit zu” in der Moderne ein. Damit zusammen hängt die Konzentration auf das Verbrechen in früheren Zeiten und die spätere Konzentration auf den Verbrecher in später. Während Freiheiten im Mittelalter ein Privileg waren, kam mit dem Humanismus die Idee von der Freiheit als etwas Allgemeinem auf, das jede(n) betrifft.

Freiheit ist nicht nur Gruber zufolge eine Grundbedingung für ein gutes Leben, aber nicht die einzige. Um wirklich frei zu werden, müsse man sich einerseits durch Bildung und Kultur erst dazu befähigen. Andererseits könne der Mensch durch das sich Lösen von Egoismen existenziell frei werden.
Alfons Dür berichtete von den verschiedenen Gefängnissen, die es im Lauf der Jahrhunderte in Feldkirch gab, und ging auf sehr interessante Aspekte der Einrichtungen ein. Er selbst machte entsprechend der damals geltenden Strafprozessordnung fünfzehn Jahre lang fast immer wöchentlich die “Hausvisite”, bei der die Gefangenen ihre Anliegen und Beschwerden vortragen konnten. AME





