Ein großer Wälder wird originell präsentiert

Für Jürgen Beer war die Eröffnung der Ausstellung Franz Beer ein spezielles Erlebnis.
Bezau Volles Haus bei der Eröffnung der Sonderausstellung Franz Beer von Bleichten im Bezauer Museum. Und unter den Besuchern ein Gast, der besonders aufmerksam zuhörte und sich brennend für ein Porträt des berühmten Barockbaumeisters interessierte. Verständlich, ist doch Jürgen Beer ein direkter Nachfahre des Mannes, dem die Ausstellung gewidmet ist.

Schon 2019 thematisiert
Das Porträt des genialen Baumeisters ist Teil der Ausstellung. Peter Fink hat das Leben und das umfangreiche Werk von Franz Beer aufgelistet. Schon anlässlich der zehnten Handwerksausstellung 2019 hat Fink seine Recherchen auf Schautafeln verarbeitet und daraus auch einen informativen Flyer entwickelt.

Der 300. Todestag (21. Jänner 1726) von Franz Beer war jetzt Anlass, diese Recherchen in die Ausstellung einzubringen. Zur Eröffnung referierte Fink ausführlich über den “Wälder”, den nicht nur Bezau (dort hat er längere Zeit gelebt, wurde dort begraben und hat sich auch als einer der Stifter der ersten Schule in Bezau einen Namen gemacht), sondern auch Au (dort wurde er am 1. April 1660 geboren und war mit der Auer Zunft eng vernetzt), für sich reklamiert. Für einige Jahre war auch Andelsbuch sein Wohnort. Und da wäre auch noch Mellau, in dessen Gemeindegebiet die Alpe Bleichten liegt, die Beer 1717 erworben hat. Kaiser Karl VI. erhob ihn als “Edler von Bleichten” in den Adelsstand.

Genug Material für zwei Museen
Natürlich werde sich auch das Barockbaumeistermuseum in Au dem berühmten Heimatsohn widmen, kündigte die Auer Museumsleiterin Bernadette Rüscher bei der Ausstellungseröffnung in Bezau an. Dass es deswegen zu Überschneidungen oder gar Unstimmigkeiten kommen könnte, glaubt auch Rüschers Kollegin Theresia Fröwis nicht, schließlich habe Franz Beer ein umfangreiches Schaffen hinterlassen, sodass daraus immer wieder neue Aspekte herausgearbeitet werden können. Genug für mehr als zwei Museen.
Franz Beer von Bleichten gilt nicht nur als der produktivste der berühmten Barockbaumeister aus dem Bregenzerwald, sein Ruf als begnadeter Baumeister öffnete ihm auch Türen zum sozialen Aufstieg. Nach dem Tod seiner Frau Katharina verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt mehr und mehr nach Konstanz, wo er 1717 Mitglied des Großen Rates, fünf Jahre später des inneren Rates wurde.

Verpackungskartons statt Leinwand
Was diesbezüglich möglich ist, zeigte Ernst Steininger auf: der künstlerische Tausendsassa, der nicht nur mit Steinen oder Schwemmholz aus der Bregenzerach arbeitet, sondern auch leidenschaftlich zeichnet und malt, hat die Franz-Beer-Ausstellung auf seine Weise illustriert: mit Porträts von Franz Beer (Steininger: “Da sieht er so aus, wie ich ihn mir vorgestellt habe.”) und dessen Zeitgenossen, und auch die von Beer gebauten Kirchen oder Klöster sind zeichnerisch dokumentiert – und das alles nicht auf Leinwand oder Papier, sondern auf Verpackungskartons.

Um seine Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen, fertigte er für die Ausstellung auch noch zwei Papiermaschee-Köpfe als interessante Ergänzung seiner Bildergalerie.

Bilder sind zu haben
“Die Bilder”, so Museumsleiterin Theresia Fröwis, “können nach der Ausstellung, die noch bis 4. Mai dauert, erworben werden – schon am Eröffnungstag ließen sich Besucher Bilder reservieren. Einige werden wir auch dauerhaft im Museum präsentieren”.
Eines dieser Bilder wird künftig im Haus von Jürgen Beer hängen, denn “ich bin in vierzehnter Generation direkter Nachfahre von Franz Beer”, meint er beim Betrachten des Porträts, das er sich “selbstverständlich” reservieren ließ. STP