Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins

Heimat / 22.05.2026 • 13:50 Uhr
Obmann Stefan Stachniß mit dem neuen Ehrenmitglied Andreas Rudigier sowie Daniela Beck vom Kulturamt und Stadtrat Cenk Dogan (Foto OS)
Obmann Stefan Stachniß mit dem neuen Ehrenmitglied Andreas Rudigier sowie Daniela Beck vom Kulturamt und Stadtrat Cenk Dogan.Otto Schwald

Dr. Andreas Rudigier wurde als Ehrenmitglied ausgezeichnet

Bludenz Die kürzlich im “Gasthaus Stern” abgehaltene Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins Region Bludenz stand neben dem offiziellen Teil im Zeichen des Erinnerns an die Zeit des Nationalsozialismus.

Niko Hofinger bei der Vorstellung des Buchs von Józef Wiśnicki in der Gärtnerei Schallert (Foto OS)
Niko Hofinger bei der Vorstellung des Buchs von Józef Wiśnicki in der Gärtnerei Schallert.

Bereits vor der Versammlung wurde am BG Bludenz eine Ausstellung eröffnet, die unter dem Motto “Darüber sprechen” steht. Bei dieser Wanderausstellung kommen Menschen zu Wort, die darüber berichten, wie sie die Terrorherrschaft der Nazis erlebt bzw. überlebt haben. Auch wenn der als Gast angekündigte Zeitzeuge Uri Strauß sein Kommen gesundheitsbedingt absagen musste, bekamen die Schüler der Wahlpflichtfächer Geschichte und Philosophie Einblicke in diese für viele Menschen dramatischen Zeiten – zumindest aus zweiter Hand. Olga Pircher erzählte vom Schicksal ihres Vaters, der als strikter Gegner des NS-Regimes zum Widerstandskämpfer wurde und dafür in den KZs Mauthausen und Dachau interniert war, Krieg und Verfolgung aber überlebte.

Olga Pircher erzählte vom Schickal ihres Vaters im Konzentrationslager(Foto GV)
Olga Pircher erzählte vom Schicksal ihres Vaters im Konzentrationslager (Foto GV)

Als zweiter Programmpunkt im Vorfeld der JHV stand ein Besuch in der Gärtnerei Schallert auf dem Programm. Im Rahmen von “Stadtgeschichte Mobil” wird dort in einer kleinen Schau an das außergewöhnliche Leben von Józef Wiśnicki erinnert. Der polnische Jude kam unter abenteuerlichen Umständen nach Bludenz, wo er 1943 mit falscher Identität in der Gärtnerei, damals noch Schaub, eine Anstellung bekam. Obwohl er kurz vor Ende des Krieges verhaftet wurde, überlebte er letztlich den Holocaust und emigrierte später nach Amerika. Seine Lebenserinnerungen, in der Gärtnerei vorgestellt von Niko Hofinger, erschienen kürzlich in deutscher Übersetzung im Innsbrucker Tyrolia Verlag.

Bei der eigentlichen Versammlung hielt Obmann Stefan Stachniß vor etwa 30 Besuchern Rückschau auf das zurückliegende Vereinsjahr, in dem der Geschichtsverein zusammen mit seinen regionalen Partnervereinen 50 Veranstaltungen, 24 allein in Bludenz, (mit)organisiert hat. Nach der Entlastung des Vorstands standen Neuwahlen auf dem Programm, die an der Spitze des Vereins nur unwesentliche Veränderungen brachten: Stefan Stachniß wurde als Obmann bestätigt, das Amt des Schriftführers bekleidet weiterhin Otto Schwald, nur das Amt des Kassiers musste nach dem Ausscheiden von Birgit Sprenger mit Julian Bitsche neu besetzt werden.

In weiterer Folge richtete der Obmann seinen Blick auf das kommende Vereinsjahr, in dem er wieder mehrere Vorträge, Erzählcafés und Ausstellungen im Rahmen des Stadtlabors im Würbel-Areal in Aussicht stellte. Auch sollen wieder drei Mitteilungen mit Informationen zum Programm und natürlich weitere Nummern der Bludenzer Geschichtsblätter erscheinen.

Der ehemalige Obmann Andreas Rudigier wurde im Rahmen der JHV zum Ehrenmitglied ernannt, wobei Laudator Manfred Tschaikner an dessen engagiertes Eintreten für den Verein erinnerte, als dieser 2001 schon vor der Auflösung stand. Zum Abschluss dankte Stadtrat Cenk Dogan dem Vereinsvorstand im Namen der Stadt für die geleistete Arbeit und versprach auch weiterhin, die wichtige historische Tätigkeit des Vereins seitens der Stadt tatkräftig zu unterstützen. OS