Im ewig Vergänglichen geborgen

Mahnendes und Tröstendes von Panart bis Skulptur in der alten evangelischen Kirche.
Feldkirch Eine aufrüttelnde Ausstellung an einem stillen Kraftort mitten im Zentrum: Nur noch zwei Tage ist die Ausstellung von Matthias Masu Baumgartner und Stefan Kresser in der Alten Evangelischen Pfarrkirche in der Wichnergasse zu sehen.
Schatten der Weltpolitik
Die beiden Künstler können sich den aktuellen Schwingungen dieser Welt nicht entziehen. Die Exponate spiegeln das Weltgeschehen wider und regen zugleich an, innezuhalten, wofür sich der schlichte Kirchenraum abseits des hektischen Treibens bestens eignet. Baumgartner und Kresser halten sich die Hand vor ihr Gesicht und mahnen damit, die Augen vor dem aktuellen Zeitgeschehen nicht zu verschließen. Ebenso wurden die Außenbilder ganz bewusst mit schwarzen Leinwänden bedeckt. Die ausgestellten Kunstwerke sollen zugleich Mahnmal sein und auch Trost spenden.

Masus beide großen Bilder an der Stirnseite stehen für die letzte Reise des Menschen, wenn die Seelen ins Licht hinaufsteigen. Unter “Jesus” in hebräischer Schrift heißt es: “Ego sum via, veritas et vita – Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.”
Der seit 1966 in Vorarlberg lebende Panartkünstler Matthias Masu Baumgartner feierte heuer seinen achtzigsten Geburtstag, in Frastanz steht das “Bilderhaus” in Bodenwald für sein vielseitiges Schaffen. Vom Alten Evangelischen Friedhof nahe dem Bahnhof Feldkirch schweift der Blick über begrünte Dächer zum Weinbau am Ardetzenberg hinauf und erzeugt so eine friedliche Stimmung, die in den Kunstwerken aufgegriffen wird.
Die Reben des Weinbergs sind ein biblisches Sinnbild, der Weinstock steht für Jesus Christus und die Reben für seine Nachfolger, gleichzeitig symbolisch für alle Pflanzen und die Gaben der Schöpfung. Ein Fisch und ein Vogel stehen für alle Tiere der Erde. Der Weinkelch verkörpert die Gemeinschaft, drei Sonnen den Heiligen Geist. Auf sechs fast reinweißen Bildern seitlich sind auch Mann und Frau dargestellt, eine Mutter hält ihr Kind in den Armen, als Sinnbild für Liebe, Geborgenheit und Mitgefühl. Die Kunstwerke sind mit einer Schrift überzogen, die nach der Vorstellung des Künstlers alle Sprachen und alle Religionen kennt und als Synonym für Glaubensfreiheit und Toleranz steht.
Unsterblichkeit der Seele
Eine Art Geborgenheit im ewig Vergänglichen kennzeichnet auch die aus Holz und Stein gefertigten Skulpturen von Stefan Kresser. “Angekommen”, aus Sandstein kreiert, weist in seiner Form in die Unendlichkeit. Ein Findling aus der Ill wurde zur kunstvollen Perle, und das Werk “Phönix” handelt von der Auferstehung und der unsterblichen Seele. Aus dem morschen Stamm eines Apfelbaums entstand ein sakral wirkendes Kunstwerk.
Schon weit über 150 Besucher haben im Alten Evangelischen Friedhof die Ausstellung “Stein und Seele” besucht, welche diese Woche noch am Freitag und Samstag die Tore geöffnet hat. HE
Die Ausstellung “Stein und Seele” in der Alten Evangelischen Pfarrkirche, Wichnergasse 24, ist noch am Freitag, 29. Mai (13 bis 17 Uhr) und Samstag, 30. Mai (10 bis 14 Uhr) geöffnet.







